Jahresbericht 2009 des rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamtes vorgestellt

Die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin Margit Conrad und der Präsident des Landesuntersuchungsamtes (LUA), Dr. Stefan Bent, haben den aktuellen Jahresbericht des LUA zur Lebensmittelüberwachung und zur Tierseuchenbekämpfung vorgelegt.

Im Verbraucher- und Gesundheitsschutz hat das Landesuntersuchungsamt im Jahr 2009 21.903 Proben Lebensmittel, Bedarfsgegenstände, Arzneimittel und Kosmetika untersucht. Etwa jede siebte Probe wurde beanstandet. Hinter den allermeisten Beanstandungen verbergen sich allerdings Mängel, die nicht unmittelbar gesundheitsschädlich sind, aber z.B. den Verbraucher in die Irre führen. Dazu gehören Imitate, die man nicht als solche erkennt. Sie haben als „Analogkäse“ oder „Schummelschinken“ im Jahr 2009 Schlagzeilen gemacht und auch das LUA sehr beschäftigt.

In der Tierseuchenbekämpfung hat das LUA insgesamt 241.867 Proben von landwirtschaftlichen Nutztieren, Wild- und Zootieren sowie Haustieren untersucht. Diese Untersuchungen dienen als Grundlage für tierseuchenrechtliche Maßnahmen und Risikobewertungen auf allen Ebenen der Veterinärverwaltung sowie für Management-Maßnahmen in den Betrieben. Beherrschendes Thema der Tierseuchenüberwachung und -bekämpfung im Jahr 2009 war das Auftreten der Klassischen Schweinepest bei Wildschweinen in zwei Regionen des Landes.
Zu: Lebensmittel, Bedarfsgegenstände, Arzneimittel und Kosmetika

Gesundheitsschädlich

Von den 21.903 untersuchten Proben waren 33 (=0,15 Prozent) wirklich gesundheitsschädlich – die meisten davon waren mit krank machenden Keimen belastet, und die betroffenen Chargen wurden umgehend vom Markt genommen. Ein rheinland-pfälzischer Hersteller von Mettenden musste mehrere Chargen aus dem Handel zurückrufen, nachdem das LUA in mehreren Proben Salmonellen nachgewiesen hatte. Die Verbraucherinnen und Verbraucher wurden öffentlich vor dem Verzehr der Würste gewarnt. Zu diesem drastischen Mittel hat das LUA im Jahr 2009 insgesamt zehn Mal gegriffen, um die Menschen in Rheinland-Pfalz vor Gesundheitsgefahren durch Lebensmittel, Kosmetika oder Bedarfsgegenstände zu schützen.

Irreführend

Deutlich häufiger als Gesundheitsgefahren werden Mängel beanstandet, die nicht krank machen, aber trotzdem gegen das Lebensmittelrecht verstoßen. Ein Thema, das 2009 Schlagzeilen gemacht hat, sind die so genannten Imitate. Sie sind weder neu noch ungesund oder mit verbotenen Inhaltsstoffen belastet, sondern sie ahmen das Original in Aussehen und Geschmack nach. Nachgemachte Lebensmittel sind nichts Verbotenes, wenn die Verbraucher ausreichend und eindeutig informiert sind. Wo Käse draufsteht, muss auch Käse drin sein.

Umso wichtiger, dass die Lebensmittelüberwachung kontrolliert, ob Lebensmittel eindeutig gekennzeichnet sind und damit erkennbar ist, ob es sich um ein Original oder um ein – möglicherweise sogar zulässiges – Imitat handelt. Insgesamt 296 Käse wurden im Jahr 2009 im LUA untersucht, 21 davon waren Käse-Imitate, die gar nicht oder nur unzureichend als solche gekennzeichnet waren. Von 51 untersuchten „Käsebrötchen“ fielen drei durch, weil beim Überbacken mit Käseersatz gearbeitet wurde.

Bilanz beim Schinken: 47 von 164 analytisch geprüften Proben entpuppten sich als Mogelpackung mit einem Fleischanteil von unter 60 Prozent. Besonders hoch war die Beanstandungsquote bei Vanilleeis. Von 34 Vanilleeisproben aus Eisdielen erfüllten ganze drei alle Voraussetzungen, um den Namen „Vanilleeis“ zu Recht zu tragen. Alle anderen enthielten gar keine oder zuwenig natürliche Vanille. Solche Produkte dürfen nicht als „Vanilleeis“ verkauft werden, sondern nur als „Eis mit Vanillegeschmack“.

Besorgnis erregend

Viele Mängel, die im LUA festgestellt werden, sind weit mehr als eine Frage der richtigen Kennzeichnung. Themen wie Pflanzenschutzmittelrückstände oder gentechnische Veränderungen lösen bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern große Besorgnis aus.

Nicht immer zu Recht: Im Jahr 2009 wurden im LUA insgesamt 783 Proben pflanzlicher Lebensmittel auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht. Nur sechs Proben waren wegen Überschreitung der zulässigen Höchstmengen zu beanstanden: Radieschen und Tafelweintrauben aus Deutschland sowie Pfirsiche aus Spanien. Insbesondere Bio-Produkte waren fast zu 100 Prozent frei von quantifizierbaren Pflanzenschutzmittelrückständen.

