ÖKO-TEST 149 Mineralwässer: Qualitätsunterschiede

Viele der vom Frankfurter Verbrauchermagazin ÖKO-TEST untersuchten Mineralwässer bekamen Bestnoten. Doch es gibt auch einige – darunter sehr bekannte Marken, die wegen problematischer Stoffe – etwa Uran, Arsen, Bor, Mangan und Barium – aufgefallen sind.

Einige Wässer überschritten sogar gesetzliche Höchstmengen. In zirka zwölf Prozent der untersuchten Wässer steckte Uran, das schon in geringen Mengen Nieren und Leber schädigen kann. Betroffen war auch ein Wasser, das vom Hersteller zur Zubereitung von Säuglingsnahrung empfohlen wird.

Weiteres Problem: Die Auslobungen bestimmter Mineralien auf der Flasche stimmen nicht immer mit den realen Werten überein. Besonders peinlich: Zwei Hersteller hatten das falsche Wasser in ihre Flaschen gefüllt.

Der aktuelle ÖKO-TEST zeigte im übrigen noch einen weiteren Trend: Einweg ist auf dem Vormarsch. So wurden 64 der 149 untersuchten Wässer in der Einwegflasche angeboten, die eine wesentlich schlechtere Umweltbilanz hat.

Mineralwasser: Das sollten Verbraucher wissen

Sollte man wegen möglicher Hormonwirkungen von Kunststoff lieber zur Glasflasche wechseln?

Die Glasflasche ist mit Sicherheit eine gute Wahl. Aber ob man damit den hormonähnlichen Wirkungen, die Wissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität unlängst in Mineralwasser gefunden hatten, aus dem Weg gehen kann, ist zweifelhaft. Die Forscher hatten 20 handelsübliche Wässer aus Glas- und Plastikflaschen mittels zweier biologischer Testsysteme auf östrogenartige Wirkungen untersucht und waren in 12 Proben fündig geworden – für sie ein Hinweis, dass es sich bei den Verursachern um Substanzen aus dem Kunststoff handeln müsste. Bei genauerem Hinsehen fällt aber auf, dass auch zwei Proben aus Glasflaschen Hormonaktivität zeigten. Wissenschaftler des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) meinen daher auch, dass die Studie keinerlei Rückschlüsse auf die Verpackung erlaube, zumal nicht untersucht wurde, um welche Substanzen es sich handelt. In anderen Untersuchungen seien zudem schon an der Quelle hormonartige Wirkungen gemessen worden, so das BfR. Keine neuen Erkenntnisse brachte eine Studie, die derzeit am hessischen Landeslabor in Wiesbaden läuft. Dort testet man 60 unterschiedlich abgepackte Mineralwässer auf bekannte östrogenartige Substanzen wie Phthalate, Bisphenol A, Nonylphenol – bislang wurde nichts gefunden.

Wie viel sollte man trinken?

Erwachsene sollten 1,5 bis 2 Liter pro Tag trinken, im Sommer und bei schweißtreibendem Sport auch deutlich mehr. Mineralwasser ist kalorienfrei, erfrischend und daher der ideale Durstlöscher. Leitungswasser und ungesüßte Kräutertees decken den Bedarf natürlich auch. Anders energiehaltige Getränke wie Säfte, Softdrinks oder Milch – sie sind als Durstlöscher ungeeignet. Wichtig ist, regelmäßig über den Tag verteilt zu trinken. Das beugt Flüssigkeitsdefiziten vor, die müde und unkonzentriert machen. Das Durstgefühl ist auf jeden Fall ein schlechter Ratgeber. Denn es meldet sich erst dann, wenn die Wasserbilanz bereits ins Minus geraten ist.

Welches Wasser ist für wen ideal?

Prinzipiell sind Mineralwässer für jeden geeignet. Da die Mineralstoffe in löslicher Form vorliegen, kann der Körper sie gut aufnehmen. Mineralwässer können daher eine ausgewogene Ernährung ergänzen, man braucht sie aber nicht unbedingt. In bestimmten Situationen kann es jedoch sinnvoll sein, zu bestimmten Wässern zu greifen. Sportler zum Beispiel verlieren mit dem Schweiß vor allem reichlich Natriumchlorid (= Kochsalz). Da Natrium maßgeblich an der Muskelfunktion beteiligt ist, sollten Verluste direkt ersetzt werden. Für Sportler bieten sich demnach natriumhaltige Wässer mit mehr als 200 Milligramm pro Liter an. Menschen, die an Bluthochdruck leiden, sind hingegen mit natriumarmen Wässern gut beraten. Calciumhaltige Mineralwässer eignen sich für jene, die Milchprodukte nicht mögen oder nicht vertragen. Diese Produkte enthalten mindestens 150 Milligramm Calcium pro Liter, teilweise auch wesentlich mehr. Ein Blick auf das Etikett gibt Auskunft. Manche Marken sind auch als magnesiumhaltig ausgelobt. Da Magnesium an der Erregung der Nervenfasern beteiligt ist, wird das Mineral auch gern als „Antistress-Mineralstoff“ bezeichnet. Ob ein entsprechendes Wasser überanstrengten Menschen aber wirklich hilft, ist fraglich.

Was bringen Sulfat und Hydrogencarbonat?

