Die Ernährungs- und Diättrends im Jahr 2013

Aktuelle wissenschaftliche Studien und der jüngst von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) veröffentliche Ernährungsbericht machen deutlich, dass die Bereiche Ernährungsmedizin, Diätetik, Verbraucherverhalten und Adipositas einem extremem Wandel unterzogen sind. Gerade die Adipositasforschung macht große Fortschritte. Diese führen jedoch noch nicht zu Veränderungen des Körpergewichts bei den Menschen in Deutschland. Im Gegenteil: Die Menschen in Deutschland werden praktisch immer dicker und die Ausprägung des Übergewichts beziehungsweise der Adipositas (Fettsucht) nimmt weiter zu. Die Bezeichnung Bundesrepublik Dickland (BRD) erscheint inzwischen nicht mehr übertrieben. Die Gesundheitsaufklärung ist Deutschland appelliert noch immer in erster Linie rational und es wird leider übersehen, dass sich das Ernährungsverhalten – aber auch das Bewegungsverhalten und die Verarbeitung von Stress – nicht nur rational bedingt sind, sondern auch die emotionale Seite betrachtet werden muss.

Adipositas (Fettleibigkeit) hat sich in den letzten zehn Jahren auch in Deutschland zur Volkskrankheit entwickelt. Die schwerwiegenden Folgen: Begleiterkrankungen und Arbeitsunfähigkeit der 18 Millionen Betroffenen verschlingen jedes Jahr Milliarden Euro. Dabei gibt es wirksame Therapie-Programme, die den Adipositas-Kranken und dem Gesundheitssystem helfen könnten. Dazu gehören beispielsweise Programme, die auf proteinmodifiziertes Fasten setzen oder Gruppenprogramme, die eine kalorienreduzierte Mischkost mit guten Sättigungswert (Stichworte: hoher Ballaststoffgehalt und niedrige glykämische Belastung) aufweisen. Die Ballaststoffaufnahme in Deutschland ist noch immer erschreckend niedrig. Und vor dem Hintergrund lassen sich einige der typischen Wohlstandserkrankungen in Deutschland auch als Ballaststoffmangelkrankheiten bezeichnen.

Übergewicht: Senioren werden immer dicker
Der aktuelle Ernährungsbericht legt einen seiner Schwerpunkte auf die Ernährung von Senioren, die in Privathaushalten versorgt und gepflegt werden. Fazit: Ältere Menschen bringen zu viele Kilos auf die Waage. Vor dem Hintergrund, dass Fehl- und Überernährung auf dem Boden des allgemeinen Bewegungsmangel und genetischer Faktoren besonders häufig zu ernährungs(mit)bedingten Krankheiten wie beispielsweise Typ 2 Diabetes mellitus führen, muss hier nach Einschätzung führender Experten dringend interveniert werden.

Dicke Zahlen und Fakten:
• fast jeder vierte Deutsche ist fettleibig (BMI > 30)
• Zahl der betroffenen Männer und jungen Erwachsenen ist stark gestiegen
• 25,7 Milliarden Euro wird Adipositas im Jahr 2020 in Deutschland kosten
• Aber: 2,5 Stunden/Woche zügiges Gehen verlängert ein Leben um 4,5 Jahre

War von wenigen Jahren noch Übergewicht im Kindergartenalter Sorgenthema Nummer 1, bereitet nunmehr Fettleibigkeit im Seniorenalter zunehmendes Kopfzerbrechen. In Deutschland sind insgesamt ungefähr 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen übergewichtig, bei älteren Menschen sehen die Zahlen düsterer aus: Hier bringen satte 74 Prozent der Männer und 63 Prozent der Frauen zu viel auf die Waage. Eine Ursache ist der Bewegungsmangel, der bei zunehmendem Alter oft durch körperliche Einschränkungen begründet ist. Zum anderen lässt sich das Übergewicht im Seniorenalter auf eine unausgewogene Ernährung zurückführen: So verzehrt laut dem Ernährungsbericht jeder Mann pro Woche durchschnittlich ein Kilogramm Fleisch und Wurst – empfohlen werden allerdings 300 bis 600 Gramm wöchentlich. Es darf nicht übersehen werden, dass Verzehrsstudien immer wieder zeigen, dass die aufgenommene Fettmenge in erster Linie aus Fleisch, Wurstwaren und Käse stammt und nicht – wie von der Bevölkerung oft vermutet und in der Ernährungsberatung viel zu häufig fälschlich beraten – aus Koch- und Streichfett.

