Gesund is(s)t, wer genießt
food-monitor | 22. Januar 2009, 12:19 Uhr |
Verbraucherzentrale Bundesverband sieht im Genuss den Schlüssel für eine gesunde Ernährung
Für “mehr Genuss” als Schlüssel zu einer gesunden Ernährung macht der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sich heute (22.01.2009) im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) stark. “Wir ernähren uns zu schnell, zu unregelmäßig und zu ungesund”, beklagt Vorstand Gerd Billen. Immer weniger Menschen kochen selbst. Stattdessen boomen die Außer-Haus-Verpflegung und Fertig- und Fastfood-Produkte. “Wir müssen lernen, Essen und Kochen wieder mehr zu genießen statt als bloße Befriedigung der Kalorien- und Nährstoffzufuhr zu betrachten”, meint Billen. Eine bewusste und genussorientierte Ernährung sei die Grundlage für Gesundheit und Wohlbefinden.
Ernährungsbedingte Krankheiten kosten 70 Milliarden Euro
Jedes sechste Kind in Deutschland ist übergewichtig. Auch die Zahl übergewichtiger Erwachsener steigt. In Deutschland gelten circa 37 Millionen Erwachsene und rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche als übergewichtig oder adipös. Ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen jährliche Gesundheitskosten von bis zu 70 Milliarden Euro. “Es ist höchste Zeit zu handeln. Die Über- und Fehlernährung gehört zu den zentralen gesundheitspolitischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit”, sagt Billen. Dabei belegen aktuelle Studien, dass eine gesunde Ernährung mit Genuss weniger an mangelndem Wissen, sondern an einem Mangel an Zeit und Disziplin scheitert. Laut einer Allensbach-Studie würden 85 Prozent der Berufstätigen gerne gesünder essen, aus Zeitmangel machen sie es nicht. In einer vom Lebensmittelkonzern Nestlé in Auftrag gegebenen Studie gab jeder zweite Befragte an: “Erst am Wochenende ernähre ich mich so, wie ich wirklich will.”
Positive Ansätze in der Prävention
Unter dem Motto “Gesund is(s)t, wer genießt” diskutieren heute Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbraucherschutz über genussbetonte Ernährungsansätze und Projekte. Zum Beispiel setzen die Verbraucherzentralen mit Projekten wie FIT KID, MachBar-Tour und Fit im Alter Akzente für eine an unterschiedlichen Lebensphasen ausgerichteten Ernährungsaufklärung. Parallel dazu bietet der Aktionsplans IN FORM der Bundesregierung positive Ansätze. Hinzu kommen Erkenntnisse der Verbraucherforschung, wonach Verzichts- und Vermeidungsbotschaften wenig Erfolg versprechen. Gerd Billen dazu: “Es gibt zahlreiche gute und erfolgversprechende Ansätze der Prävention, die nicht auf Vermeidung und Verzicht abzielen, sondern Genuss und Freude am Essen und an der gemeinsamen Essenszubereitung in den Vordergrund stellen.” Jetzt gelte es, diese guten Projekte zu erfolgreichen und effektiven Programmen auszubauen.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert:
o die Bundesregierung auf, die positiven Ansätze des Aktionsplans IN FORM flächendeckend umzusetzen und durch ein Präventionsgesetzes zu flankieren,
o die Bundesregierung auf, durch eine vereinfachte und auf einen Blick eingängige Nährwertkennzeichnung (Ampel-Kennzeichnung), den Verbrauchern die Auswahl von Lebensmitteln zu erleichtern,
o die Bundesländer auf, durch Bildungsangebote für Kinder und Familien sowie durch die Gestaltung einer gesundheitsfördernden Verpflegung in Schulen und Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung, der Über- und Fehlernährung entgegenzuwirken,
o die Lebensmittelindustrie auf, das Angebot an schmackhaften und gesunden Produkten zu erhöhen.
Darüber hinaus ermutigt Gerd Billen die Verbraucher, wieder genussvoller zu essen: “Beim Essen geht es um die Einstellung zu sich selbst, sich selbst etwas Gutes zu tun. Jeder hat es in der Hand, sich durch bewusstes und genussorientiertes Essen zu belohnen.”
Verbraucherpolitisches Forum auf der IGW von 14.00 bis 17.30 Uhr im ICC Berlin, Dachgartenfoyer, Haupteingang Neue Kantstraße / Ecke Messedamm, 14057 Berlin
Quelle: vzbv

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