"CO2-Rucksack" von Lebensmitteln ist Problembereich
Berechnung der Umweltbelastung durch CO2-Emissionen beim Transport von importierten Lebensmitteln
Wien, 16. März 2007 - Für die Regionalität und Saisonalität von Lebensmitteln gibt es viele gute Gründe. Durch die Klima-Debatte ist ein wichtiger Grund dazugekommen: Der CO2-Rucksack von Lebensmitteln ist ein Problembereich, weil er massiv zum Klimawandel beiträgt. Wichtig ist aber auch zu wissen, dass jede Konsumentin und jeder Konsument durch bewusstes Einkaufen zum Klimaschutz beitragen kann. Die Agrar Markt Austria (AMA) hat exemplarisch einige Produkte auf die Transportbelastung durchrechnen lassen. Dabei geht es nicht um einen absoluten Verzicht auf ausländische Lebensmittel, sondern darum, Bewusstsein zu schaffen für mehr Regionalität und mehr Saisonalität und damit für einen verbesserten Klimaschutz, erklärte Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll heute Freitag anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz mit AMA Marketing Geschäftsführer Dr. Stephan Mikinovic zum Thema Lebensmittel als Klima-Killer.
10 Prozent mehr regionale Lebensmittel sind minus 116.000 Tonnen CO2

Regionale und saisonale Lebensmittel haben einen besonderen Wert. Sie sind klimafreundlich und haben einen Bonus bei Frische und Qualität. Wir bemühen uns, das verstärkt in den Mittelpunkt zu stellen: So geht es beispielsweise bei der Initiative Genuss Region österreich um das Sichtbarmachen von regionalen landwirtschaftlichen Produkten und Spezialitäten, führte Pröll weiter aus.

Der Einkauf von regionalen und saisonalen Produkten trägt wesentlich zur Verringerung von CO2-Emissionen bei. So werden beispielsweise durch den Kauf von 10 Prozent mehr regionalen Lebensmitteln diese Waren statt durchschnittlich 1.700 Kilometer nur mehr 150 Kilometer weit transportiert. Das bedeutet eine Reduzierung der gefahrenen LKW-Kilometer um 166 Millionen pro Jahr. Das entspricht einer Reduktion von 116.000 Tonnen CO2, weist Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll auf die Bedeutung von kurzen Transportwegen für den Klimaschutz hin.

Eine neue Studie der Universität Linz im Auftrag der österreichischen Hagelversicherung belegt, dass Obst und Gemüse aus der Region nicht nur positiv für die CO2-Bilanz ist, sondern auch der Wirtschaft hilft. Fast ein Drittel bis zur Hälfte der eingekauften Lebensmittel sind durch regionale Produkte ersetzbar. Eine Verlagerung der Nachfrage hin zu regionalen und weg von importierten Lebensmitteln kann beträchtliche ökonomische Effekte haben: Neben einem Zuwachs des BIP auf bis zu 3 Milliarden Euro pro Jahr würden rund 26.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen bzw. gesichert.
Ein Apfel ist nicht gleich ein Apfel ist nicht gleich ein Apfel

Die neue Studie des Sustainable Europe Research Institute (SERI) im Auftrag der AMA über die Berechnung der CO2-Emissionen des Transports von ausgewählten Lebensmittelprodukten belegt: äpfel sind hinsichtlich des CO2-Ausstoßes nicht gleich äpfel. Aufgrund enormer Transportwege und wenig umweltfreundlicher Transportmittel wie LKW sind die CO2-Belastungen, die der Transport eines Apfels aus Kapstadt nach Wien im Vergleich zu einem Apfel aus der Steiermark nach Wien verursacht, 12 Mal höher. Bei einer Tomate aus Holland im Vergleich zu einer Paradeiser aus Wien ist die CO2-Belastung 150 Mal höher.

Ein in Deutschland hergestelltes Joghurt hat einen Transportweg von etwa 500 km nach Wien hinter sich, verglichen mit 140 km eines Produktes aus einem Molkereibetrieb in Niederösterreich. Die Emissionsmengen für ein Glas mit 500 g Joghurt betragen 22,4 g im Falle des importierten bzw. 6,9 g im Falle des heimisch produzierten Joghurts. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 16,6 kg pro Kopf und Jahr verursacht der Transport des Joghurts von Niederösterreich nach Wien 228 g CO2. Würde der Jahresverbrauch ausschließlich mit Joghurt aus Deutschland gedeckt werden, würde dies CO2 Emissionen im Ausmaß von 745 g verursachen, das ist eine mehr als dreimal so hohe Belastung.