Proteine machen eine Reduktionskost dauerhaft erfolgversprechender
Wissenschaftliche Studien und die Erfahrung von Übergewichtigen zeigen, dass Crash-Diäten nach Beendigung das Gewicht auf der Waage rasch wieder steigen lassen. Schuld hieran ist in erster Linie die oft niedrige Eiweißaufnahme während der Diät. Die Muskulatur verbrennt einen Großteil der aufgenommenen Energie (Kalorien). Vielen ist bewusst, dass der Muskelaufbau durch Sport bei einem Abnehmwunsch die Fettpolster deutlich schneller schmelzen lässt. Der logische Rückschluss, dass ein Verlust an Muskelmasse den Fettansatz erneut fördert, wird von vielen Abnehmwilligen häufig außer Acht gelassen. Besonders Diäten aus Printmedien (Stichwort Yellow Press) oder Diätbücher, die reißenden Absatz finden, die mit einem schnellen Verlust einiger Kilos innerhalb weniger Tage locken, führen dem Körper oft zu wenig Protein (Eiweiß) zu. Da zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen eine tägliche Mindestmenge an Eiweiß erforderlich ist, holt sich der Körper dieses vor allem aus den Muskeln. Der Verlust des stoffwechselaktiven Gewebes lässt zwar das Gewicht auf der Waage schnell sinken. Bei der Rückkehr zu den alten Essgewohnheiten fehlt dieser Muskelanteil zusätzlich für die Energieverwertung. Die Folge ist der berüchtigte Jojo-Effekt, da der Körper nun noch mehr überschüssige Energie im Fettgewebe speichert. Zum Jojo-Effekt kommt es insbesondere durch die Verminderung des Ruhe-Nüchtern-Umsatzes.

Für einen dauerhaften Gewichtsverlust benötigt der Körper mindestens 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht aus der Nahrung, wie verschiedene Kurz- und Langzeitstudien belegen. Das entspricht bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen etwa 56 Gramm Eiweiß. Unter Diäten mit einer geringeren Eiweißzufuhr beobachteten Wissenschaftler eine Abnahme der stoffwechselaktiven fettfreien Masse, verbunden mit einer anschließend raschen Gewichtszunahme (1). Empfehlenswert ist wäre eine Proteinzufuhr von mindestens 1 Gramm Eiweiß pro Kilokilogramm Istgewicht. Ein Adipöser mit 93 Kilogramm benötigt also wenigstens 93 Gramm Eiweiß täglich, um sinnvoll abnehmen zu können.

Hungerkuren und Fastenkuren (oder Null-Diäten), aber auch einseitige Diäten bergen ohne Begleitung durch eine erfahrene Fachkraft die Gefahr einer Eiweißunterversorgung. Der Verzehr von reichlich Obst und Gemüse beispielsweise liefert zwar wichtige Vitamine und Mineralstoffe, kann aber nicht den Eiweißbedarf decken. Einseitige Lebensmittelkombinationen wie zum Beispiel Gemüse, Obst und Reis führen, über Tage oder gar Wochen hinweg allein konsumiert, zum Abbau von Muskeln. Der Jojo-Effekt ist vorprogrammiert. Nachhaltig wirkende Diäten enthalten daher ausreichende Mengen an guten Eiweißquellen und kombinieren verschiedene Lieferanten wie Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte oder Tofu.

Der Umkehrschluss „viel bringt viel“ gilt allerdings nicht. Ein übermäßiger Verzehr eiweißreicher Nahrungsmittel lässt die Pfunde nicht schneller purzeln. Eine eiweißreiche Ernährung ist für Menschen mit gesunden Nieren zwar bedenkenlos (1). Aber bei einer Ernährungsweise mit einem Gramm Eiweiß pro Körperkilogramm kann ohnehin nicht von einer proteinreichen Ernährungsweise gesprochen werden.

