Auf Fleisch und Schale geprüft: Kartoffelsorten im Test

Kennen Sie Adretta? Sie ist groß und rund bis rundoval. Schon seit 1975 gibt es sie. Das beliebte „Kind“ der ehemaligen DDR hat mittlerweile in der gesamten Republik Liebhaber gefunden. Einen Glanzpunkt ihrer Beliebtheit hat die Adretta durch eine besondere Auszeichnung erfahren: Eine Jury aus Umwelt-, Verbraucher- und landwirtschaftlichen Organisationen sowie Slow Food Deutschland hat sie zur „Kartoffel des Jahres 2009“ ernannt. Verbraucherinnen und Verbraucher schätzen die mehligkochende Kartoffelsorte wegen ihres guten Geschmacks und ihrer vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten. Adretta lässt sich gut zu Püree stampfen; sie bildet in Suppen und Eintöpfen eine sättigende Grundlage und macht sich auch gut als Pellkartoffel oder Folienkartoffel. Mit ihr gelingen auch viele traditionelle Gerichte wie zum Beispiel Thüringer Klöße, Sächsische Quarkkeulchen oder Kartoffelplinsen, so dass dank ihr der regionale Küchenschatz bewahrt bleiben kann.

In Deutschland werden außer der Adretta noch rund 150 weitere Kartoffelsorten angebaut. Ökolandwirte bauen vor allem solche Sorten an, die den regionalen Gegebenheiten (Klima, Boden) angepasst sind und sich als robust gegenüber Schädlingen und Krankheiten bewiesen haben.

Regionales Kartoffel-Testessen in Rheinland-Pfalz

Eine Auswahl an ökologisch angebauten Kartoffelsorten aus der Region Vorderpfalz gab es beim Kartoffeltestessen Ende November 2009 in Neustadt an der Weinstraße zu probieren. Oekolandbau.de hat bei diesem Testessen teilgenommen und – nicht nur – neue Geschmackseindrücke gesammelt.

Das Kompetenzzentrum ökologischer Landbau Rheinland-Pfalz (köl) führt in jedem Jahr an fünf verschiedenen Standorten in Rheinland-Pfalz Kartoffeltestessen durch, organisiert und moderiert von der Beraterin Jutta Kling. Ziel dieser Testessen ist es, dem ausgewählten Kreis aus Großverbrauchern (Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung), Vertretern des Lebensmittel- und Naturkosthandels und Multiplikatoren aufzuzeigen, welches vielfältige Angebot an Biokartoffeln es in ihrer Region, sozusagen vor ihrer Haustür, gibt. Eingeladen sind auch Biolandwirte – zum Testen und um im Gespräch mit den Prüferinnen und Prüfern Geschmacksvorlieben und Verbrauchertrends zu erfahren. Dieser Austausch ist für die Landwirte sehr wertvoll, da sie die Ergebnisse bei der Sortenwahl für das kommende Kartoffeljahr berücksichtigen können.

Zum Testessen in Neustadt an der Weinstraße hatten unterschiedliche Ökobetriebe aus dem Anbaugebiet Vorderpfalz neun Standard-Kartoffelsorten und zwei Gourmet-Sorten eingereicht. Nacheinander wurden diese als Pellkartoffel mit Schale der Testkommission serviert. Nun galt es, anhand eines Beurteilungsbogens die jeweilige Kartoffelsorte zu begutachten und schließlich unter dem Aspekt „Möchte ich gerne essen“ auf einer Skala von 1 (sehr gern) bis 6 (keinesfalls) zu benoten. Abgefragt wurden zum Beispiel Fleischfarbe, Geruch und Festigkeit sowie Mehligkeit und Geschmack.

Bei den Testern fielen die Urteile zu vereinzelten Kartoffelsorten unterschiedlich aus. Hatten die Vertreter der gehobenen Gastronomie beim Probieren schon gleich die Eignung für verschiedene Kartoffelgerichte als auch die Akzeptanz durch ihre Gäste vor ihrem geistigen Auge, waren für andere Tester die Schälbarkeit und der momentane Geschmackseindruck wichtig. Ins Rennen geschickt wurden unter anderem die Sorte Nicola, seit Jahren eine Standardsorte im ökologischen Landbau, und „Toscana“, die bei den bisherigen Testessen in anderen Regionen in Rheinland-Pfalz auf den vorderen Plätzen lag.

Auf den ersten drei Plätzen beim Testessen für die Region Vorderpfalz landeten:

Platz 1: Allians, eine festkochende Kartoffel, die mit ihrem kräftigen Aroma und einem angenehmen Mundgefühl schon oft als Testsieger aus Verkostungen hervorgegangen ist.
Platz 2: Belana, eine festkochende Sorte, die mit einem „gewissen Schmelz“ als Nachfolgekartoffel der Sorte Linda „gehandelt“ wird.
Platz 3: Laura, eine vorwiegend festkochende Sorte, wegen ihrer roten Schale als „Rote Königin im Kartoffelreich“ bezeichnet.

Im Hinblick auf diese Platzierungen betonte Beraterin Jutta Kling: „Die Ergebnisse aus dem jeweiligen Testessen stellen immer nur eine Momentaufnahme dar. Das heißt: Es lässt sich lediglich feststellen, dass bei diesem Testessen die Sorte X von Landwirt Y, gewachsen auf einem bestimmten Boden, mit dieser Beurteilung abgeschnitten hat. Das Ergebnis darf keinesfalls verallgemeinert werden, denn schon im nächsten Jahr kann es wieder anders ausfallen. Selbst die gleiche Kartoffelsorte vom gleichen Landwirt kann, wenn sie auf verschiedenen Böden angebaut wurde, unterschiedlich schmecken.“

Als „Bonbon“ ließ Jutta Kling der Testkommission Kartoffeln der Sorten Highland Burgundy Red und Rosa Tannenzapfen servieren. Sie gehören zu den Raritäten auf dem Kartoffelmarkt und werden bevorzugt von ökologisch wirtschaftenden Betrieben angebaut, die damit die Vielfalt der Kartoffelsorten zu bewahren helfen. Highland Burgundy Red stammt aus Schottland und ist die einzige Kartoffelsorte mit rot-weiß marmoriertem Fleisch und einer weißen Rinde. Wegen ihres faserigen Fleisches konnte sie allerdings nicht die Gunst der Prüferinnen und Prüfer in der Vorderpfalz gewinnen. Einen erneuten Versuch ist sie trotzdem wert, denn sie setzt optische Akzente in Kartoffelsalat oder als Püree.

Als Favorit aus diesem Kartoffeltestessen gingen einstimmig die Rosa Tannenzapfen hervor. Bedenkt man, dass diese Sorte schon vor dem Jahr 1880 bekannt war, ist es umso erstaunlicher, dass sie heutzutage noch angebaut wird. Um sie vor dem Aussterben zu bewahren, wurden die bizarren fingerförmigen Knollen in die „Arche“ von Slow Food aufgenommen.

Wer selbst einmal die Vielfalt der Kartoffelsorten kennenlernen und probieren möchte, findet auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen bei vielen Ökobauern eine große Auswahl. Fragen Sie doch einmal, welche Sorten „ihr“ Händler Ihnen empfehlen kann.

Quelle: oekolandbau.de

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