Unzureichende Kenntlichmachung von Inhalts- und Zusatzstoffen bei Lebensmitteln weit verbreitet

Zweiter niedersächsischer Verbraucherschutzbericht schildert Leistung der amtlichen Kontrolle

Themen wie der Ausbruch der Geflügelgrippe oder Funde von dioxinähnlichen PCB in Viehfutter, Fleisch und Innereien von Schafen und Rindern haben die Öffentlichkeit im vergangenen Jahr sehr bewegt. Der heute veröffentlichte niedersächsische Bericht zum gesundheitlichen Verbraucherschutz 2008 trägt dem Informationsbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger Rechnung, schildert noch einmal die Hintergründe und möchte auf diese Weise das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in die Sicherheit ihrer Lebensmittel weiter stärken.

Der Bericht wird zum zweiten Mal gemeinsam durch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung, das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), den Niedersächsischen Landkreistag sowie den Niedersächsischen Städtetag herausgegeben und dokumentiert die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse der Behörden des gesundheitlichen Verbraucherschutzes für sichere Lebensmittel vom Acker bis auf den Tisch, für Tiergesundheit und Tierschutz.

„Fakt ist, dass dem gesundheitlichen Verbraucherschutz in Niedersachsen höchste Priorität zukommt“, so Hans-Heinrich Ehlen, Niedersachsens Minister für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung. „Mehr als 67.000 Kontrollbesuche in 43.500 Lebensmittelbetrieben sind in Niedersachsen im vergangenen Jahr durch die kommunalen Überwachungsbehörden durchgeführt worden. Die acht Untersuchungsinstitute des Landesamtes gehören zu den modernsten Einrichtungen in ganz Deutschland und besitzen eine wissenschaftliche Reputation, die weit über die Landesgrenzen hinaus reicht. Der Bericht gibt einen Überblick über die vielfältigen Themen, die bearbeitet werden müssen, damit die Lebensmittelsicherheit auf einem hohen Niveau in Niedersachsen gewährleistet ist“, so Minister Ehlen.

Lebensmittel

Beanstandungsgründe wie die unzureichende Kenntlichmachung von Inhalts- und Zusatzstoffen stehen bei Lebensmitteln oftmals im Vordergrund. Gezielt richtet die amtliche Kontrolle ihr Augenmerk auf solche Problemfelder. Neben Kochschinken- oder Käseimitaten, unechter Vanille in Vanilleeis oder Schokoladenersatz in Stracciatellaeis wird zum Beispiel auch der Einsatz von Polyphosphaten in tiefgekühlten Fischereierzeugnissen kritisch untersucht. Der Verbraucherschutzbericht schildert, dass die nicht gesundheitsschädlichen Polyphosphate nützlich sind, um den Wasserverlust beim Auftauen der Tiefkühlware zu verhindern. Sie müssen jedoch auf der Verpackung gekennzeichnet werden und dürfen nicht dafür missbraucht werden, Fremdwasser in den Fisch einzubinden. Das Produkt würde sonst durch Mitverkauf von Wasser schwerer und somit teurer – eine Verbrauchertäuschung. Das LAVES hat in den letzten sechs Jahren mehr als 1000 Proben von Fischereierzeugnissen auf nicht vorschriftsmäßigen Einsatz von Polyphosphaten untersucht. In 2008 wurden 8% aller Proben überwiegend wegen mangelnder Kennzeichnung beanstandet. Vor allem tiefgekühlte Shrimps, Salzfisch, Surimi, Limandes und Seelachs sind öfter auffällig.

Bei der Erzeugung von Lebensmitteln ist zudem die Einhaltung der Hygienevorschriften eine herausragende Pflicht für die Hersteller. Eine Belastung der Speisen und Getränke mit Keimen kann den Menschen krank machen. Das LAVES und die kommunalen Überwachungsbehörden arbeiten hier Hand in Hand, um Hygienemängel effektiv zu verhindern. So werden etwa Betriebe des Lebensmittelbereiches durch die kommunalen Behörden gezielt kontrolliert, wenn Risiken vermutet oder beobachtet werden. Auch Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung wie Großküchen von Krankenhäusern und Seniorenheimen werden in Hygienefragen beraten und überprüft.