Sulfate sind Schwefelverbindungen, die am Aufbau der Proteine beteiligt sind. Eine Extrazufuhr braucht man aber nicht, da Lebensmittel genug beisteuern. Sulfate können in größeren Mengen ab 1.200 Milligramm pro Liter Mineralwasser allerdings abführend wirken. Hydrogencarbonat, auch Bicarbonat genannt, ist Teil der Kohlensäure und kommt in jedem Wasser in mehr oder weniger großen Mengen vor. Hydrogencarbonatreiche Wässer helfen, die Säurebalance im Magen und Darm zu erhalten und auszugleichen.

Schmecken Mineralwässer unterschiedlich?

Man muss nicht gleich Wassersommelier sein, also ein Geschmacksexperte in Sachen Wasser, um Unterschiede zu schmecken. Auch durchschnittliche Gaumen nehmen hohe Natrium- und Chloridgehalte deutlich als salzig wahr und erkennen hydrogencarbonathaltiges Nass als eher neutral. Viel Sulfat kann hingegen bitter schmecken. Für eine leichte und zugleich prickelnde Säure auf der Zunge sorgt die Kohlensäure. Viele schätzen weiches Wasser – dazu gehören die meisten mineralstoffarmen und ausgewogen mineralisierten Wässer. Eis und Zitrone haben im Mineralwasser übrigens nichts verloren, sagen die Experten: Das eine verwässert, das andere verfälscht den Geschmack. Sie raten außerdem dazu, Wasser nicht zu kühl zu servieren, da man sonst nichts mehr schmeckt. Zehn bis zwölf Grad seien ideal.

Bekommt der Körper zu wenige Mineralien, wenn man ausschließlich Leitungswasser trinkt?

Nein. Leitungswasser enthält zwar kaum Mineralien – was daran liegt, dass es zu zwei Dritteln aus Grundwasser und zu rund einem Drittel aus Oberflächenwasser gewonnen wird –, eine ausgewogene Ernährung liefert jedoch alle Mineralstoffe, die wir brauchen. Nachteil von Wasser aus dem Hahn: Es ist aufwendig chemisch aufbereitet und kann durch Bleirohre belastet sein. Andererseits unterliegt es teilweise strengeren Grenzwerten als Mineralwasser, wird gut kontrolliert und hat letztlich auch ökologisch die Nase vorn.

Wie viel Prickel darf es sein?

Kohlensäure wirkt belebend, erfrischend und regt den Kreislauf und die Verdauung an. Menschen mit einem empfindlichen Magen greifen daher lieber zu einem kohlensäurearmen Wasser, das meist „medium“ und manchmal auch „still“ heißt. Wässer ganz „ohne“ erkennt man an dem Zusatz „naturell“ oder auch „sanft“. Leider gibt es keine einheitlichen Bezeichnungen, sodass man auch mal danebengreifen kann.

Gibt es Bio-Mineralwasser?

Im Grunde nicht. Denn Mineralwasser ist natürlichen Ursprungs und kann somit nicht nach Bio-Richtlinien erzeugt worden sein. Auch die EG-Öko-Verordnung hat explizit auf eine Regelung verzichtet. Auf Initiative von Franz Ehrnsperger von der Bio-Brauerei Neumarkter Lammsbräu soll nun doch ein Bio-Label für Mineralwasser kommen. Ziel ist es, eine Lücke in der Bio-Branche zu schließen und Verbrauchern auch bei Mineralwasser ein Höchstmaß an Sicherheit zu bieten. Das Konzept, das von der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser entwickelt wurde, sieht nicht nur strenge Grenzwerte vor – etwa für Arsen, Fluorid oder Uran –, sondern will auch Umwelt, Nachhaltigkeit und soziale Aspekte stärken. Brunnenabfüller, die sich um die Auszeichnung bemühen, müssen daher unter anderem auf ökologisch sinnvolle Verpackungen achten, ihre Quelle schonend nutzen, ein Umweltmanagementsystem aufbauen sowie kurze Transportwege zum Handel garantieren. Mit den ersten Bio-Wässern ist frühestens ab dem Spätsommer zu rechnen.

Wie sollte man Mineralwasser lagern?

Für Mineralwasser in Glasflaschen gibt es keine besonderen Hinweise. Plastikflaschen sollten hingegen trocken, kühl und lichtgeschützt gelagert werden, so die Angaben auf dem Etikett. Das liegt daran, dass der Kunststoff nicht gasdicht ist, und Kohlensäure mit der Zeit entweicht. Und das geht noch schneller, wenn das Wasser warm wird. Die Hersteller geben je nach Kunststoffdicke der Flaschen unterschiedliche Haltbarkeiten an: für stabilere PET-Flaschen meist zwölf Monate und für dünne sieben bis acht Monate. Wasser in Glasflaschen bleibt hingegen bis zu drei Jahre frisch.

ÖKO-TEST-Magazin Juli 2009. Ab dem 26.06.2009 überall im Handel erhältlich, Preis: 3,80 Euro

Weitere Informationen zu anderen Publikationen von ÖKO-TEST finden Sie in unserem Online-Pressebereich im Internet: http://presse.oekotest.de

ÖKO-TEST Verlag GmbH
Pressestelle
Kasseler Str. 1a
60486 Frankfurt am Main
E-Mail: presse@oekotest.de
Telefon: 069 / 97 777 -133 | Telefax: 069 / 97 777 -189

Quelle: Öko-Test

FavoriteLoadingSeite in meine Favoritenliste legen | Seite drucken Seite drucken | Hinweis Copyright |
Medienkontakte dieser Meldung: 17229

Mehr zum Thema