Cholesterin: das gute, das schlechte und der Mittelweg
Leser: 800 | Heute: 2 | Zuletzt am 2 . September 2010
Cholesterin bekommt oftmals eine negative Presse, was in gewisser Weise auch berechtigt ist, da zu hohe Konzentrationen an „schlechtem” Cholesterin im Blut ein Hauptrisiko für Herzerkrankungen darstellen. Gesunde und ausgeglichene Lebensweise und Ernährung können dazu beitragen, das Risiko für Herzerkrankungen gering zu halten, doch spielt Cholesterin auch eine wichtige Rolle für die generelle Gesunderhaltung des Körpers.
Was ist Cholesterin?
Cholesterin ist eine wachsige Substanz, die gemeinsam mit den Fetten und Ölen zu den Lipiden zählt. Cholesterin wird in allen Zellen unseres Körpers benötigt und spielt eine zentrale Rolle bei der Bildung von Gehirnzellen, Nervenzellen und bestimmten Hormonen. Obwohl Cholesterin dem Körper auch mit manchen Nahrungsmitteln von außen zugeführt wird, stellt er selbst, genauer die Leber, den Hauptteil selbst her.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt der durchschnittliche Gesamtcholesterin-Spiegel bei Männern zwischen 4,5 mmol/l (Millimol pro Liter) in der Türkei und 6,2 mmol/l in Serbien und Montenegro, während die durchschnittlichen Cholesterinwerte bei Frauen von 4,6 mmol/l (Türkei) bis 6,1 mmol/l (Norwegen) reichen. (1) Für die meisten Menschen wird ein Gesamtcholesterinspiegel von <5,0 mmol/l empfohlen; bei Menschen, die bereits an einer kardiovaskulären Erkrankung leiden, sollte das Gesamtcholesterin unter 4,5 mmol/l liegen. (2)
Cholesterin und Gesundheit
Ein zu hoher Cholesteringehalt im Blut (Hypercholesterinämie) ist einer der Hauptrisikofaktoren für Erkrankungen der Herzkranzgefässe, in deren Folge es zu einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall kommen kann. Zusammen stellen diese Krankheiten die Haupttodesursache in Europa dar. (3)
Man unterscheidet zwei Arten von Cholesterin: das LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein/Lipoprotein niedriger Dichte) und das HDL-Cholesterin (High Density Lipoprotein/Lipoprotein hoher Dichte).
Das sogenannte „schlechte” oder schädliche LDL-Cholesterin bringt das Fett in alle Körpergewebe und ist gross, weich und klebrig. Unter bestimmten Umständen lagert sich das LDL-Cholesterin an den Gefässwänden ab, und es kommt zur Gefässverengung (Atherosklerose). Diese Veränderungen führen ihrerseits zu einer verstärkten Blutgerinnungsneigung. Hat sich ein Blutpropfen (Thrombus) gebildet und blockiert dieser eine verengte Arterie (Thrombose), kann dies zum Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. LDL-Cholesterin wird zwar vom Körper selbst hergestellt, doch produzieren manche Menschen zu viel davon. Auch die Ernährung kann den LDL-Cholesterinspiegel beeinflussen.
Im Gegensatz zum „schlechten” LDL-Cholesterin nimmt das „gute” HDL-Cholesterin Fett bzw. Cholesterin aus Gewebe und Gefässen auf und transportiert es zur Leber zurück. Ein hoher HDL-Cholesterinspiegel sorgt somit für eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit von Gefässablagerungen. Ein günstiges HDL:LDL-Verhältnis, d.h. ein im Vergleich zur LDL-Konzentration hoher HDL-Cholesterinspiegel, schützt vor Herzerkrankungen. Auch körperliche Aktivität und gesunde Fette in der Ernährung tragen zu einem hohen HDL-Cholesterinspiegel bei.
Ernährung, Lebensweise und Cholesterin
Es gibt verschiedene Faktoren, die den Cholesteringehalt des Blutes beeinflussen. Ausgewogene Ernährung, normales Körpergewicht und insbesondere körperliche Aktivität tragen dazu bei, den Cholesterinspiegel innerhalb normaler Werte zu halten.
Cholesterin in der Nahrung
Manche Lebensmittel (Eier, Leber, Nieren, Garnelen) enthalten natürliches Cholesterin (Nahrungscholesterin). In den meisten Fällen beeinflusst dieses Cholesterin den Blutcholesterinspiegel zwar bei weitem nicht so sehr wie Art und Menge der verzehrten Fette, doch manche Menschen reagieren empfindlich auf eine hohe Cholesterinaufnahme.
