GRACE-Konsortium kann Kritik an Fütterungsstudie nicht entkräften

Testbiotech schreibt an neuen EU-Kommissar und fordert die Offenlegung weiterer Daten

Nachdem Testbiotech die Mängel einer Fütterungsstudie mit Gentechnik-Mais angeprangert hatte, die von dem EU-Projekt GRACE durchgeführt wurde, liegt eine erste Reaktion vor. In einem offenen Brief weist Joachim Schiemann, der Koordinator des GRACE-Konsortiums, die Vorwürfe von Testbiotech zurück. Dabei entkräftet er allerdings weder die Kritikpunkte von Testbiotech, noch geht er auf die Interessenverflechtungen im Umfeld der Publikation ein. Er versucht die wissenschaftlichen Mängel der Studie zu verteidigen, indem er im Wesentlichen die Inhalte der von Testbiotech kritisierten Fütterungsstudie wiederholt. Im Ergebnis kann das GRACE-Konsortium die von Testbiotech geäußerte Kritik nicht entkräften.

Testbiotech hatte gezeigt, dass die Fachzeitschrift Archives of Toxicology, in der die kritisierte Studie veröffentlicht wurde, eine außerordentliche Nähe zur Industrie hat und dass relevante Interessenkonflikte der Autoren nicht benannt wurden. Zudem gibt es vielfältige persönliche Beziehungen zwischen einem Hauptautor der Studie, Pablo Steinberg, und den Herausgebern der Zeitschrift. Testbiotech befürchtet, dass unter diesen Bedingungen die Ergebnisse der Studie nicht ausreichend gründlich durch unabhängige Gutachter geprüft wurden. Auf diese Vorwürfe geht das GRACE-Konsortium in seinem offenen Brief mit keinem Wort ein.

Das Konsortium widerspricht Testbiotech darüber hinaus in Bezug auf die Interpretation der vorliegenden Daten. Die Bewertung durch einen erfahrenen Toxikologen zeigt jedoch, dass die Argumente von GRACE die Kritik von Testbiotech nicht entkräften können. Vielmehr muss man weiterhin davon ausgehen, dass nach den vorliegenden Daten die Verfütterung von Gentechnik-Mais MON810 biologisch relevante, statistisch signifikante und dosisabhängige Effekte ausgelöst hat. Davon betroffen sind der Gehalt an Gesamteiweiß im Blutserum und das Gewicht der Bauchspeicheldrüse bei einer gleichzeitigen Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Diese Veränderungen können ein Hinweis auf ernsthafte gesundheitliche Schäden der Tiere sein.

Testbiotech hat sich schriftlich an den neuen EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis und an das GRACE-Konsortium gewandt, um Aufklärung gebeten und bekräftigt die Forderung die Studie zurückzuziehen und neu zu begutachten. Zudem solle die Identität der Experten bekannt gegeben wird, welche die Studie vor ihrer Publikation geprüft haben. Testbiotech fordert zudem die Offenlegung von Daten, die im Rahmen einer weiteren einjährigen GRACE-Fütterungsstudie mit dem Gentechnik-Mais MON810 bislang erhoben wurden. Nach den internationalen Richtlinien der OECD sind bei Langzeit-Fütterungsstudien Untersuchungen von Blutwerten nach drei und sechs Monaten Versuchsdauer vorgeschrieben. Die zusätzliche Studie mit MON810 läuft bereits seit Anfang 2014. Entsprechende Daten müssten daher vorliegen.

Weitere Informationen:

Pressekontakt:
Christoph Then
info@testbiotech.org
Tel 0151 54638040

Quelle: Testbiotech

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