Agrarminister Meyer will Niedersachsen zum Spitzenreiter in der Bioförderung machen

Steigende Nachfrage und gute Preise für Ökolebensmittel bieten Chancen für niedersächsische Betriebe.

Die Ökobauern in Niedersachsen dürfen mit Optimismus in die Zukunft schauen. Landwirtschaftsminister Christian Meyer kündigte an, er werde sich dafür einsetzen, „dass die Förderprämien im Ökolandbau noch einmal erhöht werden und Niedersachsen unter Rot-Grün nach Jahren der Durststrecke seine bundesweite Spitzenposition festigt“. Zum Start der als weltgrößte Messe für Bio-Lebensmittel geltenden Biofach heute (Mittwoch) in Nürnberg forderte Meyer auch den Bundesagrarminister Christian Schmidt auf, „den warmen Worten für den Ökolandbau auch einmal konkrete Taten folgen zu lassen“.

Bislang, so Meyer, habe Schmidt lediglich visionäre Ausbauziele zum Biolandbau angekündigt. „Wenn er das wirklich ernst meint, sollte er zum Beispiel 20 bis 30 Prozent der Agrarforschungsmittel für die Entwicklung und Ausweitung des Ökolandbaus verwenden. Bisher sind das nämlich nur 1,5 Prozent.“ Auch sollten, so Meyer, weitere Mittel von der Flächenprämie hin zur Honorierung von Umwelt- und Tierschutzleistungen der Betriebe umgeschichtet werden. „Hier bremst die Bundesregierung und verschläft die aktuellen Entwicklungen.“

Optimistisch stimmte den Minister die aktuelle Umsatzentwicklung bei Bio-Lebensmitteln. 2015 sei ein „Boomjahr für Bio“ gewesen. Nach aktuellen Zahlen kauften deutsche Haushalte im vergangenen Jahr für 8,62 Milliarden Euro Bio-Lebensmittel und -Getränke – eine Steigerung um 11,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Meyer: „Solche zweistelligen Wachstumsraten gab es zuletzt 2008. Über diesen Trend freue ich mich sehr. Bio bleibt in.“ Hinzu komme: Während die konventionelle Agrarbranche teils hohe Umsatzverluste verzeichnet habe, mache die wachsende Nachfrage nach Biolebensmitteln im Marktgeschehen deutlich, „welche großen Chancen auf stabile Einkommen sich für Biobauern selbst in Zeiten von Preiskrisen bieten“.

Meyer verwies auf die Preise für Milch und Schweinefleisch: Während Biohalter derzeit pro Kilogramm Schlachtgewicht für Schweine etwa 3,60 Euro erzielen, kommen ihre konventionell arbeitenden Kollegen gerade einmal auf rund 1,31 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht.

Ähnlich eklatant sind die Preisunterschiede auf dem Milchmarkt: Im Bundesdurchschnitt werden pro Kilogramm Biomilch fast 49 Cent gezahlt – für konventionell erzeugte Milch gibt es mindestens 20 Cent weniger. Meyer: „Wir wollen, dass dieses Biowachstum auch in Niedersachsen ankommt.“

Im Bereich Bioeier und Bioobst sei unter Rot-Grün schon ein erheblicher Ausbau erzielt worden. Niedersachsen sei hier bundesweit Marktführer. Fast jedes zweite Bioei komme mittlerweile aus Niedersachsen. Auch im Milchbereich sei eine erfreuliche Umstellungswelle auf Bio zu beobachten. „Um den Umstieg zu erleichtern, setze ich mich dafür ein, die Förderprämien für die Umstellung auf Ökolandbau vorbehaltlich der Zustimmung der EU-Kommission für 2016 auf rund 400 Euro anzuheben“, so der Minister.

Auch bei der Prämie für die sogenannte Beibehaltung des Ökolandbaus sei er dafür, dass diese ansteige – auf 270 Euro pro Hektar Acker- oder Grünland. Niedersachsen wäre dann Spitzenreiter bei der Förderung der ökologischen Landwirtschaft. Dafür wolle er sich einsetzen, damit noch mehr niedersächsischen Biobetriebe die steigende Verbrauchernachfrage mit regionalen Biolebensmitteln dauerhaft bedienen könnten. „Ich hoffe sehr, dass wir das hinbekommen und die EU-Kommission dies genehmigt“, sagte Meyer.

Der Minister verwies überdies darauf, dass die Verkaufserlöse für Biolandwirte 2014 um sieben Prozent auf rund 1,65 Milliarden Euro gestiegen seien. Meyer: „Das bestärkt mich in meinem Ziel, den Ökolandbau im Sinne einer sanften Agrarwende hin zu einer ressourcenschonenderen und nachhaltigeren Landwirtschaft zu fördern.“ Ein Beitrag dazu sei, „dass Niedersachsen den Fördertopf für ökologischen Landbau auf 1,77 Millionen Euro aufgestockt hat. Daraus werden unter anderem mit rund 140.000 Euro zwei Projekte finanziert, die die Grundlagen für die Züchtung von Legehennen- und Masthähnchen-Rassen im Ökolandbau erforschen.“

Für die 60 niedersächsischen Aussteller unter den insgesamt fast 2.600 Ausstellern aus 77 Ländern auf der Biofach hat Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer noch eine gute Botschaft: „Mein Ministerium erarbeitet derzeit einen ,Aktionsplan Ökolandbau‘, um aktuelle und zukünftige Vorhaben zur Stärkung der ökologischen Landwirtschaft zu bündeln. Das soll ein Masterplan für die Zukunft werden.“ Meyer weiter: „Wir müssen Boden, Wasser und Luft sorgsamer behandeln. Das sind wir den nachfolgenden Generationen schuldig. Die Bio-Landwirtschaft bietet Alternativen – nicht nur für die Umwelt, sondern auch für mehr Tierwohl.“

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium ist auf der Biofach gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen und der Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft in einer eigenen Lounge vertreten.

Ebenfalls in Halle 6 präsentieren sich auf dem niedersächsischen Gemeinschaftsstand 16 der 60 niedersächsischen Aussteller. Morgen (Donnerstag) wird der niedersächsische Landwirtschaftsminister auf Rundgängen verschiedenen Verbänden und Verarbeitern einen Besuch abstatten. „Ganz besonders freue ich mich auf drei niedersächsische Bio-Pioniere, die dieses Jahr Jubiläum feiern“, sagte Meyer.

Auf ein 25-jähriges Bestehen blicken nämlich der Fleischwaren- und Fertiggerichthersteller Ökoland aus Wunstorf sowie Rolker Ökofrucht aus Jork im Alten Land zurück, und seit 20 Jahren gibt es die Ölmühle Solling aus dem Landkreis Holzminden. Diese drei Unternehmen zählen zu den rund 1.100 niedersächsischen Verarbeitungsbetrieben, die ökologische Lebensmittel herstellen. In Niedersachsen gibt es zudem etwa 1400 Biobetriebe, die auf ungefähr 71.000 Hektar nach den Regeln der ökologischen Landwirtschaft arbeiten.

Pressekontakt:
Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Klaus Jongebloed, Pressesprecher
Calenberger Str. 2, 30169 Hannover
Tel: 0511-120-2095
Fax: 05 11/1 20-23 82
Klaus.Jongebloed@ml.niedersachsen.de

Quelle: Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

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