Speiseeis aus Niedersachsen- Kalt, süß und intensiv kontrolliert

Niedersachsens Verbraucher können beruhigt ihren Eisbecher genießen. Das Speiseeis in den Eisdielen des Landes wird intensiv kontrolliert. Dabei wird es auf seinen hygienischen Status und auf seine Zusammensetzung untersucht. Aus mikrobiologischer Sicht besitzt das Speiseeis zum Großteil eine vorschriftsmäßige Qualität, bei den Inhaltsstoffen sind teilweise jedoch hohe Beanstandungsquoten vorhanden  – das haben Untersuchungen ergeben, die die Lebensmittelinstitute Oldenburg und Braunschweig, beides Einrichtungen des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz (LAVES), im ersten Halbjahr von 2009 durchgeführt haben.


Belastung mit Keimen ist gesundheitlich unbedenklich

Ob eine gesundheitsschädliche Verunreinigung von Speiseeis durch Bakterien vorliegt, wird regelmäßig überprüft. 446 Speiseeisproben wurden in 2009 bisher mikrobiologisch untersucht. Die Proben stammen insbesondere aus kleineren handwerklichen Betrieben und wurden aus dem Thekenbereich oder direkt nach der Herstellung entnommen.

Mikrobiologisch auffällig waren insgesamt 129 Proben (29 %), da vorgeschriebene Hygieneparameter überschritten wurden. Krankheitserreger wie Salmonellen wurden in keiner Probe nachgewiesen. In einer Probe wurde der Keim Listeria monocytogenes nachgewiesen. Aufgrund der niedrigen Keimzahl erfolgte jedoch keine Beanstandung.

Bei den Hygieneparametern waren in 88 Proben die Enterobacteriaceae, in 44 Proben koagulase-positive Staphylokokken und in 39 Proben die Gesamtkeimzahl (aerobe mesophile Keime) erhöht (Mehrfachnennungen sind hierbei möglich, wenn in einer Probe mehrere Parameter überschritten wurden). In keiner Probe wurde Escherichia coli nachgewiesen.

Eine Belastung mit Keimen ist ein Indikator für mangelnde Hygiene in dem handwerklichen Betrieb. Die Keime können etwa von schlecht gereinigten Geräten stammen, wie von einem Eisportionierer, der in verschmutztes Wasser getaucht, oder an einem kontaminiertem Lappen bzw. Schwamm abgetrocknet wird. Auch Zutaten wie Schokoladenstücke, die nicht erhitzt werden, bevor sie in das Eis gelangen, können zu einem Eintrag von Mikroorganismen führen. Eine Rolle spielt ebenfalls die Personalhygiene. Wäscht sich beispielsweise das Personal nicht gründlich die Hände, kann das Eis mit Keimen belastet werden. Besonders Enterobacteriaceae sind ein Indikator für mangelnde Hygiene. Escherichia coli weisen auf eine fäkale Verunreinigung hin.

Die niedersächsischen Verbraucher müssen sich beim Genuss ihres Eisbechers aber keine Sorgen machen. Zwar ist der Anteil mikrobiologisch auffälliger Speiseeisproben wie auch in den Jahren zuvor relativ hoch, doch eine gesundheitliche Gefährdung der Verbraucher ist nahezu ausgeschlossen. Speiseeis unterliegt in Niedersachsen intensiven Kontrollen. Die mikrobiologischen Anforderungen sind sehr streng. Sind im Rahmen der mikrobiologischen Untersuchungen Auffälligkeiten vorhanden, so werden durch die Lebensmittelüberwachungsbehörden vor Ort entsprechende Maßnahmen ergriffen, um die Hygiene in dem Betrieb zu verbessern. Grundsätzlich können die Verbraucher in Niedersachen also aus hygienischer Sicht getrost ihr Eis genießen.

Inhaltsstoffe oft unzureichend gekennzeichnet

Der Verbraucher hat aber nicht nur ein Recht auf hygienisch einwandfrei hergestelltes Eis, sondern er muss vom Anbieter auch über einige Inhaltsstoffe, die in seiner Eiskugel stecken, informiert werden. Es lohnt sich für ihn, Hinweisschilder in Eisdielen genau zu studieren, denn der Anbieter ist verpflichtet, den Kunden auf einige Inhaltsstoffe des Speiseeises hinzuweisen. Wenn der Anbieter großartige Werbeversprechungen macht, aber minderwertiges Eis verkauft, ist das Irreführung und wird von den kontrollierenden Behörden beanstandet. Im Jahr 2009 untersuchten die Lebensmittelinstitute des LAVES bisher 73 Proben auf ihre chemische Zusammensetzung.