Die Effektivität einer Proteinanreicherung oder proteinreichen Redaktionskost zeigen aber auch andere Studien. Eine eiweißreiche Ernährung kann dabei helfen, Übergewicht vorzubeugen oder es zu verringern. Im Tierversuch führt eine hohe Aufnahme von Eiweiß oder Eiweißbausteinen zu einer erhöhten Wasseraufnahme. Diese ist mit einer geringeren Nahrungsaufnahme verbunden und trägt so dazu bei, Übergewicht vorzubeugen. Zudem wirkt eine eiweißreiche Kost der Fettneubildung in der Leber entgegen (2). Aber der Ernährungsbericht zeigt auch viele Veränderungen im Ernährungsverhalten, die sich günstig auf die Gesundheit auswirken.

Deutschland isst gesünder
Andererseits zeigt der Ernährungsbericht aber auch positive Tendenzen. Das Ergebnis des 12. Ernährungsberichts der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist an einigen Punkten durchaus erfreulich: Die Deutschen essen etwas mehr Gemüse und trinken auch etwas weniger Alkohol. Die Deutschen essen mehr Gemüse, dagegen ist allerdings ein Rückgang beim Verbrauch von Obst zu verzeichnen und nach wie vor ein hoher Verzehr von Fleisch. DGE-Präsident Prof. Dr. Helmut Heseker empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche zu essen. Auch solle man eher zu weißem als zu rotem Fleisch greifen, um dem Risiko an Dickdarmkrebs zu erkranken, vorzubeugen. Viele der Trends im Lebensmittelverbrauch setzen sich über die Jahre fort: Verglichen mit den Orientierungswerten der DGE essen die Deutschen nach wie vor mehr tierische als pflanzliche Lebensmittel. Ein hoher Verzehr pflanzlichen Lebensmitteln, wie Obst, Gemüse und Getreide in Form von Vollkornprodukten kann das Risiko, an Übergewicht und Adipositas, Hypertonie und Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken.

Während die Deutschen immer weniger Alkohol trinken, ist Mineralwasser das beliebteste Erfrischungsgetränk. Zwei positive Ergebnisse, die auch der Empfehlung der DGE entgegenkommen, nämlich den Durst überwiegend kalorienarm zu löschen. Vor allem Kinder und Jugendliche sollten den Konsum von gesüßten Erfrischungsgetränken einschränken, um das Risiko für Adipositas und Diabetes zu senken. Der 12. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wurde am 14. Dezember veröffentlicht und im Auftrag und mit der Förderung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erarbeitet. Das größte Ernährungsproblem stellt in Deutschland die Fehl- und Überernährung dar. Und das führt oftmals zu Übergewicht. Aber auch hier gibt es viele Ansatzpunkte, die sich als Diättrends zusammenfassen lassen.

