Rohmilch – ein unterschätztes Risiko?

Bei Rohmilch handelt es sich um Milch, die keinem Erhitzungsverfahren unterzogen wird. Milch stellt jedoch mit seinem hohen Anteil an Calcium und Proteinen nicht nur für den Menschen ein hochwertiges Nahrungsmittel dar, sondern ist auch für Bakterien ein exzellentes Nährmedium. Im 19. Jahrhundert wurde die Technik der Pasteurisierung von Milch eingeführt, um den Menschen vor der Tuberkulose zu schützen, die mit der Milch übertragen werden kann.

Eine der „Zehn Goldenen Regeln“ der WHO (World Health Organisation: ) zur Vermeidung lebensmittelbedingter Infektionskrankheiten lautet „always buy pasteurized as opposed to raw milk“. Also: Kaufe stets pasteurisierte Milch anstelle von Rohmilch. Der Nährwert von pasteurisierter oder hocherhitzter Milch ist vergleichbar mit dem der rohen Milch, da die heutigen Erhitzungsmöglichkeiten sehr schonend sind. Trotzdem wird der Verzehr von Rohmilch von Teilen der Bevölkerung bevorzugt, da es sich hierbei um ein naturbelassenes Lebensmittel handelt, dem ein besonderer vollmundiger und aromatischer Geschmack zugeschrieben wird.

Rohmilch darf nur unter bestimmten Voraussetzungen an Verbraucher abgegeben werden. Zum einen gibt es die „ab Hof“-Abgabe, bei der vom Erzeuger auf ein Abkochen durch den Konsumenten vor dem Verzehr deutlich hingewiesen werden muss. Hierdurch werden Mikroorganismen abgetötet. Zum anderen gibt es die Abgabe als „Vorzugsmilch“, die für den rohen Verzehr gedacht ist. Diese Vorzugsmilch unterliegt strengen mikrobiologischen Kontrollen. Derartige Untersuchungen werden im Veterinärinstitut Hannover durchgeführt. Im Jahr 2008 wurde in Niedersachsen 28x Vorzugmilch beprobt und untersucht (zu je mind. 5 Einzelproben, insgesamt 140 Einzelproben).

Immer wieder ist in der Presse von teils schweren Erkrankungsfällen bei Kindern zu lesen, die im Rahmen eines Besuches auf einem Bauernhof Rohmilch (nicht Vorzugsmilch) getrunken hatten, die vor dem Verzehr nicht abgekocht wurde. Dies zeigt, dass Rohmilch ein potentielles gesundheitliches Risiko darstellt, da bestimmte Krankheitserreger, die vom Tier auf den Menschen übergehen können (Zoonose-Erreger) im Tierstall nicht immer vollständig bekämpft werden können. Verbraucher sollten diese Milch also unbedingt vor Verzehr abkochen, da sie nicht, wie Vorzugsmilch, besonderen mikrobiologischen Kontrollen unterliegt. Insbesondere sogenannte YOPIs (junge, alte und schwangere Personen oder solche mit eingeschränktem Immunsystem) sind hier gefährdet. Schwangere, Kinder und Personen mit geschwächtem Immunsystem sollten zur Gewährleistung der größtmöglichen Sicherheit die Goldene Regel der WHO einhalten und pasteurisierte Milch bevorzugen.

Weiterhin gibt es für Landwirte die Möglichkeit, sich den Kauf von wärmebehandelter Milch für Besuche von (Kinder-)gruppen auf ihrem Bauernhof bezuschussen zu lassen (Ansprechpartner in Nds.: Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V.: ). So kann den Kindern ein sicheres Lebensmittel angeboten werden und trotzdem das Bewusstsein „woher die Milch kommt“ gestärkt werden.

Quelle: LAVES


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