Evaluierung der Kommunikation über die Unterschiede zwischen „risk“ und „hazard“

BfR-Wissenschaft 02/2009 zu Fragen der Risikokommunikation

Die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu betreibende Risikokommunikation ist als kontinuierlicher und interaktiver Prozess der Öffnung seiner Bewertungsarbeit und deren Ergebnisse gegenüber der Öffentlichkeit, der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Politik, Nichtregierungsorganisationen und anderen beteiligten oder interessierten Kreisen zu verstehen.

Zentrale Bedeutung kommt aus wissenschaftlicher Sicht zunächst der Klärung der grundlegenden Begrifflichkeiten zu, die im Bereich der nationalen und internationalen Risikokommunikation verwendet werden. Im Rahmen der behördlichen Risikokommunikation führen unterschiedliche Interpretationen der Begriffe „hazard“ und „risk“ zu Missverständnissen und Fehlinterpretationen kommunizierter Daten bei Betroffenen. Dadurch bedingte Verunsicherungen auf Seiten der Verbraucher werden von den Medien öffentlichkeitswirksam aufbereitet. Das European Policy Centre fordert daher in seinem auf Betreiben der Kommission erstellten Bericht „Improving the Quality of Risk Management in the European Union“ (2003), den Unterschied zwischen „hazard“ und „risk“ hervorzuheben.

Im Prozess der Risikoabschätzung ist nicht nur das Ausmaß eines möglichen Schadens (Gefährdungspozential, engl. hazard) oder eines potenziellen Nutzens, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, mit der dieser Schaden bzw. Nutzen in Abhängigkeit von der Exposition auftritt (Risiko, engl. risk), zu vermitteln und zu erörtern. Durch Transparenz, Verlässlichkeit und größtmögliche Offenheit kann mit Hilfe der Risikokommunikation Vertrauen unter allen am Prozess der Risikobewertung Beteiligten geschaffen werden.

Der vorliegende Bericht beruht im Wesentlichen auf dem Abschlussbericht zum Projekt „Evaluierung der Kommunikation über die Unterschiede zwischen ‘risk’ und ‘hazard’“, das vom BfR initiiert und gefördert wurde. Ein Ziel des Projektes bestand darin, festzustellen, ob es Unterschiede in der Wahrnehmung, Bewertung und im Umgang mit Risiken und Gefährdungen bei den an einer Risikobewertung Beteiligten gibt. Die Kenntnis und Berücksichtigung der möglichen unterschiedlichen Werte und Normen, die dieser Bewertung unterliegen, ermöglichen dann beides: Sowohl einen etwaigen Konsens für Handlungsoptionen zu erlangen, als auch Dissens festzustellen und so den Akteuren der Risikokommunikation Grundlagen für ihre Entscheidung beim Risikomanagement zu vermitteln. Im hier vorliegenden Bericht wird der Begriff „hazard“ überwiegend mit Warnungen in Zusammenhang gebracht. Diese Auslegung entspricht nicht der Praxis des BfR, das im Rahmen der „hazard“- Charakterisierung über das Gefährdungspotenzial einer Substanz, eines Stoffes oder eines Produktes informiert und entsprechende Handlungsempfehlungen formuliert.

Eine zentrale Frage war, wie die Begriffe „risk“ und „hazard“ im wissenschaftlichen Bereich verstanden und angewendet werden und ob Menschen, die keine Experten für Risikoabschätzung sind, tatsächlich nicht zwischen „hazard“ und „risk“ differenzieren, oder ob sie nicht doch eine – zumindest intuitive – Vorstellung vom Unterschied zwischen „hazard“ und „risk“ besitzen. Die experimentelle Untersuchung dieser Frage war neben der Aufarbeitung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes zur „Chemical Hazard Communication“ und zur „intuitiven Toxikologie“ der zentrale Gegenstand dieses Projektes. Zur Analyse des Laien- Verständnisses von „hazard“ und „risk“ wurde ein Online-Experiment durchgeführt, an dem 477 Personen teilnahmen. Aus den Ergebnissen wird deutlich, dass die auf der wissenschaftlichen Bewertungsbasis vorgenommene Differenzierung zwischen der Kommunikation über „hazard“ und der Kommunikation über „risk“ in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Entscheidender ist eine klare, verständliche und nachvollziehbare Kommunikation über ein Risiko.

BfR-Wissenschaft

Der vorliegende Bericht richtet sich an alle gesellschaftlichen Interessengruppen, die am Prozess der Risikokommunikation beteiligt sind. Das BfR will mit diesem Bericht einen Beitrag zu einem besseren Verständnis unter den Akteuren leisten und die wissenschaftliche Basis für eine effektivere Risikokommunikation erweitern.

Professor Dr. Dr. Andreas Hensel
Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung

Vollständiges Dokumente:
http://www.bfr.bund.de/cm/238/evaluierung_der_kommunikation_ueber_die_unterschiede_zwischen_risk_und_hazard.pdf

Quelle: BfR

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