Anders sieht es bei den so genannten Gen-Produkten aus: Die weit verbreitete Meinung, dass immer mehr gentechnisch veränderte Lebensmittel im Umlauf sind, wird durch die Untersuchungen im LUA bestätigt. Nachdem bekannt wurde, dass nicht zugelassener gentechnisch veränderter Leinsamen nach Europa importiert wurde, wurden 64 Proben untersucht. Ergebnis: In 29 Fällen entpuppte sich der Leinsamen als die in der EU verbotene gentechnisch veränderte Variante.
Zu: Tiergesundheit und Tierseuchen

Schweinepest: Neue Sorgen

Die Befürchtungen der Tierseuchen-Experten im Land haben sich Anfang 2009 leider bestätigt: Die Klassische Schweinepest  (KSP) bei Wildschweinen trat erstmals im rechtsrheinischen Landesgebiet auf. Und sie wurde – nach Jahren der Ruhe – in der Pfalz erneut nachgewiesen. Die Konsequenzen waren gravierend – und teuer. In mehreren so genannten Gefährdeten Bezirken gab es Impfaktionen, die insgesamt rund 700.000 Euro verschlangen; das LUA verhängte strenge Auflagen für Jäger und Schweinehalter, in den Diagnostik-Labors des LUA herrschte Hochbetrieb: 17.667 Proben von Wildschweinen wurden bis Jahresende untersucht. Das Virus der Schweinepest wurde dabei 24 Mal nachgewiesen. Die Tatsache, dass es in der zweiten Jahreshälfte keinen Nachweis mehr gab, lässt hoffen, dass die Impfungen wirken.

Blauzungenkrankheit: Riesiger Impferfolg

Bei der Blauzungenkrankheit wurde die Hoffnung, dass die Impfung wirkt, zur Gewissheit. Die verpflichtende Impfung aller Rinder, Schafe und Zeigen in den Jahren 2008 und 2009 hat die Ausbreitung der Krankheit nachweislich gestoppt. Im Jahr 2009 ist in Rheinland-Pfalz nicht eine einzige Neuinfektion aufgetreten. Dadurch konnten erhebliche Leiden für die Tiere und große finanzielle Verluste für die Tierhalter verhindert werden. Bei der Impfkampagne sind 311.805 Rinder, 110.420 Schafe und 10.695 Ziegen gegen die Blauzungenkrankheit geimpft worden. Ende 2009 hat der Bund die Impfpflicht aufgehoben. Es bleibt zu hoffen, dass auch durch die nunmehr freiwillige Impfung ein ausreichender Schutz aufrecht erhalten werden kann.

BVD: Logistische Herausforderung

Auf das LUA rollt eine ebenso große wie ungewöhnliche Probenwelle zu: Jährlich bis zu 160.000 linsengroße Stückchen von Kälberohren müssen die Labors der Tierseuchendiagnostik durchlaufen. Der Auftrag: Untersuchung auf Bovine Virus Diarrhoe (BVD). Um die extrem verlustreiche Infektionskrankheit aus den rheinland-pfälzischen Rinderställen zu vertreiben, müssen ab 2011 alle neugeborenen Kälber auf BVD untersucht werden. Bei einem rheinland-pfälzischen Rinderbestand von mehr als 400.000 Tieren in 6.700 Betrieben eine gewaltige logistische Herausforderung, auf die sich das LUA im Jahr 2009 erfolgreich vorbereitet hat. Anfang 2010 konnten Rinderhalter freiwillig in die Ohrstanzuntersuchung einsteigen, damit sie die Untersuchungspflicht im Jahr darauf nicht kalt erwischt. Noch ein ehrgeiziges Ziel des LUA wurde erreicht: Kein Landwirt muss länger als zwei, maximal drei Arbeitstage auf sein Ergebnis warten.
Hintergrund: Das LUA in Kürze

Sichere Lebensmittel, Schutz vor ansteckenden Krankheiten und gesunde Tierbestände: Das ist die Aufgabe der rund 530 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamtes an den fünf Standorten Koblenz, Landau, Mainz, Speyer und Trier. Hier überwachen und untersuchen vor allem Lebensmittelchemiker, Tierärzte und Ärzte gemeinsam mit ihren technischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Krankheitsursachen bei Mensch und Tier, die Hygiene in medizinischen Einrichtungen, Trink- und Badewasser, Lebensmittel quer durch den Warenkorb, Wein, Bedarfsgegenstände sowie Arzneimittel und Kosmetika. Die neun Institute des LUA sind nach DIN/ISO 17025 akkreditiert – die Voraussetzung für die Anerkennung der amtlichen Prüfergebnisse in den EU-Mitgliedstaaten.

LUA_Jahresbericht_2009_komplett.pdf (2.5 Mb):
http://lua.rlp.de/uploads/media/LUA_Jahresbericht_2009_komplett.pdf

Kontakt:
Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz
Mainzer Straße 112
56068 Koblenz
Telefon 0261 9149-0
Telefax 0261 9149-190
E-Mail poststelle(at)lua.rlp.de

Quelle: LUA RLP

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