Fastenzeit, ein gesunder Nahrungsverzicht?

Es klingt vielversprechend: den Körper entgiften, die Selbstheilungskräfte anregen und neue mentale Kräfte sammeln – all das und noch mehr Positives soll Fasten bewirken. Doch was passiert wirklich beim selbstverordneten Nahrungsverzicht? Und wie findet man in dem Dschungel unterschiedlicher Fastenarten die für sich passende Form?

Fasten – Millionen Menschen weltweit tun es, die einen aus religiösen, die anderen aus gesundheitlichen Gründen. Grundsätzlich ist Fasten tatsächlich gut geeignet, um den eigenen Lebensstil zu überdenken und gegebenenfalls zu verändern. Allerdings bedeutet eine Fastenkur auch eine große Umstellung, die nicht jeder Mensch gleich gut verkraftet, denn der Körper muss sich an die verringerte Kalorienzahl erst gewöhnen. Daher sollte immer der Arzt zu Rate gezogen werden. Und wer nur fasten möchte, um Gewicht zu verlieren, kann nicht auf dauerhaften Erfolg hoffen. „Nur wenn gleichzeitig auch die Ernährung umgestellt und mehr Bewegung Einzug in den Alltag hält, kann man dauerhaft abnehmen. Ansonsten kommt der gefürchtete Jojo-Effekt“, sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer GEK. Wichtig ist immer: viel trinken!

Welche Fastenform passt zu mir?

Das milde Fasten beschränkt sich beim Essen und Trinken während eines bestimmten Zeitraums auf das Notwendige, verzichtet wird „nur“ auf Genussmittel wie Süßigkeiten, koffeinhaltige Getränke, Alkohol oder auch Fleisch. Diese Form ist daher gut für Einsteiger geeignet.

Beim modifizierten Fasten werden neben anderen Flüssigkeiten auch Shakes oder Suppen mit hohem Eiweißgehalt und geringem Gehalt anderer Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen. Ziel ist es, den Eiweißverlust des Körpers in Grenzen zu halten und das Gehirn mit den erforderlichen Kohlenhydraten.zu versorgen. Gesunde können für kurze Zeit, zum Beispiel eine Woche, auf diese Weise fasten.

Die radikalste Methode des Fastens ist das strenge Fasten, auch Nulldiät genannt. Dabei wird keinerlei feste Nahrung aufgenommen, sondern nur energiefreie Getränke wie Wasser oder Tee. „Das strenge Fasten ist nicht für jeden geeignet. Da keine Energie aufgenommen wird, verliert der Körper schnell an Wasser, Muskeln und Fettgewebe“, erklärt Marschall. „Dabei können erhebliche Gesundheitsrisiken entstehen. Hierzu zählen Gichtanfälle oder das Entstehen von Nieren- und Gallensteinen. Auch Risiken für das Herz-Kreislauf-System bestehen. Daher sollte das strenge Fasten nur unter ärztlicher Aufsicht, beispielsweise in einer Fastenklinik, durchgeführt werden.“

Für Menschen mit Stoffwechsel- oder entzündlichen Gelenkerkrankungen kann Heilfasten dazu beitragen, Beschwerden zu lindern. Nach Entlastungstagen mit regelmäßigen Darmentleerungen schließt sich eine zwei bis vierwöchige Fastenzeit mit Mineralwasser, Tees und Brühe an. Danach kommt der langsame Wiedereinstieg in das normale Essen.

Egal, welche Methode bevorzugt wird – viele Menschen berichten von Hochgefühlen beim Fasten, von Zufriedenheit und neuer Energie. „Wissenschaftlich belegt ist das kaum. Trotzdem kann Fasten eine bewusste Auszeit aus dem stressigen Alltag sein und einen Impuls für eine gesunde Lebensweise geben“, so Marschall. „Vielen Menschen hilft es, den Fokus bewusst auf die Gesundheit zu legen und die eigene Lebensweise zu überdenken.“

Fasten ist nicht für jeden sinnvoll

Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten mit dem Arzt Rücksprache halten, weil möglicherweise die Dosierung angepasst werden muss. Gleiches gilt für chronisch Kranke: Bei Gicht- oder Rheumapatienten muss der Arzt entscheiden, ob gefastet werden kann, denn der Verzicht von Speisen kann zwar entzündungshemmend wirken, der Abbau von Muskelmasse aber auch die Symptome der Erkrankungen verschlechtern. Auch für Diabetiker ist eine Rücksprache mit dem Ernährungsberater oder Arzt sinnvoll.

Quelle: BARMER GEK

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