Verhältnis Bauchumfang zu Körpergrösse besser geeignet als Body-Mass-Index (BMI)?

Übergewicht
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Eine Messgrösse zur Beurteilung der Körperfülle soll das damit verbundene Risiko für Erkrankungen möglichst präzise wiedergeben. Dazu sei das Verhältnis von Bauchumfang zu Körpergrösse (waist to height ratio, WHtR) wesentlich besser geeignet als der Body-Mass-Index, sagen Wissenschaftler der Universität München.

„Vergessen Sie den Body-Mass-Index!“ So oder ähnlich lautete der Aufruf in den Medien Anfang März. Der BMI tauge nicht, um das  assoziierte Krankheitsrisiko  einer Person  zu bestimmen, oder sei zumindest viel weniger geeignet als bisher angenommen. Die weitaus besseren Messgrössen  zur Erfassung und des mit der Statur assoziierten Risikos sei der Bauchumfang (waist  circumference, WC) oder  das Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang (waist to hip ratio, WHR) – und neuerdings auch das Verhältnis von Bauchumfang zu Körpergrösse (waist to height ratio, WHtR).

Dass der BMI seine Mängel hat, ist in der Fachwelt kein Geheimnis. Bei Kindern und Jugendlichen kann er nur  indirekt angewendet werden, und bei älteren Personen darf er nicht allzu  streng ausgelegt werden, denn ein kleines Pölsterchen im Alter schützt offenbar vor verschiedenen Krankheiten. Verschiedene Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass die tiefste Sterblichkeit vermutlich nicht mit dem durch den BMI gemessenen Normalgewicht einhergeht, sondern mit leichtem Übergewicht. Auch muskulöse Menschen beurteilt der BMI falsch, sie leben nämlich gesünder als Menschen mit Bauchfett – auch wenn beide Gruppen das gleiche Gewicht auf die Waage bringen und deshalb bei gleicher Grösse denselben BMI aufweisen.

Der amerikanische Wissenschaftler Ancel Keys, der den Begriff bereits 1972 wesentlich prägte, wollte damit offenbar nicht Individuen, sondern ganze Populationen beurteilen – seiner Einfachheit wegen verbreitete sich der BMI jedoch rasch und gilt auch in der Schweiz immer noch als aktuelle Referenzgösse.

Sowohl der Bauchumfang als auch das Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang haben einen wesentlichen Vorteil gegenüber dem BMI: Sie beachten das Bauchfett. Während der „Birnen- Typ“ sein Fett an Oberschenkel, Gesäss und Hüften trägt, hat der „Apfel-Typ“ einen dicken Bauch – und das ist ungünstig für die Gesundheit. Denn es ist vor  allem das viszerale Bauchfett, das metabolisch aktiv ist und Hormone produziert, die Entzündungen hervorrufen und Ablagerungen in den Arterien bewirken (Arteriosklerose). Ob nun die Messung des Bauchumfangs oder das Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang für  die Beurteilung des Krankheitsrisikos besser geeignet ist, ist nicht genau geklärt, denn die Studienlage ist widersprüchlich.

Anfang März erregte eine Studie von Wissenschaftlern der Universität München viel Aufsehen. Der BMI spiele keine Rolle für das Risiko, einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder einen Herzkreislauf-Tod zu erleiden, so die Hauptaussage der Studie. Dafür eigne sich die Messgrösse WHtR am besten. Die Forscher untersuchten zwei Studien mit insgesamt knapp 11’000 Probanden, die Studiendauer betrug drei bis acht Jahre. Bei jedem Studienteilnehmer wurde die Messgrössen WHtR, WC, WHR und BMI erfasst. Für jede Messgrösse wurden vier Grössenordnungen festgelegt.

Das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass das sich Krankheits- und Todesrisiko am besten mit dem WHtR darstellen lässt. Der WC und der WHR waren weniger aussagekräftig, von der Verwendung des BMI raten die Autoren ab.

Ob sich der WHtR durchsetzen wird, ist von weiteren Studien abhängig, jedoch haben auch andere Studien gezeigt, dass Messgrössen, die das Bauchfett einbeziehen, eine bessere Risikovorhersage für Diabetes mellitus Typ 2 machen als der BMI. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE hält vorerst am BMI fest, denn er ist nach wie vor ein geeignetes Mass zur Beurteilung der Körperfülle. Jedoch rät sie zur Beurteilung des Krankheitsrisikos zur zusätzlichen Messung des Bauchumfangs. Wer sich regelmässig bewegt, sich nach den Regeln der Lebensmittelpyramide ernährt und sein Körpergewicht im Normalbereich des BMI und WC hält, hat bereits viel für seine Gesundheit getan.

Messgrössen zur Beurteilung des Körpergewichts

Body-Mass-Index BMI
Körpergewicht (kg) / Körpergrösse (m) im Quadrat
Normalgewicht: 18.5 – 24.9 kg/m2

Bauchumfang
engl. waist circumference WC
höchstens 94 cm bei Männern
höchstens 80 cm bei Frauen

Verhältnis von Bauch- zu Hüftumfang
engl. waist to hip ratio WHR
höchstens 0,9 bei Männern
höchstens 0,8 bei Frauen

Verhältnis von Bauchumfang (cm) zu Körpergrösse (cm)
engl. waist to height ratio WHtR
bis 40 Jahre: höchstens 0,5
bis 50 Jahre: für jedes zusätzliche Lebensjahr 0,01 addieren
über 50 Jahre: höchstens 0,6

(Die Angaben gelten für beide Geschlechter, für Kinder und Jugendliche gelten andere Werte.)

Quelle:
Schneider HJ, Friedrich N, Klotsche J, Pieper L, Nauck M, John U, Dörr M, Felix S, Lehnert H, Pittrow D, Silber S, Völzke H, Stalla GK, Wallaschofski H, Wittchen HU.
The Predictive Value of Different Measures of Obesity for Incident Cardiovascular Events and Mortality. The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism. E-Pub. 2010 Feb 3.

Kontakt:
Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE
NUTRINFO® Informationsdienst für Ernährungsfragen (kostenlos)
Tel. 031 385 00 08 (Montag – Freitag, 8.30 – 12h)
nutrinfo-d@sge-ssn.ch, www.sge-ssn.ch

Quelle: SGE

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