Spezifische Immuntherapie

Was ist die spezifische Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung? Welche Schritte müssen Allergiker beachten, um ihre Beschwerden dauerhaft zu lindern? Warum ist diese Therapie heute effektiver denn je? Im Video finden Sie die Antworten: Prof. Dr. Ulrich Wahn und Prof. Dr. Ludger Klimek informieren und bringen Sie sicher auf den richtigen Weg.

Wenn heute eine Allergie diagnostiziert ist, muss das kein lebenslanges Krankheitsbild mit fortschreitendem Prozess mehr sein. Mittlerweile gibt es einige Methoden, die helfen, die Symptome deutlich zu lindern, bestenfalls ganz zu beseitigen. Eine Methode, die an den Ursachen der Allergie ansetzt, ist die spezifische Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung genannt. Dabei wird dem Körper das auslösende Allergen in einem längeren Zeitraum in steigender Dosierung zugeführt. Ziel ist es, dass das Abwehrsystem lernt ,mit dem Allergen umzugehen und es schließlich toleriert. Die für Allergien typische überschießende Immunreaktion schwächt sich ab oder bleibt bestenfalls ganz aus. Die Symptome verschwinden.

Die Fachwelt unterscheidet in subkutane Immuntherapie, kurz SCIT, und sublinguale Immuntherapie (SLIT).

Bei der subkutanen Immuntherapie wird ein Allergenextrakt unter die Haut in den Arm gespritzt. Pollenallergiker beginnen die Therapie meist nach der Allergiesaison mit einer wöchentlichen Injektion über einen Zeitraum von vier Monaten. Im Anschluss ist nur noch alle sechs Wochen eine Spritze erforderlich. Erforderlich für den Erfolg ist absolute Therapietreue. Die Behandlung sollte mindestens über drei Jahre konsequent fortgeführt werden.
Eine zeitlich etwas günstigere Therapieform für Pollenallergiker  ist eine ähnlich gelagerte Kurzzeittherapie. Hierbei wird  das Allergen kurz vor Beginn der entsprechenden Pollensaison über einen Zeitraum von sechs Wochen zugeführt. Studien konnten belegen, dass Pollenallergiker hierdurch eine deutliche Besserung der Beschwerden bis hin zur Symptomfreiheit erreichen.

Die sublinguale Immuntherapie (SLIT) ist noch ein recht junges Verfahren. Dabei wird der Extrakt in Form von Tropfen, Tabletten oder Spray unter der Zunge verabreicht. Eine Alternative stellt diese Methode vor allem für Menschen dar, die Angst vor dem Spritzen haben oder als Berufstätige über relativ wenig Zeit verfügen. Da es sich hierbei jedoch um ein noch recht junges Verfahren handelt liegen noch wenige Erkenntnisse über die Langzeitwirkung vor.

Auch die Hyposensibilisierung im Allgemeinen war lange Zeit umstritten. In einem Positionspapier  zur Allergenimmuntherapie hat die Weltgesundheitsorgansiation vor einigen Jahren 400 Studien zusammengetragen und ausgewertet und den Beweis für die Wirksamkeit dieser Therapieform erbracht. Die Hyposensibilisierung gilt nunmehr als wirksamste Behandlungsmethode in der Allergeologie.

Damit die Therapie am Ende jedoch von Erfolg gekrönt ist, müssen neben dem unbedingten Willen des Patienten noch einige weitere Voraussetzungen erfüllt sein. So kommt die Hyposensibilisierung nur zur Anwendung, wenn die Allergie auslösende Substanz zweifelsfrei erkannt und durch Antikörper (IgE) im Blut nachgewiesen ist. Ferner sollten keine schwerwiegenden Erkrankungen des Herz-Kreislauf- oder Immunsystems vorliegen und das Allergen nicht zu meiden sein, wie beispielsweise bei einer Pollenallergie. Voraussetzung ist auch, dass das  Extrakt in abreichbarer Form vorhanden ist. Für die Langzeittherapie stehen molekular standardisierte Präparate für die Behandlung von Pollen-, Milben-, Tierhaar-, Schimmelpilz- und Insektengiftallergien zur Verfügung, wohingegen es gegenwärtig noch kein Präparat für Lebensmittelallergien gibt. Alle Therapieallergene müssen nach der durch den Gesetzgeber neu geregelten Therapieallergene-Verordnung arzneimittelrechtlich zugelassen sein.

Besonders erfolgversprechend ist die Hyposensibilisierung im Kindes- und Jugendalter. Das Abwehrsystem von Kindern ist noch lern- und veränderungsfähig und das Kind reagiert nur auf eines oder wenige Substanzen allergisch. Zudem liegen im Frühstadium  einer allergischen Erkrankung keine chronischen Veränderungen vor, die nicht mehr zu beheben sind.

Die Allergieimpfung wird bei allergischem Schnupfen, Bindehautzentzündung oder Asthma bronchiale ab einem Alter von 5 bis 6 Jahren durchgeführt, am häufigsten bei einer Pollenallergie. Bei Insektengiftallergien mit bedrohlichen Symptomen kann die Behandlung schon früher beginnen. Die Erfolgsrate liegt hier bei 90 Prozent. Eine Altersbeschränkung nach oben gibt es indes nicht. Ganz im Gegenteil ist gerade in den letzten Jahren festzustellen, dass immer mehr Menschen eine Pollenallergie erst in höherem Alter entwickeln.

Quelle: Redaktion Mediaplanet Verlag

FavoriteLoadingSeite in meine Favoritenliste legen | Seite drucken Seite drucken | Copyright |
Medienkontakte dieser Meldung:
1453 + 2.216 Abo Newsletter + 3.136 Follower auf Twitter + 563 Kontakte Facebook

Mehr zum Thema