Fruktosehaltige Zuckerarten und kardiovaskuläre Erkrankungen

Es ist unklar, ob eine Beziehung zwischen dem Verzehr von Fruktose, Saccharose oder Maissirup (HFCS) und kardiovaskulären Erkrankungen besteht. Einige Studien zeigten, dass besonders bei hochkalorischen Diäten mit großen Mengen fruktosehaltiger Zuckerarten vermehrt Fettsäuren gebildet werden, die eine Erkrankung begünstigen könnten. Es erscheint somit sinnvoll, einen abnorm hohen Konsum von Fruktose zu vermeiden, wohingegen sich Fruktose als Bestandteil der normalen Ernährung nicht als ungünstig erwies. Zur Vermeidung kardiovaskulärer Erkrankungen erscheint es sinnvoller, eindeutige Risikofaktoren zu reduzieren, als den Zuckerkonsum einzuschränken.

Kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) stellen weltweit die häufigste Todesursache dar, in den USA beträgt die Mortalität 37%, in Kombination mit Schlaganfall sogar mehr als 50%. Für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden eine Reihe von Risikofaktoren identifiziert, darunter Dyslipidämie, Bluthochdruck, physische Inaktivität, Adipositas, Diabetes und Rauchen. Der möglicherweise wichtigste Parameter ist vermutlich der dramatische Zuwachs an Adipositas. Laut WHO waren im Jahr 2004 1,1 Milliarden Menschen weltweit übergewichtig, und weiteren Schätzungen nach wird dieser Wert 2030 auf 1,5 Milliarden Menschen ansteigen. Inwieweit der Zuckerkonsum daran beteiligt ist, wird kontrovers diskutiert. Zwischen 1970 und 2009 nahmen die pro Person täglich konsumierten Kalorien um durchschnittlich 425 kcal/d bzw. 20 % zu. 43 % der darin enthaltenen Energie wurde durch Fette aufgenommen, 44 % durch Getreideprodukte und nur 9 % durch zugesetzte Zuckerarten. Der Anteil von zugesetzten Zuckerarten an der gesamten aufgenommenen Energie nahm in diesem Zeitraum von 19 % (1970) auf 17 % (2009) ab.

Zusammenhänge mit der Ernährung wurden intensiv erforscht, insbesondere Assoziationen zwischen dem Auftreten von CVD und dem Konsum von Nahrungsfetten, Speisesalz, der Energiedichte und Kalorienaufnahme. Seit einiger Zeit rückte die Rolle von Fruktose in den Fokus, da in der Fachliteratur vermehrt über Relationen zwischen der Aufnahme von fruktosehaltigen Nahrungsmitteln und dem Auftreten von Diabetes, Adipositas, Bluthochdruck und Dyslipidämie berichtet wurde. Direkte Assoziationen zur CVD wurden seltener beschrieben, deshalb wurden in dieser Übersichtsarbeit auch eher mögliche Zusammenhänge zwischen dem Verzehr fruktosehaltiger Zuckerarten und den Risikofaktoren für CVD als mit der Erkrankung selbst analysiert. Dabei sollten besonders Dosiseffekte im Rahmen normaler Tagesmengen untersucht werden, um gegebenenfalls eine Empfehlung für die maximale Tagesdosis aussprechen zu können.

Zucker sind gebräuchliche Nahrungsbestandteile und kommen natürlicherweise in vielen Nahrungsmitteln vor, beispielsweise sind Saccharose, Laktose und Fruktose in Milchprodukten, Früchten, Gemüse und Getreideprodukten enthalten. In den USA werden vor allem Saccharose und High-Fructose-Corn-Syrup (HFCS) als Süßungsmittel eingesetzt. Verwendet werden in erster Linie HFCS-42 mit einem Fruktoseanteil von 42 und einem Glukoseanteil von 58 %, und HFCS-55 mit einem Fruktoseanteil von 55 und einem Glukoseanteil von 45 %. Bei Saccharose liegen Glukose und Fruktose zu gleichen Teilen vor. In HFCS liegen die Monosaccharide einzeln vor, in Saccharose über eine chemische Bindung miteinander gekoppelt. Diese Bindung wird im Darm hydrolysiert und beide Bestandteile werden einzeln resorbiert. Mehr als 90 % der aufgenommenen Fruktose wird in der Leber zu Glukose, Glykogen oder Laktat umgewandelt. Ein geringer Prozentsatz (1-5 %) kann dort aber auch zu Fettsäuren verstoffwechselt werden und in die de novo Lipogenese eingehen. In einigen wissenschaftlichen Studien wurde gezeigt, dass eine Diät mit einem hohen Anteil an freien Zuckerarten zu hohen Nüchtern-Triglyceridspiegeln führt, was ein Risiko für CVD darstellt. Insbesondere bei hyperkalorischen Diäten deuten die Ergebnisse darauf hin, dass ein Verzehr von mehr als 20 % der Tageskalorien durch Zuckerarten einen negativen Einfluss auf den Fettstoffwechsel haben könnte. Deshalb wurde in offiziellen Empfehlungen von einem hohen Fruktosekonsum abgeraten.