Beim Transport einer Butter aus Irland verglichen mit Butter aus Niederösterreich ist die jährliche CO2-Belastung 14 Mal höher.
Top-Belastung durch Flugzeug-Weintrauben aus Chile

Weintrauben sind eines der wichtigsten Frischobst-Exportprodukte von Chile. Die besten Anbauregionen für Weintrauben liegen im Zentraltal südlich von Santiago de Chile. Nach einem kurzen Transport mit dem LKW nach Santiago werden die Trauben mit dem Flugzeug 12.100 km nach Frankfurt am Main geflogen, von wo aus sie im LKW die restlichen 710 km nach Wien zurücklegen. Bei Weintrauben aus dem Mittelburgenland liegt die Streckenlänge für den Transport nach Wien bei etwa 90 Kilometer.

Verglichen mit dem LKW oder dem Frachtschiff weist ein Transport mit dem Flugzeug eine weit schlechtere CO2-Bilanz auf. Die Gesamtemissionen für den Transport eines Kilogramms Weintrauben aus Chile belaufen sich auf 7.410 g oder 7,41 kg. Dies ist um das 838-fache höher als die Emissionen des Transports aus dem Burgenland (8,8 g). Umgelegt auf den Jahresverbrauch von 3,3 kg Weintrauben pro Kopf liegen die entsprechenden Werte bei 24,45 kg CO2 für Trauben aus Chile gegenüber 29,2 g für jene aus dem Burgenland.

Geringer ist die Belastung eines Produktes aus übersee, das per Schiff importiert werden kann. Mit 13.090 km besitzt Rindfleisch aus Argentinien eine ähnlich lange Transportstrecke nach Wien wie äpfel aus Südafrika. Der Transportweg ist verglichen mit einem in Oberösterreich geschlachteten Rind (235 km) daher 56 Mal länger. Das Rindfleisch aus Argentinien wird über den weitaus größten Teil der Strecke mit dem Frachtschiff transportiert. Das Frachtschiff legt 90 Prozent des Weges zurück, verursacht jedoch nur knapp 58% der CO2 Emissionen. Die Gesamtemissionen liegen im Vergleich Argentinien - Oberösterreich mit 282,4 g gegenüber 23,1 g CO2 für ein Kilogramm Rindfleisch 12 Mal höher.
Die CO2-Belastung des Import-Warenkorbs ist 32 Mal höher

Eine Gesamtauswertung dieses exemplarischen 6-Produkte-Warenkorbes ergibt: Importierte Produkte legen eine 51 Mal längere Wegstrecke zurück wie regional produzierte Produkte (42.660 km gegenüber 841 km). Die gesamte CO2-Bilanz liegt im Fall der ausschließlich importierten Produkte um das 125-fache höher (8,13 kg gegenüber 0,066 kg). Umgelegt auf den durchschnittlichen Verbrauch, der die verschiedenen Produkte im Warenkorb nach Verbrauchsmengen gewichtet, ist der CO2-Ausstoß mit 39,3 kg bei importierten Produkten verglichen mit 1,25 kg bei regionalen Produkten 32 Mal höher.
Kennzeichnung von Produkten mit einem großen CO2-Rucksack gefordert

Um das Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten hinsichtlich ihres eigenen Beitrags zum Umweltschutz weiter zu stärken, hat die AMA Marketing die Studie zur Berechnung der CO2-Emissionen des Transports von ausgewählten Lebensmittelprodukten in Auftrag gegeben, welche die CO2-Belastung durch den Transport importierter Produkte jenen regionaler Herkunft gegenüberstellt.

Dazu Dr. Stephan Mikinovic, Geschäftsführer der AMA Marketing: Wir fordern eine Kennzeichnung der Produkte, die einen großen CO2-Rucksack haben. So haben Konsumenten die Möglichkeit, aktiv den Klimaschutz zu unterstützen. Eine Vorreiterrolle nimmt hier die englische Supermarktkette Tesco ein, die ab Ostern Produkte, die mit dem Flugzeug importiert wurden, mit der Kennzeichnung FLOWN versieht.

Regionale Lebensmittel garantieren nicht nur frische Ware und damit mehr Qualität und ein besseres Geschmackserlebnis, sondern auch kurze Transportwege. Damit können österreichischen Haushalte beim Lebensmittelkauf einen substantiellen Beitrag zum Klimaschutz leisten, stellte Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll abschließend fest.
Rückfragehinweis:

Mag. Hermine Hackl, AMA Marketing GesmbH., Abteilung Unternehmenskommunikation, Tel. 01/33151-404, Mobil 0664/837 61 78;
E-mail: hermine.hackl@ama.gv.at

Dr. Gerhard Popp, Lebensministerium, Pressesprecher des Ministers,
Tel. 01/71100-6703; E-mail: gerhard.popp@lebensministerium.at
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