Vitalstoffmangel durch starken Alkoholkonsum: B-Vitamine besonders betroffen

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol ist in vielerlei Hinsicht empfehlenswert. Während der Genuss von kleinen Mengen Rotwein, wie Studien zeigen, sogar gesundheitsfördernd auf den Körper wirkt, kann es bei sehr häufigem und intensivem Alkoholkonsum zu verheerendem Vitalstoffmangel kommen. Insbesondere bei wasserlöslichen B-Vitaminen wie B1 (Thiamin), B3 (Niacin), oder B7 (Biotin) können erhebliche Mangelzustände auftreten, deren Folge gravierende Erkrankungen sein können.

Übermäßiger Alkoholkonsum und Vitalstoffmangel gehen oft Hand in Hand. Die Symptome, die daraus resultieren, lassen sich häufig durch eine rechtzeitig durchgeführte Behandlung mit den fehlenden Vitaminen beheben. Dies wurde eindrücklich in einer kürzlich erschienenen Fallstudie demonstriert. Ein Alkoholiker, der an Wahnvorstellungen litt, wurde von seiner Familie in die Notaufnahme eines Krankenhauses eingeliefert. Er wies starke Symptome einer Erkrankung namens Pellagra auf und erhielt daher eine Niacin-Supplementation von 150 mg pro Tag. Bereits nach 24 Stunden waren Symptome wie Bewusstseinsstörungen oder Verspannungen verschwunden. Sieben Tage später konnten keine psychiatrischen Symptome mehr festgestellt werden und sogar ausgeprägte Wunden an den Händen waren verheilt. (1)

Die scheinbar triviale Behandlung des beschriebenen Alkoholikers mit Niacin ist so effektiv, da die Versorgung mit dem wasserlöslichen B-Vitamin bei übermäßigem Alkoholkonsum zu kurz kommt. Zwar kann Niacin in der Leber selbst gebildet werden, doch dieses Organ ist bei Alkoholikern meist besonders geschädigt. Ein Niacin-Mangel kann verschiedene Symptome zur Folge haben. Die „raue Haut“ –  im Italienischen „pelle agra“ – ist Namensgeber für die Krankheit Pellagra und beschreibt das sichtbare Kennzeichen der Krankheit, die außerdem mit Durchfall und Demenz einhergeht. Die biologisch aktive Form von Niacin wird benötigt, um Alkohol im Körper abzubauen. Bei einem akuten Niacindefizit ist der Abbau von Alkohol folglich gestört, wodurch die toxische Wirkung des Alkohols verstärkt wird. (2)

Gehirnerkrankungen aufgrund von Thiamin-Mangel

12,5 Prozent der Alkoholiker leiden an einer weiteren „Vitamin-Mangel-Krankheit“, die als Wernicke-Enzephalopathie bezeichnet wird, benannt nach dem deutschen Neurologen Carl Wernicke. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Gehirns, die bei Thiamin-Mangel auftritt. Symptome dieser Erkrankung können Gedächtnisverlust, Psychosen oder Desorientierung sein. Im ersten Stadium, idealerweise innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach Auftreten der Symptome, ist die Krankheit noch mithilfe einer Thiamin-Behandlung vollständig heilbar. Bei weiterem Fortschreiten, die Rede ist dann vom Korsakoff-Syndrom, entstehen jedoch irreversible Hirnschäden, die in bis zu 20 Prozent der Fälle tödlich verlaufen können. (3)

Die Verabreichung von Thiamin behebt den Mangel, zu dem es bei Alkoholikern kommen kann. Da der menschliche Körper nicht in der Lage ist, Thiamin selbst zu bilden muss das Vitamin aus der Nahrung aufgenommen werden. Dafür gibt es spezielle Proteine, sogenannte Thiamin-Transporter, in der Bauchspeicheldrüse. Starker Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum hinweg führt zu starken Einflüssen auf DNA-Ebene, was zur Folge hat, dass weniger Thiamin-Transporter gebildet werden. Dadurch kommt die Thiaminaufnahme zum Erliegen und ein Defizit tritt auf. Eine mögliche Folge von Thiamin-Mangel, neben dem Wernicke-Syndrom, ist eine akute Beeinträchtigung des Energiehaushalts des Körpers, da ein Defizit auch funktionelle und strukturelle Störungen der Mitochondrien – die als „Kraftwerke der Zelle“ bekannt sind – hervorrufen kann. (4)

Gestörte Biotin-Versorgung als Folge von Alkoholismus

Neben Thiamin-Mangel kann bei chronischem Alkoholmissbrauch auch ein Defizit an Biotin auf-treten. Die molekularen Mechanismen, die zu einem Biotin-Defizit führen, sind die gleichen wie bei Thiamin, sowohl bei der Aufnahme und dem Transport von Biotin im Darm (5), als auch bei der Wiederaufnahme durch die Niere. (6) Das Vitamin wird für viele wichtige Reaktionen benötigt, unter anderem im Fettsäurestoffwechsel und bei der Bildung von Glucose. Defizite an Biotin können zu Wachstumshemmung, neurologischen Defekten oder Entzündungen der Haut führen.

Ein konsequenter Verzicht auf das Rauschmittel und eine ärztlich verordnete Supplementation mit den vom Mangel betroffenen Vitalstoffen können Alkoholikern helfen, diejenigen Folgen des Alkoholmissbrauchs zu mindern, die durch den Vitaminmangel verursacht werden – sofern die Symptome noch nicht zu weit vorangeschritten sind.

Quellen

1) López M. et al.; Pellagra encephalopathy in the context of alcoholism: review and case report; Alcohol Alcohol. 2014 Jan-Feb;49(1):38-41.
2) Badawy AA.; Pellagra and alcoholism: a biochemical perspective; Alcohol Alcohol. 2014 May-Jun;49(3):238-50.
3) Latt N. et al.; Thiamine in the treatment of Wernicke encephalopathy in patients with alcohol use disorders; Intern Med J. 2014 Sep;44(9):911-5.
4) Srinivasan P. et al.; Mechanisms involved in the inhibitory effect of chronic alcohol exposure on pancreatic acinar thiamin uptake; Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol. 2014 Apr 1;306(7):G631-9.
5) Subramanya SB. et al.; Inhibition of intestinal biotin absorption by chronic alcohol feeding: cellular and molecular mechanisms; Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol. 2011 Mar;300(3):G494-501.
6) Subramanian VS. et al.; Chronic alcohol exposure negatively impacts the physiological and molecular parameters of the renal biotin reabsorption process; Am J Physiol Renal Physiol. 2011 Mar;300(3):F611-7.

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Quelle: GIVE

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