Jedes Jahr werden annähernd 1000 Proben Speiseeis überprüft. In 2008 waren 39% der Proben mikrobiologisch auffällig. Von den über 600 Proben, die in 2009 bereits untersucht wurden, mussten bisher nur noch 32,7% bemängelt werden. Eine ähnlich erfreuliche Tendenz erbrachten auch die Untersuchungen von Räucherlachs und Graved Lachs auf das Bakterium Listeria monocytogenes, das bei Risikogruppen wie älteren oder geschwächten Menschen, insbesondere bei Schwangeren problematische Erkrankungen auslösen kann. In 10 von 107 im Jahr 2008 untersuchten Proben Graved Lachs wurde das Bakterium nachgewiesen. Die Gehalte lagen aber ausnahmslos unter dem gesetzlichen Höchstwert. Zudem ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang der Listerienkontamination zu verzeichnen – nicht zuletzt ein Erfolg der permanenten amtlichen Kontrollen.

Die Untersuchung von Lebensmitteln auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Schwermetallen oder anderen Kontaminanten nimmt im LAVES einen breiten Raum ein. Der Verbraucherschutzbericht bietet seinen Lesern unter anderem eine Auflistung der Pflanzenschutzmittelrückstände in den am meisten konsumierten Obst- und Gemüsesorten. Gänzlich ohne Rückstände sind demnach Zwiebeln und Spargel. Zu den am wenigsten belasteten Sorten gehören des weiteren Rotkohl, Blumenkohl, Kartoffeln, Auberginen und Heidelbeeren.

Bedarfsgegenstände

Auch Gegenstände des täglichen Bedarfs werden durch die amtliche Kontrolle in Niedersachsen überprüft, können doch aus Verpackungen unerwünschte Stoffe in Lebensmittel übergehen, in Spielzeug Weichmacher enthalten sein oder allergene Inhaltsstoffe in Wasch- und Reinigungsmitteln nicht vorschriftsmäßig gekennzeichnet sein.

Fast 260 Küchenutensilien aus Metall wie Grillspieße oder Würstchenzangen wurden auf die übermäßige Abgabe von Nickel untersucht – ein Problem etwa für Nickel-Allergiker. Bei 15 verchromten Küchenwerkzeugen war eine erhöhte Nickelabgabe zu verzeichnen. Der Grund: bei verchromten Bedarfsgegenständen dient die Nickelschicht dem Korrosionsschutz. Ist die später aufgebrachte Chromschicht jedoch zu dünn, kann sich das Nickel herauslösen und in das Lebensmittel übergehen. Hochwertige rostfreie Edelstähle sind hier eine gute Alternative für die Verbraucher.

Auch Betriebe, die Kosmetika herstellen oder in den Verkehr bringen, werden amtlich kontrolliert. So wurden 2008 mehr als 1000 kosmetische Mittel auf unerlaubte Konservierungsstoffe überprüft. Die guten Ergebnisse der Vorjahre wurden dabei bestätigt. Lediglich fünf Proben enthielten ein erst kürzlich nicht mehr zugelassenes Konservierungsmittel. Der jahrelange Dialog der amtlichen Kontrolle mit den ausnahmslos sehr kooperativen Kosmetik-Herstellern bewies sich erneut als äußerst fruchtbar.