Die Diättrends im Jahr 2013
Die noch immer zunehmende Kalorienvergiftung in Deutschland lässt sich nur entschärfen, wenn Übergewichtige Diät nicht als kurzfristige radikale Crashkur verstehen, sondern die Ernährungsweise grundsätzlich umstellen. In jedem Frühjahr halten sich mindestens 30 Prozent der Menschen an Diätregeln. Aber schon wenige Tage bis Wochen später sind alle guten Vorsätze vergessen. Übergewicht ist mehr als ein kosmetisches Problem. Es geht nicht um kneifende Hosen oder Kleider, sondern vielmehr um übergewichtsbedingte Krankheiten und eine verringerte Lebenserwartung. Nachfolgend die wichtigsten aktuellen Diättrends, die die Kalorienvergiftung über 2013 hinaus verhindern können:
1. Große Gläser – kleine Teller
Studien beweisen, dass kleine Teller und andere Ess- und Trinkgefäße die Sättigung fördern und die Nahrungsaufnahme einschränken können. Zudem ist es für Übergewichtige wichtig, täglich mindestens 2,5 bis 3 Liter zu trinken, um die Ausscheidung von beim Gewichtsabbau anfallenden Stoffwechselendprodukten zu fördern. Außerdem fördert Trinken von kaltem Mineralwasser die Sättigung und erhöht den Energiebedarf.
2. Satt abnehmen mit Ballaststoffen
Ballaststoffe kommen insbesondere in Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen, Früchten sowie Vollkornprodukten vor. Die pflanzlichen Fasern sind natürliche Schlankheitsmittel, denn sie quellen mit Flüssigkeit auf und das sättigt nachhaltig. Zudem fördern sie die Fettausscheidung und beugen Blutzuckerspitzen vor. Es darf nie vergessen werden, dass Übergewicht als Ballaststoffmangel-Krankheit bezeichnet werden kann. Wer täglich ein Pfund bis ein Kilogramm Gemüse, ein halbes Pfund Obst und vier Scheiben Vollkornbrot isst, hat keinen Hunger und kann satt abnehmen. Mehr Ballaststoffe für mehr Gesundheit und Wohlbefinden aber weniger Körpergewicht lautet die Devise.
3. Mehr Bewegung gegen den Jojo-Effekt
Der Feind jeder Ernährungsumstellung ist der Jojo-Effekt. Viele Übergewichtige nehmen im Laufe eines Jahrzehnts in vielen Etappen zentnerweise ab und eine noch größere Menge wieder zu. Der Jojo-Effekt ist durch eine Verminderung der Muskelmasse zu erklären. Im Rahmen einer Gewichtsreduktion kommt es dazu. Durch Bewegung erhöht sich nicht nur kurzfristig der Energiebedarf, sondern auch der Jojo-Effekt bleibt aus, sofern die Proteinzufuhr ausreichend ist. Eine Ernährungsumstellung kann das Körpergewicht nur dann dauerhaft gesenkt halten, wenn die Muskelaktivität durch Alltagsbewegung und Sport (Kraft- und Ausdauersport) erhöht wird. Die Kombination aus Bewegung und ausreichender Proteinzufuhr beugt dem Jojo-Effekt vor und macht die Gewichtsreduktion effektiver und nachhaltiger.
4. Kalorienkiller und Fettkiller machen Abnehmen leichter
Übergewichtige nehmen leichter ab, wenn sie den Energiebedarf steigern und die Zufuhr davon vermindern. Das ist aber nicht nur durch Bewegung und Sport sowie Ernährungsumstellung möglich. Eine Vielzahl von natürlichen Lebensmittelinhaltsstoffen und Lebensmitteln erhöhen den Energiebedarf. Capsaicin oder Gingerol gehören zu den Kalorienkillern, die auch als Fettkiller oder Fatburner bezeichnet werden. Natürlich können Kalorienkiller allein nicht schlank machen. Aber Kalorienkiller und Fettkiller sind in der Lage, die Effektivität einer Ernährungsumstellung sinnvoll zu unterstützen. Bei einer ausreichenden Kalziumzufuhr erhöht sich beispielsweise die Gewichtsabnahme signifikant. Die wissenschaftliche Literatur beschreibt eine Reihe von Kalorienkillern.
5. Proteindiät – Slow Carb, Good Fat und High Protein
Studien beweisen, dass weder Slow Carb noch Low Fat in der Lage sind, das Übergewichtsproblem zu beherrschen. Vielmehr geht es um eine kalorienreduzierte Mischkost. Die letzten Jahrzehnte haben das eindrucksvoll bewiesen, denn durch fettarme und fettreiche Diäten ist es nicht zu einer Verminderung der Zahl der Übergewichtigen gekommen. Viel wichtiger erscheint es, dass Übergewichtige ausreichend Protein (Eiweiß) aufnehmen. Ein Gramm pro Körperkilogramm muss es sein, um die Sättigung zu fördern und den Muskelabbau und damit den Jojo-Effekt zu vermeiden. Zudem sollten hochwertige Fette und ballaststoffreiche Kohlenhydratträger in moderater Menge aufgenommen werden.