Eis mit Schokostückchen

Genau unter die Lupe genommen haben die Kontrolleure loses Speiseeis mit Schokoladenstückchen aus Eisdielen und Cafes, wie zum Beispiel das After Eight, Stracciatella-Eis, Eierlikör und Bounty-Eis. Im Jahr 2009 wurden 50 Proben daraufhin überprüft, ob sie tatsächlich Schokolade oder ein minderwertiges, für den Hersteller günstigeres Ersatzprodukt enthielten.

Der Grundstoff für echte Schokolade ist Kakaobutter. Ein Ersatzprodukt, etwa kakaohaltige Fettglasur, besteht im Gegensatz zu Schokolade aus entöltem Kakao und minderwertigeren, kakaofremden Fetten, z. B. Kokosfett.

Nur zwei Proben enthielten tatsächlich Schokoladenstückchen. Hochwertige Produkte mit echten Schokoladenstückchen sind demnach selten geworden.

Auf ein entsprechendes Ersatzprodukt in den restlichen 48 untersuchten Proben wurden die Verbraucher in den Eisdielen in 24 Fällen (50%) hingewiesen (z.B. durch die Angabe „mit kakaohaltiger Fettglasur“). In 24 Fällen (50 %) wurden die Verbraucher durch den fehlenden Hinweis auf das minderwertigere Ersatzprodukt irregeführt.

Das Ergebnis 2009 liegt mit einer Beanstandungsquote von 50% etwas geringer als 2008 (65%). Die Situation hat sich in diesem Punkt noch nicht viel verbessert.

Kleiner Trost für den Verbraucher: Auch Stracciatella-Eis mit kakaohaltiger Fettglasur kann lecker sein. Denn der Schokoladen-Geschmack stammt vor allem aus dem purinhaltigen Kakaopulver und nicht aus den Fetten.

Vanilleeis

Vanilleeis steht ebenfalls wegen seiner Inhaltsstoffe auf dem Prüfstand. Im Rahmen des bundesweiten Überwachungsplanes werden gegenwärtig Proben von Vanilleeis auf die Echtheit ihres Vanille-Aromas durchleuchtet.

Denn echte Vanille ist ein teures Gewürz. Die hohen Kosten machen es lukrativ, Vanilleextrakte zu verfälschen. So wird etwa darauf zurückgegriffen, den Hauptaromastoff Vanillin synthetisch oder biotechnologisch, also mit Hilfe von Mikroorganismen, herzustellen. Auch das Strecken echter Vanilleextrakte ist eine – unerlaubte – Möglichkeit. Nur wenn das Eis nahezu ausschließlich echte Vanille enthält, darf es „Vanille“ im Namen führen. In allen anderen Fällen ist der Hersteller verpflichtet, das Eis durch die Angabe „mit Vanillegeschmack“ zu kennzeichnen.

Im ersten Halbjahr 2009 wurden im Lebensmittelinstitut Oldenburg sieben Proben Vanilleeis aus Eisdielen untersucht. Bei fünf von diesen Proben wurde nicht ausschließlich echte Vanille verwendet. Lediglich eine von diesen Proben wurde korrekt als „Eis mit Vanillegeschmack“ gekennzeichnet. Bei den verbleibenden zwei Proben kann aufgrund der geringen Menge an Vanillearoma nicht eindeutig bestimmt werden, ob bei der Herstellung nur echte Vanille verarbeitet wurde. Die Ergebnisse der Untersuchungen weisen jedoch auch bei diesen beiden Proben auf eine anderweitige Aromatisierung hin. Der Hinweis „mit Vanillegeschmack“ wurde hier ebenfalls nicht verwendet.

Fruchteis

Auch in Fruchteis steckt nicht immer drin, was draufsteht. Die Überprüfung der Zusammensetzung dieser Eissorte ist deshalb ein weiterer Untersuchungsschwerpunkt der Lebensmittelinstitute des LAVES.

Fruchteis muss mindestens 20 % echte Fruchtbestandteile enthalten, Eis aus Zitrusfrüchten oder anderen sauren Früchten mindestens 10 %. Diese Vorschrift stellt sicher, dass der Verbraucher nicht nur gefrorenes Wasser mit Aromen und Geschmacksverstärkern im Eisbecher hat.

