EFSA veröffentlicht ersten Bericht zu Pestizidrückständen in Lebensmitteln

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ihren ersten Jahresbericht über Pestizidrückstände veröffentlicht, der eine Übersicht über die Pestizidrückstände in Lebensmitteln(1) enthält, die im Laufe des Jahres 2007 von der Europäischen Union beobachtet wurden(2), und in dem die Exposition der Verbraucher durch ihre Ernährung bewertet wird. Dem Bericht zufolge wurden die gesetzlichen Grenzen der Pestizid-Rückstandshöchstgehalte von der Mehrheit der genommenen Proben eingehalten; ferner enthält der Bericht eine Reihe von Empfehlungen zur weiteren Verbesserung der für die Expositionsabschätzung bei Pestiziden erforderlichen Datenerhebungen.

In dem vom Referat „Peer-Review der Risikobewertung von Pestiziden (PRAPeR)“ der EFSA erstellten Bericht ist festgehalten, dass 96 % der analysierten Proben den gesetzlich festgelegten Rückstandshöchstmengen (MRL) entsprachen, während 4 % darüber lagen (gegenüber 5 % im Jahr 2006(3)).

Insgesamt wurden 2007 mehr als 74 000 Proben von ca. 350 verschiedenen Arten von Lebensmitteln auf Pestizidrückstände analysiert, was einem Anstieg von 13 % im Vergleich zum Jahr 2006 entspricht. Die Mitgliedstaaten unternahmen erhebliche Anstrengungen, um die Bandbreite der Analysemethoden auszuweiten, was ermöglichte, dass 2007 bis zu 870 Pestizide(4) nachgewiesen werden konnten — ein Anstieg von 13 % gegenüber früheren Jahren.(5)

Zum Schutze der Verbraucher werden für die Rückstandshöchstgehalte Werte festgesetzt, die gleichermaßen sicher für die Verbraucher sind und der niedrigsten Pestizidmenge entsprechen, die bei den Pflanzen angewendet werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Die EFSA hat dazu hinaus ausgeführt, dass das Vorhandensein von Pestiziden in Lebensmitteln und selbst das Überschreiten eines Rückstandshöchstwerts nicht notwendigerweise Anlass zu Bedenken um die Lebensmittelsicherheit geben muss. Falls ein Rückstandshöchstgehalt überschritten wird, muss die Exposition der Verbraucher berechnet werden, um zu bewerten, ob in diesem Fall ein mögliches Risiko für Verbraucher besteht.

Bei der Bewertung der fortlaufenden (langfristigen) Exposition der Verbraucher hat die EFSA einen vorsichtigen Ansatz verfolgt — unter Verwendung vorsichtiger Annahmen, bei denen die Exposition bewusst überschätzt wurde. Bei allen ausgewerteten Pestiziden gab die langfristige Exposition abgesehen von einer Ausnahme (Diazinon) keinen Anlass zu Bedenken in Bezug auf die Gesundheit der Verbraucher. Es sollte beachtet werden, dass seit Dezember 2007 alle Zulassungen für Diazinon zurückgenommen worden sind und dass die Rückstandshöchstmengen gesenkt wurden.

Die Bewertung einer akuten (kurzfristigen) Exposition beruht ebenfalls auf dem schlimmsten anzunehmenden Fall. Demgemäß berücksichtigen Schätzungen einen hohen Verbrauch an Lebensmitteln, kombiniert mit dem höchsten im EU-Überwachungsprogramm des Jahres 2007 festgestellten Rückstandswert. Das Eintreten von Fällen mit derart kritischen Aufnahmewerten ist in der Wirklichkeit sehr unwahrscheinlich. Unter der Annahme, dass diese Situation eintreten würde, konnte ein potenzielles Risiko für den Verbraucher bei einigen Ergebnissen betreffend 52 Kombinationen aus Pestiziden und Lebensmitteln nicht ausgeschlossen werden; in vielen dieser Fälle sind bereits Maßnahmen in Form der Zurücknahme der Zulassung oder durch das Absenken der Rückstandshöchstwerte ergriffen worden.