weiteren Gewichtszunahme führt.
6. Trau keiner Diät unter 1.200 Kalorien
Fasten oder Nulldiät machen nicht schlank, sondern krank und fördern die Entstehung von Übergewicht. Bei extremer Energiearmut und Proteinmangel kommt es zu extremem Muskelabbau und Reduktion des Kalorienbedarfs. Eine optimale Ernährungsweise zur Verminderung von Übergewicht liefert täglich 1.200 bis 1.600 Kalorien. Damit ist der Nährstoff-Bedarf gut zu decken und Frust kommt bei der Lebensmittelauswahl nicht auf. Verbote sind verboten. 1.200 bis 1.600 Kalorien täglich verteilt auf drei sättigende Wohlfühlmahlzeiten machen Übergewicht beherrschbar.
7. Aufschreiben und dadurch abnehmen
Die meisten Übergewichtigen schätzen Studien zufolge ihre Nahrungsaufnahme falsch ein. Übergewichtige nehmen Zwischenmahlzeiten und Snacks demzufolge in der Regel kaum oder überhaupt nicht wahr und unterschätzen die Dimension von Mahlzeiten. Allein durch das Führen eines Ernährungstagebuches haben tausende meiner Patienten abgenommen. Übergewichtige, die ihr Essverhalten dauerhaft umstellen möchten, sollten den Zeitpunkt und die Dimension der aufgenommenen Nahrungsmittel protokollieren. Es ist sinnvoll diese Aufzeichnungen im Rahmen der Ernährungsberatung zu besprechen und anhand von Kalorien-Nährwert-Tabellen zu analysieren.
8. Mehr Motivation ohne Waage
Übergewichtige sollten sich nicht mehr auf die Waage stellen. Wer sich täglich wiegt, fördert die Demotivation und nimmt dauerhaft immer mehr zu. Ich habe nie verstanden, warum Übergewichtige sich wiegen. Dass sie übergewichtig sind, müssen sie schließlich nicht auf der Waage feststellen, denn das merken sie doch, wenn sie sich morgens nackt im Badezimmer im Spiegel anschauen. Die Waage baut einen immensen Druck auf, der kontraproduktiv ist. Studien beweisen, dass eine Gewichtsreduktion von zehn Prozent ausreichend ist, um fehl- und überernährungsbedingte Krankheiten zu heilen oder lindern. Häufiger als 1- bis 2-mal monatlich sollte keine Überprüfung der Gewichtsentwicklung stattfinden. Grundsätzlich sind der Wert der Erhebung des Gesamtkörpergewichts und die Berechnung des Body-Maß-Index (BMI) anzuzweifeln. Vielmehr sollte die Körperzusammensetzung mittels bioelektrischer Impedanzanalyse (BIA) im Verlauf kontrolliert werden und der Bauchumfang gemessen werden.
9. Optimale Vitamin- und Mineralstoffzufuhr auch bei der Diät
Dass der Mensch auf die regelmäßige Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen über die Nahrung angewiesen ist, bezweifelt niemand ernsthaft. Aber im Rahmen einer Gewichtsreduktion steigt der Bedarf an diesen Mikronährstoffen und zusätzlich gehen mit dem Urin noch vermehrt bestimmte Vitamine und Mineralstoffe verloren. Diesem Punkt wird bisher in der Beratung und Schulung sowie Therapie von Übergewichtigen nicht Rechnung getragen. Nur bei einer optimalen Vitamin- und Mineralstoffzufuhr kann eine Ernährungsumstellung optimal funktionieren und die Gesundheit erhalten und fördern. Bestimmte Vitamine und Mineralstoffe sind für die Stoffwechselfunktionen unerlässlich. Daher müssen sie während der Gewichtsreduktion ausreichend zugeführt werden. Dafür müssen keine Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden, sondern vielmehr ist dafür eine ausgewogene Ernährungsweise mit reichlich Gemüse, Früchten, Vollkornprodukten und wertvollen Protein- und Fettträgern in der Regel ausreichend.
10. Süßstoffe anstatt Zucker
Viele Studien weisen nach, dass es zu einer Gewichtsreduktion kommt, wenn Zucker durch Süßstoffe wie Saccharin, Stevia/Steviolglycoside, Neohesperidin DC oder Aspartam ersetzt wird. Dies trifft insbesondere zu, wenn zuckergesüßte Softdrinks sowie mit Zucker gesüßter Kaffee oder Tee durch süßstoffgesüßte Getränke ersetzt werden. Menschen, die die Hälfte der täglich durchschnittlich aufgenommenen Zuckermenge durch Süßstoff ersetzen, sparen jährlich rund 73.000 Kilokalorien ein. Dieses Kaloriendefizit kann das Körpergewicht um 12 Kilogramm senken. Süßstoff kann eine Gewichtsreduktion erleichtern. Aber Süßstoffe allein sind keine Medikamente, die zum Abnehmen führen. Sie können aber sinnvoll in eine Ernährungsumstellung zur Reduktion des Körpergewichts eingesetzt werden. Zudem erfüllen sie das Bedürfnis nach dem süßen Geschmack und verhindern nicht nur dadurch auch einen Jojo-Effekt. Insgesamt betrachtet sind Süßstoffe mit Sicherheit von Nutzen für die Gesundheit, die Figur und die Schmackhaftigkeit. Glücklicherweise ist ein Stevia-Hype bisher ausgeblieben.
