Niedriger Folatspiegel in der Schwangerschaft könnte Gehirngröße und kognitive Fähigkeiten des Kindes beeinträchtigen

Eine neue Studie mit 256 niederländischen Kindern im Alter von 6 bis 8 Jahren hat gezeigt, dass ein niedriger pränataler Folatspiegel das Gehirnvolumen und die Intelligenz beeinträchtigt.

Bei einer Untergruppe der Generation R-Kohorte, bestehend aus 256 niederländischen Kindern im Alter von 6 bis 8 Jahren, wurden Gehirngröße (mittels funktioneller Magnetresonanztomografie), kognitive Fähigkeiten und emotionale Entwicklung beurteilt und mit dem Folsäurestatus der Mütter in der Schwangerschaft abgeglichen (1). Die Studie zeigte, dass die Kinder von Müttern mit einer unzureichenden Folat-Plasmakonzentration (˂ 8 nmol/l) während der Schwangerschaft kleinere Gehirne und einen niedrigeren Intelligenzquotienten (IQ) hatten als die Kinder von Müttern mit einer ausreichenden Folsäurekonzentration. Bei den Müttern mit Folsäuremangel wurde festgestellt, dass alle Teile des Gehirns der Kinder ähnlich stark verkleinert waren. Allerdings wurde – im Gegensatz zu ähnlichen Studien, die mit den Kindern im Alter von 18 Monaten sowie 3 Jahren durchgeführt wurden – keine Beeinträchtigung des emotionalen Verhaltens nachgewiesen.

Folsäure, auch bekannt als Vitamin B9, spielt bei der normalen Zellteilung eine entscheidende Rolle (2). Das US-amerikanische Institute of Medicine empfiehlt Schwangeren eine Zufuhrmenge von 600 µg/Tag. Die üblichen Zufuhrempfehlungen für Erwachsene liegen zwischen 200 und 400 µg/Tag. Folat ist besonders wichtig für die Replikation und das Wachstum von Nervenzellen. Zudem ist es an der DNA-Methylierung und -Synthese beteiligt. Wenn Schwangere an einem Folsäuremangel leiden, kann dies bei ihren Kindern Neuralrohrdefekte (wie Spina bifida) verursachen (3). Es hat sich gezeigt, dass ein Folatmangel über den epigenetischen Mechanismus der Methylierung die Genexpression verändern und so die Gehirnentwicklung beeinträchtigen kann (4).

Eine ältere Studie aus dem Jahr 2012, bei der allerdings der Folatspiegel in der Schwangerschaft nicht so präzise gemessen wurde wie in der aktuellen Studie (es handelte sich um einen Fragebogen zum Lebensmittelkonsum), hatte zuvor verdeutlicht, dass Dreijährige, deren Mütter einen höheren Folatspiegel aufwiesen, in der Regel intelligenter waren (5).

Bei der neuen Studie (1) wurden hingegen die Folsäure-, Homocystein- und Vitamin-B12-Konzentrationen im Blutplasma der Mütter sehr genau gemessen. Zudem wurde die Anatomie des Gehirns der Kinder mit fortschrittlichen Verfahren (funktionelle Magnetresonanztomografie) beurteilt. Es wurde keine Verbindung zwischen pränatalen Homocystein- und Vitamin-B12-Konzentrationen und Gehirnvolumen, kognitiven Fähigkeiten und Verhalten festgestellt.

Es ist möglich, dass die Studie durch einige Störfaktoren beeinflusst wurde, da bei den Mitgliedern der Gruppe mit Folatmangel zum einen auch die Wahrscheinlichkeit höher war, dass es sich um Raucherinnen handelte, und es zum anderen weniger wahrscheinlich war, dass sie Folat-Supplementierungen eingenommen hatten. Zudem kann nicht davon ausgegangen werden, dass in Ländern, in denen das allgemeine Ernährungsniveau nicht den hohen Standards der Niederlande entspricht, vergleichbare Ergebnisse dokumentiert worden wären. Die Studie liefert jedoch über Anatomie- und Intelligenztests den Nachweis, dass ein Folatmangel in der Schwangerschaft die Gehirnentwicklung der Kinder mindestens bis in das Alter von 6 Jahren hinein beeinträchtigt.

Referenzen

1. Ars CL, Nijs IM, El Marroun HE, Muetzel R et al.; “Prenatal folate, homocysteine and vitamin B12 levels and brain volumes, cognitive development and psychological functioning”.; British Journal of Nutrition 2016 (ahead of print). doi.org/10.1017/S0007114515002081

2. NUTRI-FACTS (accessed 27.1.16): www.nutri-facts.org/eng/vitamins/vitamin-b9-folic-acid/at-a-glance/

3. Berti C, Biesalski HK, Gärtner R, et al. (2011) Micronutrients in pregnancy: current knowledge and unresolved questions. Clin Nutr 2011; 30: 689–701.

4. Nyaradi A, Li J, Hickling S, et al.; “The role of nutrition in children’s neurocognitive development, from pregnancy through childhood”. Front Hum Neurosci 2013: 7: 1–16.

5. Villamor E, Rifas-Shiman S, Gillmann M, et al.; “Maternal intake of methyl-donor nutrients and child cognition at 3 years of age”. Paediatr Perinat Epidomiol 2012; 26: 328–335.

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Quelle: Nutri-Facts

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