Kardiovaskuläres Gesundheitsrisiko durch trans-Fettsäuren in Deutschland gering

Gehalte an trans-Fettsäuren aus teilgehärteten Ölen stark reduziert (Kurzfassung)

Prof. Dr. Clemens von Schacky, Leiter der Abteilung „Präventive Kardiologie“, Med. Klinik und Poliklinik I, Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Gehalt von Lebensmitteln an trans-Fettsäuren (trans fatty acids, TFA) aus teilgehärteten Ölen wurde von Seiten der Industrie so stark reduziert, dass eine Erhöhung des Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen durch einen zu hohen Verzehr von TFA hierzulande als gering eingeschätzt wird. Für die Aufnahme an TFA, die natürlicherweise in Milch und Fleisch von Wiederkäuern und daraus hergestellten Produkten vorkommen, gelten positive ges undheitliche Effekte inzwischen als wahrscheinlich.

TFA: unterschiedliche Entstehung und Wirkung

TFA werden einerseits natürlicherweise im Pansen von z. B. Kühen, Schafen und Ziegen gebildet. Diese sogenannten ruminanten TFA (rTFA) machen rund 70 % der mit Lebensmitteln aufgenommenen TFA aus. Für rTFA zeigt eine Reihe von Studien, dass sie mit einem geringeren Risiko für Mortalität und Diabetes verbunden sind.

TFA entstehen andererseits bei der industriellen Teilhärtung pflanzlicher Öle sowie beim Hocherhitzen von Brat- und Frittierfetten, d. h. auch in der handwerklichen Verarbeitung im Haushalt. Diese TFA werden als nicht-ruminante TFA bezeichnet. Es ist wissenschaftlich gut belegt, dass eine hohe Zufuhr von mehr als 2 % der Gesamtenergie bzw. hohe Spiegel dieser Substanzen im Gewebe das Risiko für Fettstoffwechselstörungen und damit koronare Herzerkrankungen sowie die Gesamtmortalität erhöhen. Diese negativen gesundheitlichen Auswirkungen relativieren sich jedoch in ihrer praktischen Bedeutung angesichts der hierzulande mittlerweile niedrigen Aufnahmemenge an nicht-ruminanten TFA.

TFA-Aufnahme und -Gewebekonzentrationen aktuell unbedenklich

Laut des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) liegt die mittlere TFA-Aufnahme in Deutschland bei 0,66 % der Nahrungsenergie und damit weit unter dem in den D-A-CH-Referenzwerten empfohlenen Maximalwert. Das BfR schätzt daher eine mögliche Erhöhung des kardiovaskulären Risikos durch einen zu hohen Verzehr von TFA in Deutschland in allen Altersgruppen gegenwärtig als gering ein.

Aussagekräftiger als Zufuhrmengen sind TFA-Konzentrationen in Körpergeweben. Aktuellen Messungen zufolge betrugen sie nur 0,96 % aller Fettsäuren. Ein Großteil davon waren rTFA. Für die analysierten nicht-ruminanten TFA wurde keine direkte Assoziation zur Gesamtmortalität oder der kardiovaskulären Mortalität gefunden, woraus die Autoren der Studie schlussfolgern, dass in Deutschland keine Anstrengungen zur weiteren Reduzierung von nicht-ruminanten TFA in Lebensmitteln notwendig seien.

Für die rTFA hingegen wurde gefunden, dass höhere Spiegel mit einer höheren Überlebenswahrscheinlichkeit einhergingen – ein Argument gegen die Bevorzugung fettreduzierter Milchprodukte. Erstmals wurde auch ein auf Gewebekonzentrationen bezogener oberer Grenzwert nicht-ruminanter TFA am Gesamtfettsäuregehalt ermittelt. Bislang unveröffentlichte Daten zeigen, dass in den letzten zwei Jahren nur 1,3 % der Proben aus Deutschland über diesem Grenzwert lagen, während es im Jahr 2008 noch knapp 30 % waren.

TFA-Gehalte in Lebensmitteln sind niedrig Bereits seit nahezu 20 Jahren ergreift die Lebensmittelindustrie in Deutschland Maßnahmen, um die TFA-Gehalte in Lebensmittelprodukten immer weiter zu reduzieren. Dies erfolgt hierzulande freiwillig, d. h. ohne gesetzliche Vorgaben. Insbesondere bei Haushaltsmargarinen, Tiefkühlpizza, Nuss-Nougat-, Erdnuss- oder Milchschokokrem sowie bei Feinen Backwaren und Knabberartikeln, wie z. B. Kartoffelchips, waren die Minimierungsanstrengungen erfolgreich. Als problematisch erwiesen sich wenn, dann aus handwerklicher Fertigung stammende und verkaufte Produkte.

Langfassung

Herausgeber:
Moderne Ernährung heute
Wissenschaftlicher Pressedienst
Prof. Dr. R. Matissek
Lebensmittelchemisches Institut der deutschen Süsswarenindustrie, Köln
Nr. 2/2016

Pressekontakt:
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Quelle: lci moderne ernährung heute

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