Rezepte-Apps als Gratis-Kochhilfen bieten Service gegen Daten

Kochen mit Rezepte-Apps
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Spargel mal anders zubereiten als mit Schinken und holländischer Soße? Mit Hilfe von  Rezepte-Apps auf Smartphones oder Tablets können Hobbyköche im Supermarkt oder im Bio-Laden spontan auf Suche nach den benötigten Zutaten für einen Spargelgratin mit Ziegenkäse gehen oder die Menge für einen Salat aus den gebratenen Stangen mit Erdbeeren berechnen lassen. Zahlreiche Rezepte-Apps laufen Kochsendungen und traditionellen Kochbüchern durch ihren vielseitigen und mobilen Service den Rang ab: Die kulinarischen Web-Applikationen warten mit unzähligen Vorschlägen, detaillierten Anleitungen, Zusatzinformationen, Einkaufslisten und Netzwerk-Funktionen zum Kochen und Backen auf.

Hinter dem allseits verfügbaren Service verbirgt sich meist ein cleveres Geschäftsmodell: Die digitale Hilfe am Herd mittels Tablets und Smartphones gibt’s in der Regel nicht umsonst, auch wenn viele Apps als „kostenlos“ angepriesen werden. Meist ist bei den Gratis-Versionen nur eine kleine Rezept-Auswahl zur Nutzung freigeschaltet. „Doch egal, ob eine Gratis- oder eine Kauf-App zur heimischen Küchenhilfe wird: Die Nutzer bezahlen den Rundum-Rezepte-Service auf alle Fälle mit der Preisgabe ihrer Daten“, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Damit Hobbyköchen bei der Anwendung nicht der Appetit auf Koch-Apps vergeht, empfiehlt sie vor dem Download folgende Hinweise zu beachten:

Reiz zur Nutzung durch viele Funktionen: Die Rezepte-Sammlungen, die man sich als Web-Programme im Pocket-Format auf den mobilen Alleskönner lädt, stehen zum Anklicken stets und überall bereit. Die Zubereitung des Wunschgerichts lässt sich leicht auf die gewünschte Personenzahl umrechnen. Eine interaktive Einkaufsliste mit sämtlichen Zutaten wird oft gleich mitgeliefert. Bewertungen und Erfahrungen von anderen Anwendern bieten eine hilfreiche Orientierung.

Häufig veranschaulichen zudem Bild- oder Videostrecken die Zubereitung in kleinen Häppchen. Doch nach wenigen Klicks ist es mit dem Koch-Spaß bei den kostenlosen App-Varianten meist schnell vorbei. Wer Appetit auf mehr Finessen und Funktionen hat, muss erst eine kostenpflichtige Vollversion oder gar ein Abo auf seinem Smartphone oder Tablet freischalten. Die Kosten hierfür reichen von 89 Cent für die Vollversion bis zu 10,99 Euro für sechs Monate.

Lukrative Plattform für Werbung und Vermarktung: Hinter vermeintlichen Gratis-Apps verbergen sich oft Handelsunternehmen, Lebensmittelhersteller oder bekannte Fernsehköche. Sie alle wollen mit ihren digitalen Rezepten potenzielle Kunden für ihre oder die Produkte anderer Firmen ansprechen. Die meisten Anbieter tun dies sehr unverhohlen: Sie garnieren ihre App-Seiten mit Werbebannern und blenden Werbefenster ein, die von den Nutzern erst weggeklickt werden müssen, bevor sie das Programm weiter nutzen können. Oder die Rezepte beziehungsweise Einkaufslisten sind gespickt mit Zutaten und Produkten aus dem eigenen Sortiment.

Ungeschützter Datenzugriff: Der Download einer Rezepte-App ist meist mit einem unfreiwilligen Datenaustausch für den Nutzer verbunden. Für die Bereitstellung interessanter und multifunktional nutzbarer Rezepte erhält der Anbieter im Gegenzug Informationen über Essverhalten, Anzahl der Personen im Haushalt, Vorlieben, Einkaufsverhalten und finanzielle Monatsausgaben. Denn mit dem Herunterladen einer App werden dem Anbieter oft diverse Zugriffe auf bestimmte Dienste und gespeicherte Daten des Geräts erlaubt. Den Nutzern bleibt meist verborgen, zu welchem Zweck dies geschieht und was mit den abgegriffenen Daten von ihrem Smartphone oder Tablet passiert: Die elektronisch generierten Daten-Profile machen Hobbyköche zu Adressaten gezielter Werbeattacken. Wer regelmäßig Koch-Apps nutzt, kann eine Profilbildung erschweren, indem er nicht eine, sondern abwechselnd unterschiedliche Applikationen verwendet.

Datenschutz-Check vorab ein Muss: Vor dem Download von Rezepte-Apps aus dem App Store fürs Apple-Gerät oder aus dem Google Play Store für das Android-Pendant sollten Koch-Fans bei den im Store beschriebenen Funktionen nach Hinweisen suchen, bis zu welchem Punkt sie kostenlos sind. Frischgebackene App-Anwender können an ihrem Smartphone oder Tablet über den Menüpunkt „Einstellungen“ auch den Datenschutz ihres Gerätes erhöhen. Bei Apple-Geräten funktioniert dies unter dem Menüpunkt „Datenschutz“. Dort können sie bis zu einem bestimmten Grad festlegen, wer sich bei Standortdaten, Fotos und weiteren Daten bedienen darf. Bei Android-Geräten gibt’s bei dem Anwendungsmanager nur die Information, auf welche Daten und Funktionen zugegriffen wird. Manuelles Einstellen ist hier nicht möglich.

Pressekontakt:
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Quelle: VZ NRW

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