Entwicklungsstörungen bei Kleinkindern als Folge von Eisenmangel

Ursache von Verhaltensauffälligkeiten ist oft Eisenmangel.

Verhaltensauffälligkeiten und schlechte Leistungen in der Schule sowie später im Berufsleben sind Beispiele für langfristige Folgen von Blutarmut. Deren weltweit häufigste Ursache ist Eisenmangel, der zu Störungen der kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklung führen kann (1). Studien haben gezeigt, dass die regelmäßige Supplementation von Eisen das Auftreten einer Blutarmut um bis zu 50% senken kann und somit das Risiko von Folgeerscheinungen reduziert werden kann. (2)

Der Eisenbedarf eines Erwachsenen wird überwiegend durch das Recycling roter Blutkörperchen gedeckt – nur 5 Prozent des Bedarfs müssen über die Nahrung zugeführt werden. Bei Säuglingen und Kindern sieht die Situation jedoch ganz anders aus: Bedingt durch Wachstumsschübe und die stetige Zunahme der Muskelmasse müssen 30 Prozent des täglichen Eisenbedarfs über die Nahrung aufgenommen werden. Außerdem stehen Mädchen im Teenageralter aufgrund des Blutverlusts während der Menstruation unter einem erhöhten Blutarmut-Risiko, wenn nicht ausreichend Eisen über die Nahrung zugeführt wird. (3) Pflanzliche Eisenquellen sind unter anderem frische, dunkelgrüne Salate und Blattgemüse sowie Nüsse. Sogenanntes Häm-Eisen, welches vom menschlichen Körper am besten aufgenommen werden kann, befindet sich allerdings nur in Fleischwaren.

Fatale Folgen von Eisenmangel

Eisen ist ein wichtiger Cofaktor verschiedener Enzyme des neuronalen Gewebes. Folglich kann Eisenmangel zu neurokognitiven Defekten führen. In einer Studie mit über 100 Kindern im Alter zwischen sechs und 30 Monaten zeigte sich ein schlechteres Abschneiden bei Tests zu mentalen und motorischen Fähigkeiten bei Kindern mit Eisenmangel. (4) Darüber hinaus beschäftigt sich eine aktuelle Studie mit dem Zusammenhang zwischen Eisenmangel und ADHS und zeigt das zukünftige Forschungspotenzial in diesem Bereich auf. (5)

Methoden zur Vorbeugung von Eisenmangel

Der Eisengehalt von nichtangereicherten, konventionellen Nahrungsmitteln reicht nicht aus, um den hohen Bedarf von Kleinkindern und Teenagern zu decken. Auch Säuglinge mit Untergewicht oder Kinder von Müttern mit Eisenunterversorgung haben einen zusätzlich erhöhten Eisenbedarf. Daher ist es wichtig, einem drohenden Defizit entgegenzuwirken. Eine Maßnahme ist, die Kinder nach Möglichkeit bis zum Alter von sechs Monaten mit Muttermilch zu stillen. Des Weiteren sollte auf unsupplementierte Milch im ersten Lebensjahr verzichtet werden. überdies empfiehlt es sich, den Milchkonsum bei Kindern zwischen einem und fünf Jahren auf einen halben Liter pro Tag zu beschränken, um weitere Eisenquellen in der Nahrung zu erschließen.

Da die beschriebenen Maßnahmen unter Umständen nicht ausreichend sind, empfiehlt eine aktuelle Studie eine Eisensupplementation von 12,5 mg für Kinder zwischen sechs und 24 Monaten.3 Auch die WHO empfiehlt in ihrem Leitfaden „Iron Deficiency Anemia Assessment Prevention and Control” die Supplementation von Eisen. (6)

Die Bedeutung von Eisen im menschlichen Körper

Eisen übernimmt im Körper zahlreiche lebenswichtige Aufgaben. Das essenzielle Spurenelement ist Cofaktor vieler Enzyme wie beispielsweise der Ribonukleotidreduktase, die wichtige Bausteine der DNA bereitstellt. (7) Des Weiteren spielt Eisen eine wichtige Rolle bei der Elektronenübertragung im Zuge der Atmungskette in den Mitochondrien, die als „Kraftwerke der Zellen“ bekannt sind. (8) Eine weitere bedeutende Funktion von Eisen ist der Sauerstofftransport im Blut. 75 Prozent des Eisens im menschlichen Körper sind an sogenannte Häm-Proteine gebunden, deren bekannteste Vertreter Myoglobin und Hämoglobin sind. (9) Da Eisen für die Energiegewinnung des Körpers und die Sauerstoffversorgung der Muskeln unerlässlich ist, führt ein Mangel des Spurenelements zu einer schlechteren körperlichen Leistungsfähigkeit. (3) Eisen wird außerdem von bestimmten Zytokinen in der Immunabwehr benötigt. Defekte Zytokine infolge von Eisenmangel können daher die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen. (10)

Quellen:
1) Renfu L. et al.; Anemia and Feeding Practices among Infants in Rural Shaanxi Province in China; Nutrients 2014; 6: 5975-5991.
2) Pasricha, S. et al.; Effect of daily iron supplementation on health in children aged 4–23 months: A systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials; Lancet Glob. Health 2013; 1: e77–e86.
3) Subramaniam G. et al.; Iron Deficiency Anemia in Children; Indian J Pediatr 2014.
4) Akman M. et al.; The effects of iron deficiency on infants‘ developmental test performance; Acta Pediatr. 2004; 93:1391-1396
5) Bener A. et al.; Higher Prevalence of Iron Deficiency as Strong Predictor of Attention Deficit Hyperactivity Disorder in Children; Ann Med Health Sci Res. 2014; 4(3):291-297.
6) World Health Organization. Iron Deficiency Anemia Assessment Prevention and Control: A Guide for Program Managers; World Health Organization: Geneva, Switzerland, 2001.
7) Elledge S. et al.; „Ribonucleotide reductase: regulation, regulation, regulation“. Trends Biochem. 1992; Sci. 1992; 17 (3): 119–23.
8) Brandt, U.; Energy converting NADH:quinone oxidoreductase (complex I). Annual Review of Biochemistry 2006; 75: 69–92.
9) Brittenham GM. Disorders of iron metabolism: Iron deficiency and overload. Hematology Basic Principles and Practice. 4th ed. New York: Churchill Livingstone; 2005. p. 481.
10) Ekiz C. et al.; The effect of iron deficiency anemia on the function of the immune system; Hematol J. 2005; 5(7):579-83.

Kontakt:
GIVE – Gesellschaft zur Information über Vitalstoffe und Ernährung e.V.
Herr Prof. Dr. Stefan Hencke
Geschäftsführer
Friedrichstraße 23 b
70174 Stuttgart
Tel.: +49 (176) 354 571 36
Fax: +49 (711) 365 337 89
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Quelle: GIVE

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