Futtermittel, Tiergesundheit und Tierschutz

Die Produktion sicherer und hochwertiger Lebensmittel beginnt schon im Stall. So hat etwa das Viehfutter Einfluss auf die tierischen Lebensmittel. Die Futtermittelüberwachung und -untersuchung des LAVES trägt damit zu sicheren Lebensmitteln und gesunden Nutztieren bei. Eine umfangreiche Aufgabe, erfolgt doch rund 40% der gesamtdeutschen Futtermittelproduktion allein in Niedersachsen. Im Jahr 2008 führte die Futtermittelkontrolle mehr als 2300 Betriebskontrollen durch und entnahm zahlreiche Proben. 426 Vollzugsmaßnahmen, wie Verwarnungen, Partiesperrungen, Rückruf der Futtermittel oder Bußgelder, waren durchzuführen.

Die Bekämpfung von Zoonosen – Krankheiten, die sich durch Verzehr tierischer Lebensmittel oder durch direkten Kontakt vom Tier auf den Menschen übertragen – ist eine zentrale Aufgabe für den gesundheitlichen Verbraucherschutz in Niedersachsen. Die gelungene Zurückdrängung der Salmonelleninfektionen in Geflügelbeständen ist in diesem Zusammenhang ein deutliches Beispiel für die Leistung der amtlichen Kontrolle – und auch eine Erfolgsurkunde für die Bemühungen der landwirtschaftlichen Betriebe selbst. Bei Zuchtgeflügel war die Salmonellenbelastung schon in den Vorjahren gering. 2008 wurden gar keine Salmonellen nachgewiesen. Tötung ganzer Herden, Lieferausfälle und eingeschränkte Möglichkeiten der Verwertung von Tieren infizierter Bestände konnten somit verhindert werden. Auch Legehennenbestände unterliegen seit 2008 verstärkter Reglementierung. Nach einem einmaligen Infektionsnachweis dürfen Eier aus diesen Betrieben nicht mehr als Konsumeier an die Verbraucher verkauft werden. In Niedersachsen lag der Anteil infizierter Herden bei 13,8% – was als großer Erfolg gewertet werden kann, weil die EU-Gesetzgebung für 2008 eine Absenkung auf 31% als Bekämpfungsziel vorgesehen hatte.

In einem so viehreichen Bundesland wie Niedersachsen (jedes dritte in Deutschland verzehrte Ei stammt aus Niedersachsen; mehr als 53% des in Deutschland vorhandenen Schlacht- und Mastgeflügels wird hier gehalten – zusammen mit den Legehennen rund 82 Millionen Tiere) kommt auch der Bekämpfung von Tierseuchen und -krankheiten größte Bedeutung zu. Die erfolgreiche Abwehr der Geflügelgrippe hat die Leistungsfähigkeit der amtlichen Tierseuchenbekämpfung in Niedersachsen erneut unter Beweis gestellt.

Um die Blauzungenkrankheit einzudämmen, wurden in Niedersachsen 2008 fast 3,5 Millionen Impfdosen gegen den Virustyp BTV8 eingesetzt. Mehr als 1,9 Millionen Tiere (83,8% der zu schützenden Rinder und weit über 80% der zu schützenden Schafe und Ziegen) erhielten eine Impfung. Klinische Erscheinungen und wirtschaftliche Einbußen konnten deutlich verringert werden. Auch als unerwartet der Virustyp BTV6 nach Niedersachsen einwanderte, reagierte das LAVES sofort und etablierte die notwendigen Methoden zur Diagnostik. BTV6 tritt zurzeit nicht mehr auf.

Um die Einhaltung tierschutzrechtlicher Vorschriften bei Tiertransporten auch während Langzeitfahrten in andere Bundesländer oder EU-Staaten zu gewährleisten, wurde 2008 im LAVES die Kontaktstelle für die Beanstandung von Tiertransporten neu eingerichtet. EU-weit sind die Kontaktstellen miteinander vernetzt, melden Beanstandungen und bilden so ein effektives, grenzübergreifendes Kontrollinstrument. Die überwiegende Zahl der Beanstandungen betraf die mitzuführenden Begleitdokumente. Zu wirklich gravierenden Verstößen, mit nachweislichen Schäden an Tieren ist es im zurückliegenden Zeitraum nicht gekommen.

Quelle: LAVES

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