Vitamin-K-Defizit: das vielleicht unbekannteste Vitamin kann bei Neugeborenen zu Hirnblutungen führen

Vitamin K ist das vielleicht unbekannteste Vitamin, doch ein Mangel kann gravierende Folgen haben, wie eine aktuelle Studie bei Neugeborenen zeigt. Wenn Säuglinge nach der Geburt kein Vitamin K zugeführt bekommen, kann dies beispielsweise zu Hirnblutungen führen. (1) Denn Vitamin K ist bei der Reifung diverser Blutgerinnungsfaktoren beteiligt. Von dieser Funktion leitet sich auch der Name des Vitamins ab, K wie Koagulation. (2)

Vitamin C ist in der Bevölkerung wohlbekannt. Ein anderer Vitalstoff, das Vitamin K, fristet dagegen eher ein Schattendasein. Frauen jedoch werden spätestens am Ende einer Schwangerschaft damit konfrontiert. Seit über 50 Jahren gibt es in Deutschland die Vitamin-K-Prophylaxe für Säuglinge. (3) Denn Vitamin-K-Mangel-bedingte Blutungen (VKDB aus dem Englischen Vitamin K deficency bleeding) sind eine erworbene Störung der Blutgerinnung, die auf inaktiven Gerinnungsfaktoren beruht. (1)

Ursachen bei Säuglingen sind sowohl die eingeschränkte Versorgung mit Vitamin K über die Plazenta als auch die relativ kurze Halbwertszeit von Vitamin K in den Speichern der Leber. Hinzu kommt eine verminderte Vitamin-K-Produktion aufgrund der unausgereiften Darmflora des Säuglings. Und: Muttermilch weist im Vergleich zu Milchpulver, das auf Kuhmilch basiert, einen deutlich geringeren Gehalt an Vitamin K auf. Bei Säuglingen, die ausschließlich Muttermilch erhalten, besteht also ein erhöhtes Risiko einer VKDB. (1)

Aktuelle Studie unterstreicht die positive Wirkung der Vitamin-K-Zugabe

Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt die Effekte einer Vitamin-K-Supplementierung bei Neugeborenen. Über einen Zeitraum von acht Monaten wurden Säuglinge mit Vitamin-K-Mangel untersucht, ein Teil litt an VKDB. Keiner der Säuglinge hatte eine Vitamin-K-Prophylaxe nach der Geburt erhalten. Die Symptome umfassten Hirnblutungen, Erbrechen, Unterernährung und Lethargie. Allen Neugeborenen gemein waren die sehr schlechten Werte der Blutgerinnungsfaktoren, die sich nach Behandlung mit Vitamin K rapide verbesserten.

Diese Studie und weitere zeigen: Die Verabreichung von Vitamin K allen Neugeborenen direkt nach der Geburt verhindert größere Komplikationen wie Hirnblutungen, die auf Vitamin-K-Mangel zurückzuführen sind. Doch Ärzte und Forscher berichten, dass die Anzahl der Eltern, die eine Vitamin-K-Gabe verweigern, in letzter Zeit zunimmt. Daher ist es wichtig, dass Gesundheitsdienstleister und die Öffentlichkeit auf vermeidbare Blutgerinnungsstörungen und die Bedeutung einer Vitamin-K-Prophylaxe aufmerksam gemacht werden. (1)

Infokasten: Mysteriöses Rindersterben durch Vitamin-K-Mangel

Die Bedeutung von Vitamin K für die Blutgerinnung wurde durch einen verblüffenden Vorfall in den 1920er Jahren deutlich. In Nordamerika kam es zu unerklärlichen Todesfällen von Rindern, die in Folge von kleineren Verletzungen verblutet waren. (4) Wie sich herausstellte, fraßen die Tiere zuvor verschimmelten Klee, der hohe Konzentrationen an einem Stoff aufwies, der die Regenerierung von Vitamin K verhindert. Die dadurch geringeren Vitamin-K-Konzentrationen führen zu Störungen bei der Blutgerinnung, was die Todesfälle durch Verblutung zufolge hatte. (5)

Quellen:
1) Schulte R et al.; Rise in Late Onset Vitamin K Deficiency Bleeding in Young Infants Because of Omission or Refusal of Prophylaxis at Birth; Pediatric Neurology 2014; 50: 564-568
2) Gallieni M. et al.; Vitamin K and cardiovascular calcification in CKD – is patient supplementation on the horizon?; Kidney International 2014; 86: 232-234
3) Merkblatt zur Vitamin-K-Gabe bei Neugeborenen; Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland, 2014 (4. Auflage)
4) Schofield FW.; „Damaged sweet clover; the cause of a new disease in cattle simulating haemorrhagic septicemia and blackleg“. J Am Vet Med Assoc 1924; 64: 553–6
5) Stahmann MA et al., „Studies on the hemorrhagic sweet clover disease. V. Identification and synthesis of the hemorrhagic agent“. J Biol Chem 1941; 138 (2): 513–27

Kontakt:
GIVE – Gesellschaft zur Information über Vitalstoffe und Ernährung e.V.
Herr Prof. Dr. Stefan Hencke
Geschäftsführer
Friedrichstraße 23 b
70174 Stuttgart
Tel.: +49 (176) 354 571 36
Fax: +49 (711) 365 337 89
www.give-ev.org

Quelle: GIVE

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