Tod der Ampelkennzeichnung – zum Schaden der Verbraucher?

Am 16. Mai 2010 hat das Europäische Parlament beschlossen, dass es künftig keine verpflichtende Ampelkennzeichnung auf Lebensmitteln geben wird. Sind die Verbraucher nun die Verlierer? Nein und Ja, heißt die Antwort. Erst einmal ist die Absage der Ampelkennzeichnung kein großer Verlust. Zu absurd war die Vorstellung, dass alle ihr Essen und Trinken nach Ampelpunkten ausrichten. Ganz zu schweigen davon, dass die Ampel ausschließlich „negative“ Nährstoffe wie Fett, Salz und Zucker labelt. Ein Negativlabel also sollte zur gesunden Ernährung motivieren. Ein Widerspruch in sich. Auch konnte noch keine wissenschaftlich fundierte Studie zeigen, dass Nährwertlogos, sei es Ampel, GDA (Guideline Daily Amount) oder andere, Verbraucher dazu bewegen, gesünder einzukaufen. Wer kein Interesse an gesunder Ernährung hat, guckt erst gar nicht aufs Etikett.

Verlierer sind die Verbraucher dennoch. Denn das GDA-Logo, das nach dem Willen der Parlamentarier künftig die Verpackungen zieren soll, ist keine bessere Alternative. Die GDA-Kennzeichnung informiert darüber, welche Nährstoffe prozentual zum Tagesbedarf in einer Portion enthalten sind. Dieses Logo hat eine ganze Reihe von Pferdefüßen. Es kennzeichnet ebenfalls nur „negative“ Nährstoffe. So können natürliche Lebensmittel wie Milch schlechter wegkommen als Erfrischungsgetränke. Auf Kinderlebensmitteln stehen die Referenzwerte für Erwachsene. Und die Portionsgrößen, auf die sich die Nährwertangaben beziehen, sind häufig ein Witz.

Mit der verpflichtenden Einführung der GDA-Kennzeichnung wurde auch die Chance verspielt ein leicht verständliches Logo einzuführen, das nach unabhängigen, wissenschaftlichen Kriterien in jeder Lebensmittelgruppe die gesünderen Produkte auszeichnet, wie beispielsweise das schwedische Keyhole (Schlüsselloch). Auch wenn Verbraucher möglicherweise ihren Einkauf nicht danach ausrichten, so können solche Logos die Hersteller zumindest dazu motivieren, die Nährstoffzusammensetzung ihrer Produkte zu verbessern. Unterm Strich ist die Entscheidung also doch ein Sieg der Lobbyisten. Was bleibt, ist der Ruf nach mehr Ernährungsbildung. Da sind sich plötzlich alle einig, ob Wissenschaft, Behörden oder Industrie. Denn hier gilt „zum Glück“ noch das Beliebigkeitsprinzip: Jeder macht, was ihm gefällt. Für Ernährungsbildung gibt es zwar theoretisch die Bildungsziele nach REVIS, länderübergreifende Qualitätsstandards für die Umsetzung fehlen jedoch. Das öffnet Tor und Tür für die eigenen Interessen von Herstellern und Handel. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Quelle: aid

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