Probiotische Lebensmittel - was bringen Sie wirklich?
Wer kennt Sie nicht, die Werbeslogans auf den Joghurtverpackungen: „hilft die Verdauung zu regulieren“, „stärkt die Abwehrkräfte“. Beworben werden damit Lebensmittel, die aufgrund Ihres Zusatzes an lebenden Bakterien eine probiotische Wirkung aufweisen. Sie zählen zu den funktionellen Lebensmitteln.
Was sind funktionelle Lebensmittel?
Der Begriff funktionelle Lebensmittel ist bisher gesetzlich noch nicht genau definiert. Man versteht darunter Lebensmittel, die über die reine Nährfunktion hinaus, die Gesundheit und das Wohlbefinden verbessern oder ein bestimmtes Krankheitsrisiko verringern sollen. Diesen Lebensmittel werden Inhaltsstoffe zugesetzt, die eine positive gesundheitliche Wirkung haben oder Inhaltsstoffe werden entfernt, die für Allergiker nicht verträglich sind, z.B. Laktose aus Milchprodukten. Zu den funktionellen Lebensmitteln zählen Probiotika,
Präbiotika, ACE-Produkte, Produkte mit Omega-3-Fettsäuren, sowie mit Phytosterinen.
Was sind Probiotika?
Probiotika nennt man lebende Bakterien, die in ausreichender Menge in den Darm gelangen und dort eine positive Wirkung erzielen. Lebensmittel, denen man diese Probiotika zufügt, nennt man probiotische Lebensmittel. Als Probiotika werden besonders robuste Milchsäurebakterien, wie Bifidobakterien oder Laktobazillen eingesetzt, die eine Reihe von Anforderungen erfüllen müssen:
o Probiotika müssen in Lebensmitteln überleben, so dass eine ausreichend große Menge dieser Bakterien aufgenommen wird.
o Probiotika müssen die Magen-Darm-Passage überleben, da sie nur lebend im Darm wirken können.
o Probiotika müssen gesundheitlich unbedenklich sein.
o Probiotika müssen nachweislich eine funktionelle Wirkung auf den Organismus haben.
Bevorzugt werden sie Milchprodukten zugesetzt: Joghurt und Joghurterzeugnisse, Milchmisch-Erzeugnisse, Getränke auf Milchbasis, Quarkzubereitungen, Hüttenkäse und Schnittkäse. Vereinzelt sind Probiotika auch in Säuglingsnahrung, Fruchtsäften, Müsli oder Salami zu finden.
Wie wirken Probiotika?
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Milchsäurebakterien überleben Probiotika die Verdauung und erreichen den Darm. Dort produzieren sie organische Säuren, die den pH-Wert senken, und antimikrobielle Substanzen, die die Ansiedelung krankmachender Keime im Darm verhindern und das körpereigene Immunsystem stimulieren.
Wissenschaftlich bewiesen sind folgende Wirkungen:
o Vorbeugung einer Durchfallerkrankung auch bei Antibiotikatherapie. Bei einer bestehenden Erkrankung wird die Dauer der Krankheit verkürzt.
o Stimuliert das Immunsystem und die Immunantwort.
o Verbessert die Enzymaktivität in der Darmflora. Dadurch wird die Konzentration gesundheitsschädlicher Stoffwechselendprodukte und krebsfördernder Enzyme im Dickdarm gesenkt.
o Förderung der Milchzuckerverdauung und Linderung bei Laktoseintoleranz.
Nicht wissenschaftlich belegt bzw. noch diskutiert und erforscht werden:
o Prophylaxe und Therapie von Magen-Darmerkrankungen beispielsweise Reizdarm-Syndrom, Helicobacter-Pylori-Infektion und chronisch entzündliche Darmerkrankungen
o
Prävention von Krebserkrankungen des Magen-Darmtraktes, Atemwegsinfektion, Vaginale Pilzinfektion
Tipp: Seit dem 1. Juli 2007 dürfen Lebensmittel nur dann mit gesundheitsbezogenen Angaben, sogenannte Health Claims beworben werden, wenn diese durch wissenschaftlich anerkannte Studien belegt sind. Krankheitsbezogene Werbung wie etwa: „schützt vor Krebs“ oder anderen Krankheiten sind verboten.
Halten Probiotika was sie versprechen?
Grundsätzlich befürworten Experten die Zufuhr von Probiotika. Sie kann sinnvoll sein, wenn die Darmflora durch eine Infektion oder medizinische Therapien (z. B. Einnahme von Antibiotika) gestört ist. Probiotika helfen nicht jedem Menschen gleichermaßen, da die Darmflora wie der Mensch individuell ist. In probiotischen Lebensmitteln stecken unterschiedlicher Bakterienstämme, die unterschiedliche Wirkungen erzielen. Ist eine bestimmte Wirkung bei einem Bakterienstamm nachgewiesen (z. B. hilft gegen Verstopfung) trifft das nicht auf alle anderen zu.
Zudem zeigt sich eine Wirkung der Probiotika erst bei einem täglichen regelmäßigen Verzehr über mehrere Tage. In dieser Zeit sollte man das Produkt nicht wechseln.
Tipp: Kaufen Sie probiotische Lebensmittel nicht auf Vorrat und verzehren Sie diese frisch. Die enthaltenen Bakterien haben nur eine begrenzte Lebensdauer. Zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verringert sich ihre Keimzahl deutlich.
Fazit
Probiotika sind keine Wundermittel, sie können auch nur dann günstig wirken, wenn die Ernährung insgesamt vollwertig ist. Sie können keinen ungesunden Lebenswandel wett machen. Statt teurer probiotischer Joghurts kann man auch herkömmliche Sauermilchprodukte essen, auch diese haben nachgewiesenermaßen eine positive Wirkung auf die Darmflora und das Immunsystem.
Quelle:
Probiotika: Wirkung fraglich: UGB-Forum 2/07
Lebensmittel sind keine Medikamente, Serie „Gesund essen“: Stuttgarter Zeitung Nr. 269, 18.Nov. 2008
aid, Was bedeutet „aktiviert Abwehrkräfte“ konkret? Werbeslogans für Probiotika unter der Lupe, Ausgabe 41/07
British Medical Journal 335 (7610), 80ff., 2007: was-wir-essen, Newsletter von 01.2008: Probiotische Milchprodukte: Schutz vor Durchfall infolge von Antibiotikatherapie
Quelle: LEL Schwäbisch Gmünd, Infodienst Landwirtschaft - Ernährung - Ländlicher Raum