11. Entspannung, Schlafen und Regelmäßigkeit macht schlanker
Neben Ernährung und Bewegung spielt auch die Entspannung eine wichtige Rolle in der Bekämpfung der Kalorienvergiftung. Stress führt zur Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortison. Und Stresshormone fördern die Gewichtszunahme, erhöhen den Blutzucker und machen jede Gewichtsreduktion zur Qual. Viele Studien beweisen, dass Übergewicht allein schon Stress auslöst und Stress wiederum Übergewicht fördert. Daher unterstützt Entspannung beispielsweise durch Autogenes Training die Gewichtsreduktion. Diese wird Untersuchungen zufolge durch ausreichenden Schlaf (8 Stunden) und regelmäßige Nahrungsaufnahme unterstützt.
12. Gesunde Darmflora und gesundes Gewicht
Die Darmflora ist nicht nur für die Abwehrkräfte und andere Vorgänge im Körper von entscheidender Bedeutung, sondern sie spielt auch eine Rolle in der Entstehung und Bekämpfung von Übergewicht. Zur Gewichtsreduktion ist es sinnvoll, täglich Probiotika wie Kefir (fettarm), frisches Sauerkraut, Brottrunk oder spezielle angereicherte Joghurtprodukte (fettarm und ohne Zucker) aufzunehmen. Bei einer optimalen Darmflora werden zudem Entzündungen gehemmt und damit auch das Insulin gebändigt. Dies wird zudem durch eine optimale Vitamin- und Mineralstoffzufuhr erreicht. Damit sich die Darmflora optimal entwickeln kann, ist es erforderlich auch ausreichend Präbiotika (Ballaststoffe) über die Nahrung zuzuführen.
13. Schlank lesen oder surfen
Übergewichtige sollten sich intensiv mit der Ernährung beschäftigen, um eine ausgewogene Ernährungsweise zu verstehen und zu verinnerlichen. Leicht nachvollziehbar sollten auch Nährwert- und Kalorientabellen sein. Lebensmittel-Ampeln machen auf den ersten Blick nachvollziehbar, welche Lebensmittel besonders gut geeignet sind und welche nicht. Ernährungsempfehlungen sollten wissenschaftlich fundiert werden. Übertriebene Versprechen wie „Kilo oder mehr am Tag“ disqualifizieren Veröffentlichungen. Die meisten Übergewichtigen profitieren von Gruppenprogrammen wie beispielsweise den Weight Watchers. Wer lieber anonym bleiben möchte, findet im Internet auch seriöse Gewichtsreduktionsprogramme wie den Slimcoach.de.
14. Schlankheitsmittel sind meist überflüssig
Schlankheitsmittel sind in der Regel uneffektiv oder sogar gefährlich. Dem Arzt stehen nicht viele Präparate in der Therapiebegleitung zur Verfügung. Mit Ausnahme von Orlistat stehen den Betroffenen praktisch keine sinnvollen Möglichkeiten der Selbstmedikation bei Übergewicht zur Verfügung. Eine weitere Ausnahme macht das „Proteinmodifiziertes Fasten“, das aber zu den diätetischen Lebensmitteln und nicht zu den Arzneimitteln gehört und welches durchaus sinnvoll eingesetzt werden kann. Aber wer möchte schon lebenslang Mahlzeiten durch solche Schokoladendrinks ersetzen?

Ernährungstrends 2013
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat inzwischen eine Vielzahl von Health Claims autorisiert. Daraus ergibt sich eine Sicherheit für Hersteller und Bevölkerung. Die beantragten und die autorisierten lassen sich unter http://ec.europa.eu/nuhclaims/?event=search recherchieren. Die Gesetzgebung in Europa macht es nicht leicht neue Ernährungstrends, die über herkömmliche Lebensmittel hinausgehen, zu kreieren. Die Abschaffung der diätetischen Lebensmittel für Diabetiker ist ein Schritt in die richtige Richtung. Weiterhin wird es in der Ernährung drei große Trends geben:
1. Supplementation
2. Kalorienarmut durch Fettreduktion
3. Sättigungsförderung durch Ballaststoffe (EFSA-konform) und Proteine (nicht EFSA-konform)
Unter normalen Umständen wäre mit einem weiten Boom von Pro-, Prä- und Synbiotika zu rechnen. Die unsichere Health-Claim-Situation wird sich hoffentlich im Jahr 2013 ändern. Weitere Informationen unter www.svendavidmueller.de

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