Fehlendes Verständnis führt bei Verstopfung häufig zu nutzlosen oder nicht belegtermaßen wirksamen Behandlungen

In ganz Europa leiden Menschen teilweise unnötig unter Verstopfung, weil ihre Symptome nicht verstanden werden und sie nicht die wirksamsten Behandlungen erhalten. Professor Anton Emmanuel von der ESNM, einer Vereinigung innerhalb der United European Gastroenterology Federation (UEGF), hat die Ärzte dazu aufgefordert, ihren Patienten mit mehr Einfühlungsvermögen zu begegnen und sich mehr Zeit dafür zu nehmen, ihnen zu erklären, warum diese Symptome auftreten und was dagegen unternommen werden kann. „Wenn Ärzte nicht eine gute Beziehung zu ihren Patienten aufbauen und alle Faktoren berücksichtigen, die möglicherweise zu deren Verstopfungssymptomen beitragen, besteht eine sehr reale Gefahr, dass Patienten ihr Heil in nutzlosen Diäten und Behandlungen suchen, deren Wirkung nicht bewiesen ist.“

Was ist Verstopfung?

Verstopfungssymptome sind die am häufigsten vorgetragenen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Studien in der westlichen Welt gehen davon aus, dass ständig bis zu 20 % der Bevölkerung unter Verstopfung leiden. Zu den Verstopfungssymptomen zählen eine zu seltene Entleerung des Darms, starkes Pressen bei der Darmentleerung, harter Stuhl, schmerzhafter Stuhlgang, Blähungen, Schmerzen oder Gase. Die Symptome werden üblicherweise entweder durch eine langsame Darmpassage, Probleme mit der Beckenbodenmuskulatur oder eine Kombination aus beidem verursacht.

„Verstopfung kann für Gesundheitsdienstleister eine sehr kostenintensive Angelegenheit sein“, erläutert Prof. Emmanuel. „Eine vor kurzem in den USA durchgeführte Untersuchung ergab, dass Frauen, die unter Verstopfung leiden, drei Mal so viele Ressourcen im Gesundheitswesen in Anspruch nehmen wie Frauen, die davon nicht betroffen sind, und laut aktuellen Daten aus Großbritannien liegen die Kosten für Krankenhausleistungen und Rezepte im Zusammenhang mit Verstopfung momentan bei jährlich 120 Millionen £.“

Behandlung von Verstopfung: der optimale Anfang

Nach Prof. Emmanuel ist der beste Anfang für eine effektive Behandlung der Verstopfung eine einfühlsame Beurteilung durch den Arzt, wobei dem Patienten Gelegenheit gegeben wird, die Symptome und ihre Auswirkungen auf das tägliche Leben zu beschreiben. Ärzte sollten sich die Zeit nehmen, dem Patienten die anatomischen und physischen Veränderungen zu erklären, die für diese Symptome verantwortlich sind, und auf jede falsche Vorstellung eingehen, die der Patient im Zusammenhang mit Verstopfung haben könnte. „Solche falschen Vorstellungen gibt es in der Öffentlichkeit reichlich“, führt er weiter aus. „Am weitesten verbreitet ist die Meinung, dass eine Darmentleerung pro Tag sein muss, obwohl tatsächlich viele gesunde Menschen ihren Darm nur drei Mal pro Woche entleeren. Andere glauben, dass Abführmittel Krebs oder Darmträgheit verursachen oder dass bei unregelmäßiger Darmentleerung eine Vergiftung eintritt – dies alles stimmt nicht.”

Ernährungsumstellungen und eine Änderung der Lebensweise können in einigen Fällen dazu beitragen, die Verstopfung zu lindern: Eine ballaststoffreiche Ernährung kann Menschen mit schwachen Symptomen und normaler Darmpassage helfen, jedoch bei Menschen mit langsamer Darmpassage zu verstärkten Blähungen führen. Eine Flüssigkeitsaufnahme von weniger als 1 Liter und mangelnde körperliche Betätigung können ebenfalls zu einer Verstopfung beitragen, daher können ausreichendes Trinken (mindestens 2 Liter bzw. 8 bis 10 Gläser pro Tag) und regelmäßiger Sport helfen. Neuere Ergebnisse belegen, dass Probiotika („nützliche Bakterien“) die Darmfunktion unterstützen können, jedoch ist das optimale Gleichgewicht dieser Bakterien bisher nicht geklärt.

Bekämpfung einzelner Symptome

„Nachdem Ernährung und Lebensweise angesprochen wurden, sollte im nächsten Schritt die geplante und vorsichtige Verabreichung geeigneter Abführmittel oder Zäpfchen erfolgen, um einzelne Symptome zu bekämpfen“, so Prof. Emmanuel. „Bei einer kleinen Gruppe von Patienten ist es möglicherweise erforderlich, über medikamentöse Therapien nachzudenken, um die Geschwindigkeit der Darmpassage und die Konsistenz des Stuhls zu beeinflussen.“

Andere Behandlungsoptionen beinhalten eine Biofeedback-Therapie – eine Behandlung, die den Menschen hilft, ihre Toilettengewohnheiten neu einzuüben, um eine effektivere Darmentleerung zu erreichen. Chirurgische Eingriffe beschränken sich üblicherweise auf eine Minderheit von Patienten mit anatomischen Abweichungen im Beckenbodenbereich. Ein Entfernen des Dickdarms ist so gut wie nie erforderlich.

„Das Verständnis der Abläufe, die diese weit verbreiteten Beschwerden verursachen, wächst, und daraus ergeben sich neue Behandlungsmethoden“, so Prof. Emmanuel. „Entscheidend für die Behandlung von Verstopfung bleibt jedoch eine einfühlsame Beratung und die Entwicklung eines individuellen Behandlungsplans.“

UEGF – United European Gastroenterology Federation – www.uegf.org
ESNM – European Society of Neurogastroenterology and Motility – www.esnm.eu

Quelle: UEGF

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