Verbot von Genmais aus naturwissenschaftlicher Sicht nötig

Das Online-Netzwerk Campact, der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben vergangene Woche in Berlin eine Studie präsentiert, nach der ein Verbot des Genmaises MON810 aufgrund neuer naturwissenschaftlicher Erkenntnisse geboten und rechtlich machbar ist. Sie forderten von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, den Genmais noch vor der Aussaat Mitte April zu verbieten.

Die Gentechnik-Campaignerin von Campact, Stefanie Hundsdorfer, betonte, Aigner dürfe ein Verbot der Sorte MON810 nicht von dem Beobachtungsplan des Herstellers Monsanto abhängig machen. Die Ministerin prüfe seit Monaten ein Verbot – jetzt seien Taten gefragt. Die Risiken des Genmaises für Umwelt und Gesundheit lägen auf der Hand. „Im Sinne des Vorsorgeprinzips muss die Ministerin den Anbau von MON810 sofort untersagen – so wie es Frankreich, Österreich, Ungarn, Griechenland und Polen bereits getan haben“, verlangte Hundsdorfer.

Der Gentechnikexperte Dr. Christoph Then und die Rechtsanwältin Katrin Brockmann, die gemeinsam die Studie erstellt haben, erläuterten, dass sich seit dem Jahr 2007 weitere konkrete Hinweise auf eine Gefährdung von Mensch und Umwelt durch den Genmais ergeben hätten. Then verwies auf weitere aktuelle Studien zur Gefährdung von Bienen, nützlichen Insekten und Gewässer-Ökosystemen sowie zur Auslösung von Immunkrankheiten. „Die bisher praktizierten Ansätze der Risikobewertung greifen zu kurz: Es gibt erhebliche Lücken bei der Einstufung der Risiken des Insektengifts, das in den Mais-Pflanzen gebildet wird“, machte Then deutlich.

Der BÖLW-Gentechnikexperte Peter Röhrig ergänzte: „Fünf Staaten Europas haben sich aus diesen Gründen bereits gegen Gentechnik auf dem Acker entschieden. Das zeigt, dass ein Verbot im Rahmen der EU-Freisetzungsrichtlinie möglich ist. Unsere Studie bestätigt, dass Ministerin Aigner genug Argumente an der Hand hat, um den Anbau von MON 810 zu verbieten. Dies verlangt auch die wirtschaftliche Vernunft und der Respekt vor den Verbraucherwünschen.“

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger erklärte, der Vorschlag Aigners, die Einrichtung gentechnikfreier Regionen den Bundesländern oder Kreisen zu überlassen und über diesen Umweg ein Verbot des Genmaises zu bewirken, sei ein zur Zeit nicht praktikables Vorgehen. „Wenn die Ministerin im Europa- und Bundestagswahlkampf das Thema gentechnikfreie Regionen für sich entdeckt und deren rechtlichen Status stärken will, klingt dies gut. Doch das ist Zukunftsmusik. Denn nach EU-Recht ist dieser Vorschlag nicht umsetzbar, da es noch keine entsprechenden Regelungen gibt. Aigner muss noch vor Beginn der Aussaat den Anbau des Gen-Mais MON 810 verbieten“, forderte Weiger.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung vom Online-Netzwerk Campact, BÖLW und BUND

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