Nutzen einer B-Vitamin-Supplementierung zur Verminderung leichter kognitiver Störungen

Bei älteren Personen von deren EPA- und DHA-Status abhängig

Der Begriff der leichten kognitiven Störung (Mild Cognitive Impairment, MCI) beschreibt einen Zustand bei älteren Menschen, der mit einem höheren Risiko einhergeht, an Demenz zu erkranken. Derzeit gibt es keine wirksame pharmakologische Behandlung der Alzheimerkrankheit. Daher richten sich die wissenschaftlichen Anstrengungen jetzt darauf, Interventionen zu finden, die bei präklinischen Stadien der Demenz, wie MCI, wirksam sind.

In einer neuen Publikation überarbeiteten Jerneren et al. (1) die Daten einer an Menschen durchgeführten, randomisierten, kontrollierten Doppelblindstudie, die gezeigt hatte, dass homozysteinsenkende B-Vitamine die Hirnatrophie bei Personen mit MCI verlangsamen können. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die nützliche Wirkung für die Patienten sehr stark von ihren Plasmawerten bezüglich der Docosahexaensäure (DHA) und der Eicosapentaensäure (EPA) abhing. Bei dem Terzil mit den höchsten DHA-/EPA-Werten wurde das Fortschreiten der Atrophie um durchschnittlich 40 Prozent verlangsamt, während sich im Terzil mit den niedrigsten Werten keinerlei Verminderung zeigte.

Das Erkennen eines erhöhten Demenzrisikos bei älteren Menschen ist für Ärzte eine wichtige Herausforderung. Die Fähigkeit, Personen zu erkennen, die unter leichten kognitiven Störungen (MCI) leiden, wird dafür als wichtiger Schritt angesehen.

Ein erhöhter Homozysteinspiegel im Blutplasma ist für die Diagnose von MCI ein nützlicher Biomarker. Homozystein ist ein Stoffwechselprodukt der Aminosäure Methionin. Erhöhte Werte treten im Körper als Resultat von oxidativem Stress auf (2). Es wird angenommen, dass die Hirnatrophie bei Demenzpatienten mit dauerhaft hohen Werten und niedrigem Vitamin-B12-Plasmaspiegel schneller fortschreitet.

Die aktuelle Publikation (1) ist eine neue Aufbereitung der Daten der VITACOG-Studie, die in den Jahren 2004 bis 2006 in der Umgebung von Oxford durchgeführt wurde (3). 133 Teilnehmer im Alter von 70 Jahren und älter, bei denen MCI festgestellt worden war, erhielten 2 Jahre lang eine tägliche Intervention mit B-Vitaminen (0,8 mg Folsäure, 0,5 mg Vitamin B12 und 20 mg Vitamin B6). Das Hirnvolumen wurde mittels kranialer Kernspintomographie vor und nach der Intervention bestimmt. Die Studie zeigte bei der Interventionsgruppe niedrigere Homozysteinspiegel und geringere Hirnatrophie.

Eine aktuelle von Clark et al. durchgeführte Meta-Analyse (4) zeigte jedoch keinen bedeutsamen Zusammenhang zwischen der Senkung des Homozysteinspiegels durch B-Vitamine und den allgemeinen kognitiven Fähigkeiten. Ein wahrscheinlicher Grund dafür war die beträchtliche Heterogenität der dabei berücksichtigten Studien. Es erschien vernünftig, einzelne Untergruppen genauer zu untersuchen (2).

Die neue Publikation (1) untersuchte rückblickend die Wirkung der bei der VITACOG-Kohorte im Plasma zirkulierenden Mengen von EPA und DHA. Der Grund dafür liegt darin, dass die optimale Ausnutzung und Verteilung der Omega-3-Fettsäuren maritimen Ursprungs ausreichend hohe B-Vitamin-Werte und einen niedrigen Homozysteinspiegel erfordern (2). Die neue Publikation von Jerneren et al. (1) konnte zeigen, dass die nützlichen Wirkungen der B-Vitamine bei der Verlangsamung der Hirnatrophie stark vom Omega-3-Status der Patienten abhingen. Das Terzil mit den höchsten Plasmakonzentrationen der Omega-3-Fettsäuren maritimen Ursprungs (>590 µmol/l) zeigte im Vergleich zur Placebo-Gruppe eine Verlangsamung der Atrophie um 40 %. Bei den Teilnehmern im Terzil mit den niedrigsten Ausgangswerten der Omega-3-Fettsäuren maritimen Ursprungs (<390 µmol/l) wurde durch die Supplementierung mit B-Vitaminen keine Verlangsamung der Hirnatrophie erreicht.

Referenzen:
1. Jeneren F, Elshorbagy AK, Ouljah A et al, “Brain atrophy in cognitively impaired elderly : the importance of long-chain omega -3 fatty acids and B vitamin status in a randomized controlled trial”, Am J Clin Nutr 2015; 102:215-21
2. Blasko B, “Interaction of omega-3 fatty acids with B vitamins in slowing the progression of brain atrophy: identifying the elderly at risk”, Am J Clin Nutr 2015; 102:7-8.
3. Smith AD, Smith SM, De Jager CA et al. “Homocysteine-lowering by B vitamins slows the rate of accelerated brain atrophy in mild cognitive impairment: a randomized controlled trial”. PLoS ONE 2010; 5:e12244.
4. Clarke R, Bennett D, Parish S et al., “Effects of homocysteine lowering with B vitamins on cognitive aging: meta-analysis of 11 trials with cognitive data on 22,000 individuals”; Am J Clin Nutr 2014; 100:657-66.

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Quelle: Nutri-Facts

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