60 Jahre Deutscher Bauernverband
Vertretung der Interessen aller Bauern und des ländlichen Raumes

26.06.2008, DBV - Der Deutsche Bauernverband (DBV) wird auf dem Deutschen Bauerntag 2008 in Berlin am 30. Juni und 1. Juli auf 60 Jahre einheitliche Interessenvertretung der deutschen Bauern zurückblicken können. Die Gründerväter, voran der ehemalige Reichsminister und Gegner des Nationalsozialismus, Dr. Andreas Hermes, beherzigten die Erfahrungen der Weimarer Republik und vermieden eine schädliche Zersplitterung des landwirtschaftlichen Verbandswesens. Hermes war von den Vorteilen überzeugt, die ein starker einheitlicher Verband bietet, der die Interessen aller Bauern und des ländlichen Raumes gegenüber der Politik vertritt. Der Verband musste politisch unabhängig und ohne konfessionelle Bindung sein und alle Produktionsarten und Betriebsgrößen sollten sich wiederfinden. Die nachdrückliche Verteidigung des Eigentums einigte die Mitglieder mit unterschiedlichen Strukturen.

Von der Gründung an konnte das einzelne Mitglied schon auf Kreisebene effiziente Dienstleistungen wie die Steuer-, Sozial- und Rechtsberatung nutzen. Dieses Angebot des Berufsstandes ist auch Ursache für den einmalig hohen Organisationsgrad auf Basis freiwilliger Mitgliedschaft. Dem DBV gehören als ordentliche Mitglieder heute 18 Landesbauernverbände an, deren über 300.000 Mitglieder derzeit in 330 Kreisverbänden organisiert sind. Ordentliche Mitglieder sind darüber hinaus der Deutsche Raiffeisenverband, der Bund der Deutschen Landjugend und der Bundesverband landwirt­schaftlicher Fachbildung. Außerdem sind 49 Verbände und Institutionen assoziiertes Mitglied des DBV.

Die deutsche Landwirtschaft stellt gemeinsam mit dem vorgelagerten Wirtschaftsbereich und der heimischen Ernährungswirtschaft heute die viertgrößte Wirtschaftsbranche in Deutschland dar - auf Augenhöhe mit der Automobilbranche. In einzelnen Bundesländern ist sie sogar die Nummer eins oder zwei. Wenngleich der Anteil an Erwerbstätigen zu Zeiten der Gründung des DBV in Deutschland mit über 20 Prozent wesentlich höher lag, vollzog die heimische Landwirtschaft durch enorme Produktivitäts- und Qualitäts­steigerungen eine Entwicklung, die sie heute zu den führenden Ländern der EU in der Agrar- und Ernährungswirtschaft macht. Deutschlands Bauern sind die Nummer eins in der Milch- und Schweinefleischerzeugung sowie beim Anbau von Raps, nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbarer Energie.

Hermes, Rehwinkel, Heereman, Sonnleitner

Andreas Hermes hatte unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau der durch den Nationalsozialismus beseitigten landwirtschaftlichen Organisationen angestrebt und am 1. September 1945 in Berlin den "Allgemeinen Deutschen Bauernverband" gegründet. Diese Gründung wurde jedoch vom Alliierten Kontrollrat untersagt, da organisatorische Zusammenschlüsse über die Besatzungszonen der Siegermächte hinaus nicht erlaubt waren. Somit entstanden in den westlichen Zonen zuerst regionale Bauernverbände, die am 29. Oktober 1946 in München die "Arbeitsgemeinschaft der deutschen Bauernverbände" gründeten. Am 1. und 2. Oktober 1948 wurde im Bayerischen Bauernverband in München die bestehende Arbeitsgemeinschaft zum eingetragenen Verein "Deutscher Bauernverband" umgewandelt. Andreas Hermes wurde zum ersten DBV-Präsidenten gewählt.

Aufgrund seiner guten Auslandskontakte wurde der DBV bereits 1948 in den Zusammenschluss der Europäischen Bauernverbände (CEA) aufgenommen. Nach seinem Aus­scheiden im September 1954 unterstützte Hermes mit Rat und Tat die weitere berufsständische (Aufbau-)Arbeit eines Dreier-Gremiums mit Bernhard Bauknecht, Präsident des Bauernverbandes für Württemberg und Hohenzollern, Edmund Rehwinkel, Präsident des Niedersächsischen Landvolkes, und Dr. Fridolin Rothermel, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, dem 1955 Otto Freiherr von Feury im Amt folgte. Von 1959 bis 1969 vertrat Edmund Rehwinkel als DBV-Präsident kämpferisch die Interessen der deutschen Bauern. Der Aufbau der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Beginn einer gemeinsamen Agrarpolitik mit gemeinsamer Preispolitik waren Meilensteine dieser Zeit.

1969 wurde der damals 38-jährige Constantin Freiherr Heereman aus Westfalen DBV-Präsident. Er prägte bis 1997 die Arbeit des DBV und das Bild einer leistungsfähigen, den Umwelt- und Naturschutz berücksichtigenden Landwirtschaft in unserer Gesellschaft. Seit 1997 lenkt der heute 59-jährige Gerd Sonnleitner, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes und Landwirt aus Rottersham bei Passau, die Geschicke des Deutschen Bauernverbandes. Er hat die Verbandsstrukturen modernisiert und die Mitsprache der Mitglieder bei der politischen Positionierung des DBV gestärkt. Seine anfänglich als Vision öffentlich beschriebene Vorstellung der bäuerlichen, unternehmerisch handelnden Landwirtschaft als Zukunftsbranche mit hoher Leistungsfähigkeit wurde gerade in jüngster Zeit Realität, wie die aktuellen Diskussionen über Welternährung, Sicherung der Lebensmittelversorgung, Klimaschutz und Öffnung der Agrarmärkte zeigen. In seiner Präsidentschaft beim europäischen Bauernverband COPA (2001 bis 2003) hat Sonnleitner die Erweiterung der EU um die mittel- und osteuropäischen Länder gestaltend vorangebracht. Genauso engagiert versucht Sonnleitner, der zurzeit auch Vizepräsident von COPA ist, die Interessen der deutschen und europäischen Landwirtschaft bei den Welthandelsverhandlungen WTO einzubringen.

Seit 1948 standen vier Generalsekretäre, nämlich Johannes Hummel, Dr. Heinz Möws, Dr. Rudolf Schnieders und heute Dr. Helmut Born hauptamtlich in der Verantwortung des DBV. Von Beginn an war Bonn Sitz des DBV. Nach der deutschen Wiedervereinigung baute der DBV in Berlin eine Außenstelle auf. 2005 erfolgte der vollständige Umzug des DBV in die Bundeshauptstadt Berlin.

 

 

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