Übergänge von Mineralöl aus Verpackungsmaterialien auf Lebensmittel
Leser: 535 | Heute: 4 | Zuletzt am 29 . Juli 2010
Stellungnahme Nr. 008/2010 des BfR vom 09. Dezember 2009
Karton für Verpackungen wird aus ökologischen Erwägungen zu einem großen Teil aus rezykliertem Altpapier hergestellt. Untersuchungen aus der Schweiz zeigen, dass Recyclingkartons hohe Mineralölanteile enthalten können. Ursprung der Mineralöle sind Druckfarben, wie sie üblicherweise im Zeitungsdruck verwendet werden. Werden Lebensmittel wie zum Beispiel Reis in derartigen Kartons verpackt, können Mineralöle aus dem Karton in größeren Mengen in das Lebensmittel übergehen. Wegen des hohen Anteils an Mineralölfraktionen mit kürzerkettigen und aromatischen Kohlenwasserstoffen sind derartige Kontaminationen von Lebensmitteln unerwünscht. Kürzerkettige Kohlenwasserstoffe werden vom Körper leicht aufgenommen, so dass bei häufigerem Verzehr derart belasteter Lebensmittel die toxikologischen Grenzwerte überschritten werden können. Aus tierexperimentellen Studien ist bekannt, dass Mineralölgemische mit niedriger Viskosität im Körper gespeichert werden und zu Ablagerungen und Schäden in der Leber, den Herzklappen und den Lymphknoten führen können. Aufgrund dieser Daten kam das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in seiner Bewertung zu dem Schluss, dass der Übergang von Mineralölen auf Lebensmittel dringend minimiert werden sollte.
Zur Reduzierung dieser Stoffübergänge war das BfR vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) um Übermittlung von Handlungsoptionen gebeten worden. Für Lebensmittel, die besonders leicht durch Mineralöle kontaminiert werden können, weist das BfR zum einen auf die Möglichkeit hin, über den Einsatz eines Innenbeutels den Stoffübergang aus dem Karton zu verhindern. Zum anderen ist für diese Lebensmittel auch die Verwendung von Kartons aus Frischfasern denkbar. Zudem sollte die Möglichkeit geprüft werden, die Zusammensetzung der im Zeitungsdruck verwendeten Druckfarben zu verändern und auf gesundheitlich bedenkliche Mineralöle zu verzichten. Dieser Vorschlag wird zusätzlich dadurch gestützt, dass eine Aufnahme von Mineralölen aus Zeitungsdruckfarben auch über den Hautkontakt erfolgen könnte.
Gegenstand der Bewertung
Untersuchungsergebnisse des Kantonalen Labors Zürich zeigen, dass Kartonverpackungen für Lebensmittel hohe Mineralölanteile enthalten, die auf das Recycling von Zeitungspapieren und die darin enthaltenen Druckfarben zurückgeführt werden konnten. Ein Übergang dieser Mineralöle auf Reis wurde in Mengen bis zu 19,4 mg/kg bestimmt. Es handelt sich dabei um kürzerkettige Mineralölfraktionen mit Kohlenstoff-Zahlen unterhalb von 25 (< C25) und einem hohen Anteil an Aromaten (10-25 %).
Ergebnis
In tierexperimentellen Studien sind nach Gabe von Mineralölen mit niedriger bis mittlerer Viskosität toxische Wirkungen in Leber und Lymphknoten gefunden worden. In diesen Orga-nen werden Ablagerungen von mineralischen Kohlenwasserstoffen auch beim Menschen nachgewiesen. Daher sind relevante Übergänge von resorbierbaren Mineralölgemischen aus Recyclingkarton-Verpackungen auf Lebensmittel unerwünscht und sollten soweit wie möglich reduziert werden. Insbesondere sollte die Aufnahme von Mineralölgemischen mit hohem Aromatenanteil wegen der potentiellen Belastung mit kanzerogenen Stoffen vermieden werden. Um das potentielle Gesundheitsrisiko durch Mineralöle besser zu charakterisieren, werden vom BfR Vorschläge zur Verbesserung der Bewertungsgrundlagen (z.B. Prüfung der Migrate auf das Vorhandensein von Kanzerogenen, toxikologische Prüfung der eingesetzten Mineralöle) unterbreitet. Außerdem werden kurzfristige (z.B. Verwendung von Frischfasererzeugnissen bzw. von Innenbeuteln als Migrationsbarriere) und längerfristige Handlungsoptionen (Ersatz von Mineralölen in Druckfarben) zur Minimierung der Belastung von Papieren und Kartons für den Lebensmittelkontakt aufgezeigt.
Vollständiges Dokument:
http://www.bfr.bund.de/cm/216/uebergaenge_von_mineraloel_aus_verpackungsmaterialien_auf_lebensmittel.pdf
Quelle: BfR
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