Magersucht trotz Normalgewicht: Drastischen Gewichtsverlust beobachten

Wenn übergewichtige Teenager in kurzer Zeit drastisch an Gewicht verlieren, können sie eine Magersucht entwickeln. Das gilt auch, wenn ihr aktuelles Körpergewicht im Normbereich liegt. Die Zahl der Betroffenen nimmt stetig zu, berichten australische Wissenschaftler im Fachblatt „Pediatrics“.

Über 250 Jugendliche im Alter von durchschnittlich 15 bis 16 Jahren waren mit Verdacht auf eine Essstörung in die Klinik „The Royal Children’s Hospital“ in Melbourne eingewiesen worden. Sie wurden körperlich untersucht und nahmen an der „Eating Disorder Examination“ (EDE) teil. Dabei handelt es sich um ein Interview zur Klassifikation und Erfassung der psychischen Beschwerden bei Essstörungen. Die Ärzte diagnostizierten bei 118 Patienten eine klassische und bei 42 eine atypische Magersucht (Anorexie). Neun von zehn Betroffenen waren Mädchen.

Bei einer atypischen Magersucht hatten die Teenager mindestens zehn Prozent ihres Körpergewichts vor Erkrankungsbeginn verloren, aber das aktuelle Körpergewicht lag im Normbereich. Solche Patienten litten im Vergleich zu „dünnen“ Magersüchtigen vor der Erkrankung häufiger unter Übergewicht oder Adipositas (71 zu 12 %) und hatten deutlich mehr an Gewicht verloren (17,6 kg zu 11,0 kg).

Bei den körperlichen Untersuchungen gab es kaum Unterschiede zwischen der atypischen und klassischen Form. Im Gegensatz dazu waren psychische Symptome stärker ausgeprägt: Normalgewichtige hatten ein negativeres Körperbild und waren mit ihrem Körpergewicht noch unzufriedener als Jugendliche mit klassischer Anorexie. Die Furcht vor einer erneuten Gewichtszunahme war ausgeprägter.

Die Wissenschaftler bewerteten die atypische Anorexie als eine schwere Essstörung mit deutlichen körperlichen und psychischen Konsequenzen. Das bedeutet, dass auch normalgewichtige Teenager bei Verdacht auf eine Anorexie gründlich körperlich und psychisch untersucht werden müssen – vor allem, wenn sie in der letzten Zeit viel Gewicht verloren haben.

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Quelle: Heike Kreutz, www.aid.de

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