Männliche Unfruchtbarkeit durch Wasserverschmutzung?

Britische Studie: Chemikalien-Cocktail in Flüssen hemmt Testosteron

Eine aktuelle britische Studie hat erstmals eine Gruppe testosteronblockierender Chemikalien in Flussgewässern gefunden, die auf die Fortpflanzung von Fischen und möglicherweise auch auf Menschen negativ Einfluss nehmen. Wird dieses Wasser nicht ausreichend geklärt zur Trinkwassergewinnung verwendet
oder gelangt es auf anderen Wegen in die Nahrungskette, könnten diese Chemikalien auch die Fortpflanzungsfähigkeit von Männern gefährden.

Die britische Studie, die von den Universitäten Exeter, Brunel und Reading sowie dem Centre for Ecology and Hydrology durchgeführt wurde, untersuchte drei Jahre lang das Wasser aus 30 Flüssen Englands mit insgesamt rund 1.000 Fischen. Die Biologen identifizierten einen Mix chemischer Substanzen, der über den Wasserkreislauf in den Körper gelangen und bei Männern das Hormon Testosteron hemmen und damit ihre Fertilität (Fruchtbarkeit) reduzieren könnte. Einige dieser Stoffe kommen in Arzneimitteln wie beispielsweise Krebsmedikamenten vor sowie in pharmazeutischen Produkten und Pestiziden, wie sie in der Landwirtschaft verwendet werden. Die Forscher gehen davon aus, dass diese Chemikalien bei männlichen Fischen verweiblichende Wirkungen haben.

In früheren Untersuchungen hatten Wissenschaftler der Universitäten Exeter und Brunel bereits die ansteigende Konzentration des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen im Wasser als Ursache für die Verweiblichung männlicher Fische ausgemacht. Andere Studien legten bereits die Vermutung nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen diesem Phänomen und dem Anstieg der Unfruchtbarkeit von Männern geben könnte.
Studienleiterin Susan Jobling vom Institut für Umwelt an der Universität Brunel betont jedoch, dass man bereits seit mehr als zehn Jahren auf diesem Feld forsche und die chemischen Ursachen für Hormonschäden bei Tier und Mensch komplexer seien als angenommen. Allerdings verursachen ihrer Meinung nach die Chemikaliencocktails, die die Fische schädigen, beim Menschen wahrscheinlich dieselben Effekte. Das Forscherteam will sich jetzt darauf fokussieren, die genauen Quellen der Flussverschmutzung durch diese Chemikalien herauszufinden.

Anders als in Großbritannien wird in Deutschland das Trinkwasser nur zu etwa einem Drittel aus in der Regel höher belasteten Oberflächengewässern entnommen. Hermann Dieter, Trinkwassertoxikologe im Umweltbundesamt, sagt: „Dadurch und aufgrund einer umfangreichen Klärtechnik sind die für die Fruchtbarkeit schädlichen Chemikalien im Trinkwasser nur im Mikrogramm-Bereich anzutreffen.“ Verschiedene Aufbereitungsprozesse reduzieren laut Dieter auch den Östrogen-Gehalt im Trinkwasser derart, dass ein Mann mehr Östrogen im eigenen Körper produziere als er durch das Trinken aufnehmen würde. „Zudem wird das Trinkwasser regelmäßig kontrolliert. Auch bei der Förderung von Mineralwasser muss im Voraus ausgeschlossen werden, dass es Androgene enthält“, erläutert der Trinkwasser-Spezialist.

Andererseits hat die Spermienzahl in den meisten Ländern Europas in den letzten Jahrzehnten tatsächlich abgenommen, bestätigt Marike Kolossa-Gehring, Leiterin der Abteilung Toxikologie am deutschen Umweltbundesamt. Hauptverantwortlich dafür seien Pflanzenschutzmittel, Biozide und weitere bereits seit längerem verbotene Stoffe. Belastend wirke sich auch der Wirkstoff der Antibabypille (Ethinylestradiol) aus, der von den Kläranlagen nur teilweise aus dem Wasser gefiltert werden könne. Diese Substanz störe die Eiablage bei Fischen und bei anderen Organismen der Natur, erklärt Kolossa-Gehring. Die Fruchtbarkeit von Männern werde jedoch nicht vorrangig über das Trinkwasser beeinträchtigt. „Die Chemikalien werden auch über Lebensmittel, Atemluft und Haut aufgenommen, zudem beeinträchtigt die Lebensweise die Spermienqualität“, so die Expertin.

Quellen:
New research strengthens the link between water pollution and rising male fertility problems, press release 19 January 2009, Opens external link in new windowwww.brunel.ac.uk/
Chemikalien im Wasser machen Männer unfruchtbar – Schlechtere Spermaqualität durch giftige Rückstände, Pressetext 19. Januar 2009, Opens external link in new windowwww.pressetext.de/

Quelle: DEUTSCHES GRÜNES KREUZ e.V.
http://dgk.de/presse/

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