Nahrungsfette
Bei den Nahrungsfetten unterscheidet man in der Regel zwischen gesättigten und ungesättigten Fetten. Im Allgemeinen bewirken die meisten Arten von gesättigten Fetten einen Anstieg des Gesamt- und des LDL-Cholesterins. Gesättigte Fette sind enthalten in: Butter, Schweineschmalz (und allen Speisen, die damit zubereitet wurden, einschließlich Backwaren, Kuchen, Kekse), Fleischprodukten (z.B. Salami, Würste, Pasteten, etc.), Sahne, Käse und allen Speisen, die mit Kokosnussöl oder Palmöl hergestellt wurden. Manche ungesättigten Fette sind in der Lage, den LDL-Cholesterinspiegel zu senken, sodass es generell empfehlenswert ist, gesättigte Fette durch ungesättigte zu ersetzen. Zu den Lebensmitteln, die ungesättigte Fette enthalten, zählen pflanzliche Öle und Aufstriche (z.B. Rapsöl, Olivenöl, Sojaaufstriche), ölreiche Fische (z.B. Makrele, Lachs, Hering), Nüsse und Avocados.
Eine andere Fettart, die sogenannten Trans-Fettsäuren, kann manchmal in Lebensmittels vorkommen, die partiell gehärtete Fette enthalten (z.B. manche Backwaren und Kekse); viele europäische Hersteller beschränken allerdings den Einsatz dieser Fette auf ein Minimum. Trans-Fettsäuren können den Spiegel („schlechten”) LDL-Cholesterins im Blut erhöhen. Im Unterschied zu den gesättigten Fettsäuren bewirken Trans-Fettsäuren jedoch auch ein Absinken der Konzentration an („gutem”) HDL-Cholesterin sowie eine Erhöhung des Triglyzeridspiegels im Blut; beides wird mit einem erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheit in Verbindung gebracht. Diese negativen Auswirkungen können bei langfristiger Aufnahme von Trans-Fettsäuren in einer Menge von 5-10 g pro Tag auftreten. (4,5)
Neben der Wahl der richtigen Nahrungsfette sollte vernünftigerweise versucht werden, die aufgenommene Fettmenge generell zu reduzieren, indem man Speisen backt, grillt, kocht oder dämpft anstatt sie zu braten. Gleichzeitig sollten stark fetthaltige Lebensmittel und Speisen weitestgehend vermieden werden. Achten Sie daher beim Kauf auf die Nährwertangaben und vergleichen Sie Fettart und Fettmenge der Produkte (insbesondere gesättigte Fette).
Die richtige Mischung macht’s
Neben der Art der Fette, die wir zu uns nehmen, können auch andere Lebensmittel dazu beitragen, unseren Cholesterinspiegel auf normalem Niveau zu halten. Viel Obst und Gemüse sowie Lebensmittel, die lösliche Ballaststoffe enthalten (z.B. Haferflocken, Linsen, Bohnen, Erbsen), Nüsse (z.B. Mandeln) und Soja können in diesem Zusammenhang gute Dienste leisten. Beachten Sie auch, dass Produkte mit pflanzlichen Stanolen oder Sterinen, die speziell für Patienten mit hohem Cholesterinspiegel entwickelt wurden, für Menschen mit normalem Cholesterinspiegel unnötig sind. Wissenschaftler haben festgestellt, dass eine ausgewogene und fettarme Ernährung mit einer Mischung der oben genannten Lebensmittel den Cholesterinspiegel bis zu 20% senken kann. (6)
Literatur
1. WHO (2006). WHO global infobase online. Siehe: http://www.who.int/infobase/report.aspx?rid=112&ind=CHO
2. Policy Analysis Centre (2007). European Cholesterol Guidelines Report.
Siehe: http://www.policy-centre.com/downloads/European-Cholesterol-Guidelines07.pdf
3. European cardiovascular disease statistics; 2008 edition. European Heart Network, Brussels, 2008.
Siehe: http://www.ehnheart.org/files/EU%20stats%202008%20final-155843A.pdf
4. Hunter JE. (2006). Dietary trans fatty acids: review of recent human studies and food industry responses. Lipids 41(11): 967-92.
5. Stender S, Dyerberg J, Astrup A. (2006). High levels of trans fat in popular fast foods. New England Journal of Medicine 354:1650-1652.
6. Jenkins DJA, Kendall CWC, Marchie A, Faulkner DA, Wong JMW, de Souza R, Emam A, Parker TL, Vidgen E, Trautwein EA, Lapsley KG, Josse RG, Leiter LA, Singer W, Connelli PW. (2005). Direct comparison of a dietary portfolio of cholesterol lowering foods with a statin in hypercholesterolaemic participants. American Journal of Clinical Nutrition 81:380-7;
FOOD TODAY 07/2008
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