B-Vitamine für ein gesundes Nervensystem

Eine häufige Begleiterscheinung des Alters sind Demenzerkrankungen, die vom Abbau der kognitiven Fähigkeiten der Betroffenen gekennzeichnet sind. Die Details der Krankheitsentstehung sind noch nicht abschließend geklärt, jedoch sind sich die Wissenschaftler einig, dass eine erhöhte Blutkonzentration des Stoffes Homocystein bei der Entwicklung einer Demenz beteiligt ist. B-Vitamine sind für dessen Abbau mitverantwortlich und erfüllen darüber hinaus wichtige Funktionen bei der Erhaltung eines gesunden Nervensystems.

Das Gehirn ist mit Abstand das Organ mit dem höchsten Energieumsatz des Körpers: Bei einem Gewichtsanteil von nur zwei Prozent benötigt es ein Fünftel der gesamten Energie. Diese wird aus Stoffwechselvorgängen, zum Beispiel dem Abbau von Zucker, gewonnen. Eine Reihe von B-Vitaminen sowie andere Vitalstoffe spielen dabei als Cofaktor von Enzymen eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus sind gerade auch am Aufbau des Nervensystems diverse B-Vitamine beteiligt. Tritt ein Vitamin-B-Mangel auf, kann sich das negativ auf die kognitiven Funktionen des Gehirns auswirken und im schlimmsten Fall zu neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz führen. (1)

Homocystein – ein zentrales Molekül bei Demenzerkrankungen

Bei der Ursachensuche für Demenz und verwandte Erkrankungen steht ein schädliches Molekül im Mittelpunkt: Homocystein. Der Stoff, der als Zwischenprodukt beim Stoffwechsel entsteht, wird als unabhängiger Risikofaktor für Erkrankungen der Blutgefäße im Gehirn wie Schlaganfall und neurodegenerative Erkrankungen eingestuft. (2)

Der Abbau findet über verschiedene Wege statt, an denen Vitamin B6, B12 und Folsäure beteiligt sind. Tritt ein Mangel an einem oder mehreren der Vitamine auf, kann die Homocysteinkonzentration im Blut stark ansteigen. Ärzte sprechen dann von einer Hyperhomocysteinämie. Folgen können motorische Einschränkungen, psychiatrische Erkrankungen oder Thrombose sein. (3)

Wissenschaftler führen für die schädliche Wirkung des Homocysteins auf die Gehirnfunktion verschiedene Vorgänge auf: Im Zuge einer Hyperhomo-cysteinämie kann eine Verstärkung von oxidativem Zellstress auftreten. Daraus können unter anderem Schäden der DNA resultieren sowie Störungen der DNA-Reparatur, wodurch gerade die DNA-Schäden nicht behoben werden können. Im schlimmsten Fall führen die Schäden zum Zelltod, wodurch die gesamte Hirnmasse reduziert werden kann. (4)

Bedeutung von Vitamin B12 und Folsäure für die kognitive Funktion

Über den Abbau von Homocystein hinaus haben Vitalstoffe wie Vitamin B12 oder Folsäure entscheidende Funktionen für ein funktionierendes Nervensystem. Nervenzellen besitzen einen schlauchartigen Fortsatz, der als Axon bezeichnet wird. Eine schützende Schicht, das Myelin, das von bestimmten Zellen gebildet wird, umhüllt die empfindlichen Axone. Für die Bildung einzelner Bestandteile des Myelins wird Vitamin B12 dringend benötigt. Bei einem Mangel an Vitamin B12 kann das Myelin instabil werden, wodurch eine ausreichende Schutzfunktion nicht mehr gewährleistet werden kann. Dadurch können Schäden an den Axonen entstehen, die wiederum zu neurologischen Störungen und Neurodegeneration führen können. (5)

Die Bedeutung von Folsäure für die neuronale Funktion ist dagegen unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Vitalstoff als Lieferant von Bausteinen für Neurotransmitter benötigt wird sowie für den Stoffwechsel von Strukturkomponenten der Zellmembran. Ist durch einen Folsäuremangel die neuronale Gesundheit beeinträchtigt oder werden die Zellmembranen von Nervenzellen instabil, können daraus Beeinträchtigungen der Signalübertragung resultieren, die wiederum zu kognitiven Störungen oder Demenz führen können. (6)

B-Vitamine: Da steckt noch mehr dahinter

Neben den häufig erwähnten Vertretern der B-Vitamine – B6, B12 und Folsäure – gibt es eine Reihe weiterer wie Thiamin (B1), Riboflavin (B2), Niacin (B3) und Panthothensäure (B5), die beim Thema kognitive Leistung oft nicht einmal am Rande erwähnt werden. Dabei sind die Vitamine an diversen Vorgängen der Energiegewinnung im Gehirn beteiligt. Darüber hinaus wirken sie beim Aufbau von Neurotransmittern und anderen Biomolekülen mit, die essenziell für die Funktion des Gehirns sind. (7)

Abgesehen davon sind die B-Vitamine wie Riboflavin indirekt am Abbau von Homocystein beteiligt, denn sie werden zum Beispiel für die Biosynthese von Folsäure benötigt. (1)

1) Kennedy DO; B Vitamins and the Brain: Mechanisms, Dose and Efficacy–A Review.; Nutrients. 2016 Jan 27;8(2):68.

2) Kamat PK et al.; Homocysteine Induced Cerebrovascular Dysfunction: A Link to Alzheimer’s Disease Etiology.; Open Neurol J. 2015 Jun 24;9:9-14.

3) Aisen PS et al.; High-dose B vitamin supplementation and cognitive decline in Alzheimer disease: a randomized controlled trial.; JAMA. 2008 Oct 15;300(15):1774-83.

4) Smith AD; The worldwide challenge of the dementias: a role for B vitamins and homocysteine?; Food Nutr Bull. 2008 Jun;29(2 Suppl):S143-72.

5) Sponne IE et al.; Inhibition of vitamin B12 metabolism by OH-cobalamin c-lactam in rat oligodendrocytes in culture: a model for studying neuropathy due to vitamin B12 deficiency.; Neurosci Lett. 2000 Jul 21;288(3):191-4.

6) Kruman II et al.; Folate deficiency inhibits proliferation of adult hippocampal progenitors.; Neuroreport. 2005 Jul 13;16(10):1055-9.

7) Spector, R; Vitamin transport diseases of brain: Focus on folates, thiamine and riboflavin.; Brain Disord. Ther. 2014, 3, 120.

GIVE e.V., Dr. Andreas Erber, 1. Vorsitzender

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Quelle: GIVE

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