Gefärbtes Eis

Grünes Kiwieis, rosiges Erdbeereis… buntes Eis sieht appetitlich aus, aber woher stammt eigentlich die Farbe? Sind es natürliche Farbstoffe aus Früchten oder handelt es sich um künstliche Zusatzstoffe? Wenn die Farbstoffe im Eis künstlich sind, muss der Hersteller dies kenntlich machen. Die Verwendung und Kennzeichnung von synthetischen Farbstoffen wird ebenfalls durch die LAVES-Institute kontrolliert.

Für den Verbraucher lässt die Angabe wiederum Rückschlüsse zu, ob z.B. das Erdbeerfruchteis tatsächlich einen hohen Fruchtanteil enthält oder ob es vor allem aus Wasser und synthetischen Farbstoffen besteht. Doch auch wenn keine künstlichen Farbstoffe vorkommen, kann das Eis durch andere natürlich Farbstoffe, z.B. Rote Beete Saft, seine leckere rosa Farbe bekommen. Ob es tatsächlich Erdbeeren sind, die das Eis so appetitlich aussehen lassen, bleibt im Dunkeln. Im Zweifelsfall hilft dem Verbraucher nur eines: Direkt beim Hersteller nachfragen.

Eis mit Hinweis auf Alkohol in der Bezeichnung

16 Speiseeisproben wurden auf ihren Gehalt an Alkohol untersucht, darunter vor allem Malagaeis und Eierliköreis. Typisch für Malagaeis sind die in Alkohol eingelegten Rosinen. Bei den meisten Malagaeissorten wurden ausreichende Mengen an Alkohol gefunden. Bei Eierliköreis sollte Eierlikör ein wesentlicher Bestandteil der Rezeptur sein und der Verbraucher daher eine geschmacklich deutlich wahrnehmbare Menge an Eierlikör erwarten können. Wie die vorläufigen Untersuchungsergebnisse zeigen, wird hier öfter am Alkohol gespart und lieber mit Aroma und Farbstoff nachgeholfen. Die Bezeichnung „Eierliköreis“ wird in diesen Fällen als irreführend beurteilt, „Eis mit Eierliköraroma“ wäre hier die zutreffende Bezeichnung. Dass Farbstoff verwendet wurde, war zudem bei zwei Proben für den Verbraucher nicht zu erkennen.

Auch bei einem Rumeis wurde ein zu geringer Alkoholgehalt festgestellt.


Kleine Warenkunde

Der Gesetzgeber hat im Deutschen Lebensmittelbuch verbindliche Leitsätze für Speiseeis formuliert. Aus den Anforderungen an die Inhaltstoffe ergeben sich Eissorten auf Basis von Fruchtbestandteilen oder Milcherzeugnissen, die zum Teil verschiedene Qualitätsstufen haben. Anhand der folgenden Tabelle kann der Verbraucher sich ein gutes Bild von dem Produkt machen, das er in Händen hält.

Cremeeis/ Eiercremeeis
Mindestens 50% Milch; Kein zusätzliches Wasser. Auf einen Liter Milch mindestens 270 Gramm Vollei oder 90 Gramm Eigelb.

Rahmeis / Sahneeis / Fürst Pückler Eis
Mindestens 18% Milchfett aus der bei der Herstellung verwendeten Sahne (Rahm).

Milcheis / Joghurteis u.a.
Mindestens 70% Milch; Bei überwiegender Verwendung von fermentierten Milchsorten (z.B. Joghurt, Sauermilch, Kefir) kann im Namen der Eissorte darauf hingewiesen werden.

Eiscreme
Mindestens 10% der Milch entstammendes Fett.

Fruchteiscreme
Mindestens 8% der Milch entstammendes Fett. Deutlich wahrnehmbarer Fruchtgeschmack.

(Frucht-) Sorbet
Keine Milch oder Milchbestandteile, Mindestens 25% Frucht. Mindestens 15% Frucht bei Eis aus  Zitrusfrüchten oder anderen sauren Früchten (Säuregehalt im Saft mindestens 2,5%).

Fruchteis
Mindestens 20% Frucht. Mindestens 10% Frucht bei Eis aus Zitrusfrüchten oder anderen sauren Früchten, z.B.  Maracujas (Säuregehalt im Saft mindestens 2,5%)

Wassereis
Speiseeis, das nicht die Anforderungen für Milcheis, Fruchteis oder (Frucht-)Sorbet erfüllt. Fettgehalt weniger als 3%; Trockenmassegehalt von mindestens 12%, der von süßenden und/oder weiteren geschmackgebenden Zutaten stammt.

Wenn Speiseeis nicht den obigen Anforderungen entspricht, wenn es etwa weniger Milchfett enthält oder auf pflanzlichen Fetten basiert, darf es sich einfach nur „Eis“ nennen.

Quelle: LAVES – Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz

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