Chlor(at) zur Nahrungsergänzung?

Dem CVUA Karlsruhe und dem CVUA Stuttgart wurden im Jahr 2014 mehrere Proben eines aus den USA stammenden Nahrungsergänzungsmittels zur Untersuchung vorgelegt, die neben erheblichen Mengen an Chlor und Verunreinigungen mit Trihalogenmethanen auch hohe Chlorat- und Perchloratgehalte aufwiesen. Laut Zutatenliste sollten lediglich Wasser und Natriumchlorid (Kochsalz) enthalten sein. Die Proben wurden als inakzeptabel für den Verzehr durch den Menschen beurteilt. Zudem waren die gesundheitlichen Wirkversprechen zur „Redoxwirkung“ in hohem Maße irreführend.

Wundersame Wirkung von „Redox-Signal-Molekülen“ („ROS“)

Das in Liter-Flaschen abgefüllte Erzeugnis wird über das Internet vertrieben. Laut Bewerbung soll es aus „Billionen von perfekt ausgewogenen Redox-Signalmolekülen (sog. „ROS“) bestehen, die in einer „makellos reinen“ Salzlösung schweben“. Es wurde u.a. auch behauptet, dass die „ROS“-Moleküle die sportliche Leistungsfähigkeit erheblich steigern sowie den Menschen widerstandsfähig gegen Krankheiten und vorzeitige Alterung machen könnten. Es soll sich zudem um „eines der gefahrlosesten Produkte auf dem Planeten“ handeln. Für alle diese Wirkungsbehauptungen gibt es keine seriösen wissenschaftlichen Belege.

„ROS“-Moleküle – engl. „reactive oxygen species“

„Reaktive Sauerstoffspezies“ werden auch oft ungenau als „Sauerstoffradikale“ oder „Freie Radikale“ bezeichnet. In der Internetwerbung des untersuchten Produktes wird die Wirkung dieser Moleküle positiv dargestellt!

ROS-Moleküle werden durch normale zelluläre Reaktionen in sauerstoffverarbeitenden Organismen gebildet und sind aufgrund ihrer oxidativen Wirkung aber zellschädigend. Weitere Informationen dazu in Wikipedia.

Aufgrund dieser Erkenntnis hat sich in den letzten Jahren der Trend zur Verwendung von antioxidativen Wirkstoffen in Nahrungsergänzungsmitteln stark verbreitet, da es als ernährungsphysiologisch vorteilhaft gilt, Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.

Gehalt an Chlor und Trihalogenmethanen (THM)

Bereits bei der sensorischen Prüfung fiel bei den Proben ein unangenehmer Geruch und Geschmack nach Chlor auf. Der pH-Wert war nahezu neutral. Die chemische Analyse ergab einen Gehalt an freiem Chlor von bis zu 16 mg Chlor/l – nach der Aufbereitung von Trinkwasser mit Chlor darf dieser Wert aber nur max. 0,3 mg freies Chlor/l betragen. Überdies hatte das enthaltene Chlor mit den im Wasser befindlichen organischen Verunreinigungen reagiert und Trihalogenmethane (THM), überwiegend Chloroform, gebildet. Mit Werten bis zu 424 µg THM/l überschritten die Proben den für Trinkwasser erlaubten Wert von 50 µg THM/l um ein Vielfaches.

Chlor

Elementares Chlor (Cl2) wird in vielfältiger Weise zur Reinigung und Desinfektion eingesetzt, um Krankheitskeime unschädlich zu machen. Es ist eine äußerst reaktive Verbindung – seine Toxizität beruht auf der zerstörenden, stark oxidierenden Wirkung auf organisches Gewebe.

Trihalogenmethane (THM)

Chlor reagiert mit in Wasser natürlicherweise vorhandenen organischen Bestandteilen zu unerwünschten Nebenreaktionsprodukten, z.B. bei der Desinfektion von Trinkwasser oder der Wasseraufbereitung im Schwimmbad. Für die Gesundheit sind besonders die Trihalogenmethane (THM) von Bedeutung, denn sie stehen in begründetem Verdacht, ein krebserzeugendes Potential zu besitzen; ihr Gehalt ist deshalb reglementiert und wird überwacht.

Vollständiges Dokument

Quelle: CVUA Stuttgart

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