Die EFSA hat eine Reihe von Empfehlungen für weitere Programme zur Überwachung von Pestizidrückständen vorgelegt, wie z. B. die Verbesserung des Berichtsformats, um sicherzustellen, dass durch detailliertere Ergebnisse genauere Bewertungen der Exposition ermöglicht werden. Diese Verbesserungen werden dazu beitragen, die Risikomanager bei der Regulierung der sicheren Ver- und Anwendung von Pestiziden besser zu informieren und zu unterstützen. Risikobewertung durch die EFSA bietet eine gesunde Grundlage für die Entscheidungsträger der EU, wenn es um die Festlegung zukünftiger Rückstandshöchstwerte und um künftige Zulassungen von Pestiziden geht.

Hinweise für Herausgeber:

o Rückstandshöchstgehalte sind die gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte für die Konzentration an Rückstände von Pestiziden in oder auf einem Lebens- oder Futtermittel auf der Grundlage guter Agrarpraxis, gemäß der genehmigte Pestizide in der niedrigsten Konzentration angewendet werden, die für einen wirksamen Pflanzenschutz erforderlich ist. Eine unverzichtbare Voraussetzung für das Festlegen von Rückstandshöchstgehalten ist das Durchführen einer Risikobewertung, um die Sicherheit der Verbraucher zu gewährleisten.

o Die in dem Bericht aufgeführten Ergebnisse ergaben im Vergleich zu den Vorjahren eine leichte Verbesserung bei der Zahl der eingehaltenen Rückstandshöchstmengen. Ein genauer Vergleich ist jedoch nicht ganz einfach, da die Anzahl der in dem Bericht behandelten Länder von 16 (im Jahr 1996) auf 29 (im Jahr 2007) angestiegen ist. Die nationalen Überwachungsprogramme unterscheiden sich ebenfalls voneinander und haben sich im Laufe der Jahre erheblich verändert.

o Das PRAPeR-Referat der EFSA ist für die Bewertung der Rückstandshöchstmengen von Pestiziden zuständig. Diese erfolgt im Wege einer umfassenden Bewertung zum einen der Verbraucherexposition und zum anderen der aus allen beabsichtigten Verwendungen in Lebens- und Futtermitteln resultierenden potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen. Die EFSA prüft, ob der Expositionsgrad für alle Verbrauchergruppen, auch für potenziell gefährdete Gruppen, wie Kleinkinder, ältere Menschen und Vegetarier, unbedenklich ist. Die gegenwärtige Exposition von Verbrauchern gegenüber Pestiziden wird im Jahresbericht der EFSA über Pestizidrückstände bewertet.

o Für die wissenschaftliche Beratung in den Bereichen Toxikologie, Ökotoxikologie sowie Verbleib und Verhalten von Pestiziden ist das Gremium für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände (PPR) der EFSA zuständig. Das PPR-Gremium erteilt auch wissenschaftliche Ratschläge zu Themen, die sich nicht durch das Peer-Review-Verfahren in Bezug auf die Wirkstoffe lösen lassen.

EFSA-Jahresbericht zu Pestizidrückständen:

Weitere Informationen über die Tätigkeiten des PRAPeR-Referats und des PPR-Gremiums der EFSA in Verbindung mit Pflanzenschutzmitteln und den entsprechenden Wirkstoffen:

Für Medienanfragen wenden Sie sich bitte an:
Ian Palombi, Pressereferent, oder
Steve Pagani, Leiter der Pressestelle
Tel.: +39 0521 036149
E-Mail: Press@efsa.europa.eu

(1) Folgende Lebensmittelgüter sind hiervon betroffen: Obst, Gemüse und Getreide.
(2) Die Untersuchungen erfolgten in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie in zwei EFTA-Staaten (Norwegen und Island), die am Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) teilnehmen.
(3) Für den Vergleich mit den Vorjahren siehe bitte auch die „Hinweise für Herausgeber.
(4) Diese Zahlen schließen Metaboliten mit ein.
(5) 354 Pestizide wurden in Früchten und Gemüse gefunden, 72 in Getreide; dies spiegelt den unterschiedlichen Gebrauch von Pestiziden in den beiden Arten von Lebensmitteln wider.

Quelle: EFSA

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