Kostenfalle „Kindermilch“: Kuhmilch ist die bessere Milch für Kinder

„Kindermilch“ wird als Kuhmilchersatz für Kinder ab dem zwölften Lebensmonat verkauft, ist aber bis zu vier Mal teurer als Kuhmilch. Das hat die Verbraucherzentrale Hamburg bei einer Untersuchung von 21 Kindermilchprodukten von fünf Herstellern festgestellt. Der Durchschnittspreis lag bei 1,75 Euro pro Liter, wobei das teuerste Produkt 2,27 Euro kostete. Ein Liter handelsübliche fettarme Kuhmilch wird dagegen schon für 54 Cent verkauft. „Kindermilch ist völlig überteuert. Die Rohstoffe für die Herstellung kosten nur wenige Cent. Doch Eltern haben pro Jahr bis zu 245 Euro Mehrkosten“, sagt Armin Valet, Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale. Überdies sei ein Preisvergleich zwischen beiden Produktgruppen kaum möglich, da sich der Grundpreis bei der häufig in Pulverform angebotenen Ersatzmilch oft auf das Gewicht und nicht auf die verzehrsfertige Menge bezieht. Die Ergebnisse im Internet: www.vzhh.de.

Die Verbraucherzentrale hält schon den Begriff „Kindermilch“ für zweifelhaft. Es handele sich bei dem Produkt nicht um „Milch“, sondern um ein Milchsurrogat. Das süße Getränk wird auf Basis von Magermilch mit Zutaten wie Maltodextrin als Füllstoff, pflanzlichem Öl, Zusatzstoffen und Aroma zusammen gemischt. Stoffe, die in der Milch von Natur aus nicht vorhanden sind. Zudem wird oft der Calciumgehalt beworben, obwohl dieser um ein Drittel geringer ist als bei Milch.

Der in der Werbung anzutreffende Slogan „gesünder als Kuhmilch“ werde von der Industrie damit begründet, dass der geringere Eiweißgehalt der nachgemachten Milch und höhere Gehalte an – künstlich zugesetztem – Eisen und Vitamin D von Vorteil seien. „Doch ‚Kindermilch’ ist weder gesünder noch bei einer ausgewogenen Ernährung erforderlich. Sie nützt nur der Industrie, die wegen des Geburtenrückgangs Pseudoinnovationen erfinden muss, um die ‚Fütterungsdauer’ der Kleinkinder zu verlängern und dadurch dauerhaft den Absatz zu sichern. Kleinkinder können ab dem zehnten Lebensmonat an die Familienkost herangeführt werden und somit auch normale Milch trinken“, kritisiert Valet. Er vermutet, dass Babykosthersteller mit den Produkten Kleinkinder möglichst früh an den Kunstgeschmack von aromatisierten Fertigprodukten gewöhnen wollen. Das könne aber zusammen mit zu hohem Zuckerkonsum die Basis für späteres Übergewicht sein.

Quelle: Verbraucherzentrale Hamburg e.V.

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