Adipositas steht in direkter Beziehung zu weiteren Risikofaktoren für Herzerkrankungen wie Diabetes, Dyslipidämie, Bluthochdruck, metabolischem Syndrom und inaktivem Lebensstil. Eine herausragende Rolle spielt Adipositas bei der Entstehung des Insulinresistenzsyndroms, das Hyperinsulinämie, Bluthochdruck, Hyperlipidämie, Typ 2 Diabetes und ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose beinhaltet. Die Zusammenhänge mit dem Zuckerkonsum sind komplex und variabel. Untersuchungen, die Beziehungen zwischen Zuckerkonsum und Insulinresistenz, metabolischem Syndrom oder Diabetes Typ 2 hergestellt haben, kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Mehrere Untersuchungen haben ergeben, dass der Verzehr gesüßter Getränke mit einer insgesamt erhöhten Energiezufuhr bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einhergeht. Eine Metaanalyse bei Kindern und Jugendlichen konnte jedoch keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Süßgetränken und dem BMI feststellen. Weitere Publikationen stützen die Annahme, dass die Reduktion von Zucker allein bei einer normalen Ernährung nicht zur Vermeidung von Adipositas führt, vielmehr ist es wahrscheinlich, dass diese komplexe Erkrankung durch eine Vielzahl von Faktoren, vor allem jedoch einer zu hohen Kalorienzufuhr und körperlicher Inaktivität, ausgelöst wird.

Die früher übliche Substitution von Glukose durch Fruktose bei Diabetikern wird heute nicht mehr empfohlen. Fruktose wird zwar insulinunabhängig in die Körperzellen aufgenommen und bewirkt dadurch kaum Schwankungen im Blutglukosespiegel, da es aber bei hohem Konsum zu einer vermehrten Fettsäuresynthese kommen kann, werden die Vorteile der besseren glykämischen Kontrolle durch Nachteile aufgewogen. Einlagerungen von Fett in Leber und Muskel bei hohen Fruktose-Dosen können Insulinresistenz und Dyslipidämie begünstigen. Fruktose im Rahmen der normalen Ernährung scheint dagegen keine negativen Auswirkungen auf den Stoffwechsel zu haben.

Hinsichtlich offizieller Empfehlungen zum Verzehr von zugesetzten Zuckerarten besteht international Uneinigkeit, verschiedene Organisationen raten dazu, nicht mehr als 10 bis 25 % der Tageskalorien in Form zugesetzter Zuckerarten zu sich zu nehmen. Die Studienergebnisse deuten an, dass restriktive Empfehlungen übermäßig streng sein könnten.

Quellen:

1-3) J.M. Rippe, 4T.J. Angelopoulos; jrippe@rippelifestyle.com
1) Rippe Lifestyle Institute, Shrewsbury, MA
2) Rippe Lifestyle Research Institute of Florida, Celebration, FL
3) Department of Biomedical Sciences
4) Laboratory of Applied Physiology, University of Central Florida, Orlando, FL

Adv Nutr. 2015 Jul 15;6(4):430-9. doi: 10.3945/an.114.008177

Pressekontakt:
Informationskreis Mundhygiene und Ernährungsverhalten GbR
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Quelle: IME – Wissenschaftlicher Informationsdienst, Ausgabe 4/2015 Nr. 1

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