VDD-Bundeskongress 2016: Patientensicherheit hat Priorität und die Diätassistenten garantieren Qualität

Die VDD-Mitgliederversammlung hat in Wolfsburg ein neues Präsidium bestimmt. An der Spitze des Verbandes stehen Ina Lauer (Berlin, links im Bild) als Präsidentin sowie Sabine Ohlrich-Hahn (Neubrandenburg) und Matthias Zöpke (Berlin). Der bisherige Vizepräsident Ulrich Hühmer (Dresden) hatte sich nicht erneut zur Wahl gestellt.
(Foto: Christian Augustin).

Die Diät- und Ernährungsberatung in Deutschland braucht notwendiger denn je ein klares Profil. Die Diätassistenten arbeiten dafür engagiert an der Qualitätssicherung und der Vereinheitlichung von Prozessen und Konzepten in der Diätetik.

Es ist das zentrale Treffen der Diätassistenten in Deutschland: Mit mehr als 1.300 Teilnehmern war der Jahreskongress des Verbandes der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V. (VDD) in Wolfsburg am vergangenen Wochenendes wieder ein voller Erfolg. Er bot ein dichtes Programm mit aktuellen Themen und hohem Fortbildungswert.

„Wir Diätassistenten garantieren die Qualität in der Ernährungstherapie und -beratung“, sagte VDD-Präsidentin Ina Lauer. Ob in den Bereichen Adipositas, NahrungsmittelunverträglichkeitenMangelernährung und Ernährung bei onkologischen Erkrankungen oder auch den Vorzügen oder Risiken bestimmter Kostformen: Das Wohl der Patienten ist für Diätassistenten das Maß aller Dinge.

Qualität gefordert

Kooperationspartner des VDD-Kongressen sind der Bundesverband der Ernährungsmediziner (BDEM), die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) sowie die europäische Dachorganisation der Diätassistenten EFAD (European Federation of the Associations of Dietitans). „Wir werden nicht gehört, wenn wir mit unterschiedlichen Stimmen sprechen“, appellierte Prof. Dr. Johannes Wechsler (BDEM) an die Kongressteilnehmer, die gute Kooperation auszubauen. Prof. Dr. Matthias Plauth (DGEM) unterstrich die Forderung nach Evidenz und wissenschaftlichen Erkenntnissen. „Wir brauchen gesichertes Wissen und nicht kultische Glaubenssätze“, sagte er auch mit Blick auf die zahlreichen Modetrends in Sachen Ernährung.

Welche teils fatalen Folgen Ernährungsirrtümer haben können, schilderte Prof. Dr. Helmut Heseker, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Es werde häufig ein „direkter Bypass“ von einer Hypothese und einer neuen Erkenntnis zu einer generellen Ernährungsempfehlung gelegt. Doch ohne exakte Studien und eine wissenschaftliche Herangehensweise sei die nicht möglich. Viele Aussagen zur Ernährung seien interessengeleitet: Ernährung sei ein Medienthema mit einem garantiert hohen Aufmerksamkeitswert. Und insofern auch ein Thema, bei dem die Experten gefragt sind; nur sie könnten den Widersprüchlichkeiten in medial verbreiteten Ernährungsaussagen und den daraus resultierenden Unsicherheiten der Verbraucher entgegentreten.

Kongressthema war auch der European Dietetic Action Plan (EuDAP), der basierend auf den Forderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ende des letzten Jahres formuliert wurde. Darin setzen sich die europäischen Diätassistenten mit unterschiedlichen Aktivitäten für die Verbesserung der Gesundheit durch eine gezielte Ernährung bei allen Bevölkerungsgruppen ein.

Reform nötig

In Wolfsburg wurde auch das europäische IMPECD-Projekt (Improvement of Education and Competences in Dietetics) vorgestellt, an dem der VDD beteiligt ist. Damit soll u.a. europaweit ein einheitliches Prozessmodell in der Diätetik etabliert, die Qualität und Relevanz der Diätetik-Ausbildung in Europa verbessert sowie Forschung und Entwicklung in der Diätetik vorangebracht werden. Der vom VDD mitentwickelte German-Nutrition Care Prozesses (G-NCP) wird dazu beitragen, europäische Strukturen zu schaffen, um das Handeln transparenter und nachvollziehbarer zu machen.

Dass die Diät- und Ernährungsberatung hierzulande eine Veränderung erfahren muss, ist für Dr. Daniel Buchholz, Hochschule Neubrandenburg, evident. Er untersuchte den Status quo der Ernährungsberatung in Deutschland und fand, dass die Diät- und Ernährungsberatung derzeit von zahlreichen Unsicherheiten determiniert wird. Sie ist nur sehr eingeschränkt im Gesundheitssystem verankert. Der Patienten- bzw. Verbraucherschutz ist mangelhaft, denn jeder beliebige Berater kann Ernährungsberatung anbieten. Es gibt keine einheitlichen Definitionen und keine belastbaren Praxisdaten, wer, wie, wann, warum und durch wen beraten wird.

Um den Bereich zukunftsfähig zu machen, braucht es einen verlässlichen Finanzierungsrahmen sowie einheitliche Prozesse und Konzepte in der Ernährungsberatung. Buchholz nannte auch eine Reform der Ausbildung im Bereich Diätetik überfällig; das müsse mit einer neuen eindeutigen und adäquaten Berufsbezeichnung einhergehen, die die Expertise spiegelt und Patienten bzw. Verbraucher schützt.

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Quelle: VDD

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