Nationale Fachtagung der SGE: „Personalisierte Ernährung: Steht mein Menu in den Genen?“

Am 1. September 2016 fand im vonRoll Gebäude der Universität Bern die nationale Fachtagung der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SGE zum Thema „Personalisierte Ernährung: Steht mein Menu in den Genen?“ statt. Vor gut gefüllten Rängen erläuterten und diskutierten Experten aus verschiedenen Fachgebieten die Herausforderungen, das Potential sowie die Grenzen, den Stand der Forschung, die regulatorische, ethische und historische Dimension der personalisierten Ernährung.

Die Fachtagung der SGE startete mit den Industrie-Symposien und den Konferenzen von Dr. Béatrice de Reynal von der NutriMarketing Agentur in Paris, Professor Wolfang Langhans von der ETH Zürich, Professor Martin Kohlmeier von der Universität North Carolina und Dr. Daniel Wallerstorfer von der Novogenia Group in Österreich. Im Zusammenhang mit dem Tagungsthema „Personalisierte Ernährung – Steht mein Menu in den Genen?“ wurde dem industriellen Gewerbe die Möglichkeit gegeben, wissenschaftlich fundierte Arbeiten zu präsentieren und den TeilnehmerInnen vielfältige Perspektiven zur Thematik aufzuzeigen.

Die Teilnehmer konnten anschliessend Vorträge zu folgenden Themen verfolgen:

Personalisierte Ernährung: Was ist damit gemeint?

Zum Auftakt der Fachtagung erklärte Dr. Guy Vergères von Agroscope, dass die in den letzten Jahren veröffentlichten Forschungsergebnisse zeigen, dass die Auswirkungen der Ernährung auf die menschliche Gesundheit auf individueller Ebene gemanagt werden können.

Um zu verstehen, was sich hinter diesen jüngsten Entwicklungen verbirgt, ist es wichtig, ein ganzheitliches Verständnis der menschlichen Biologie und ihrer Wechselwirkungen mit der Umwelt zu entwickeln. Ein solches Verständnis umfasst zuallererst den evolutionären Kontext, denn die Ernährung der Hominiden hat die Diversität des menschlichen Genoms seit vielen Millionen Jahren geprägt.

Die spektakulären technologischen Entwicklungen in der Molekularanalyse, insbesondere die Sequenzierung des genetischen Materials, steht am Anfang des Aufschwungs der Nutrigenetik.

Potenziale und Grenzen der personalisierten Ernährung

Colleen Fogarty Draper vom Nestlé Institute of Health Sciences zeigte das Potential sowie die Grenzen der personalisierten Ernährung auf. Zusammenfassend erklärte sie, dass Analysen der Nutrigenetik, die zur personalisierten Ernährung beitragen sollen, einen ganzheitlichen Fokus brauchen. Geschlecht und Hormonzyklen sollten Teil der Forschung bezüglich der personalisierten Ernährung, der klinischen Diagnostik und Produktentwicklung sein. Ausserdem sind qualitativ hochwertige elektronische Instrumente für die Ernährungsforschung wesentlich.

Stand der Forschung in personalisierter Ernährung

Prof. Dr. Hannelore Daniel von der Technischen Universität in München, referierte über den Stand der Forschung in personalisierter Ernährung. Auf der Grundlage der Sequenzierung des menschlichen Genoms erschliesst sich in den Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften das Wechselspiel von Genom und Ernährungsumwelt. Dies erlaubt z. B. die Identifizierung individueller Genvarianten, die im Kontext der Ernährung diskrete Gesundheitsrisiken mitbedingen oder auch Nährstoffbedarfe determinieren.

Parallel zu diesen Entwicklungen in den Lebenswissenschaften haben sich in der IT-Branche neue Möglichkeiten ergeben, vitale Körperfunktionen, aber auch Informationen zum Ernährungs- und Essverhalten und das Bewegungsprofil mit spezifischen Werkzeugen und Instrumenten individuell zu erfassen und elektronisch zu dokumentieren.

Kommerzielle Angebote zur Genotypisierung mit individualisierter Ernährungsempfehlung werden zunehmend auch in Europa verfügbar. Sie sind in ihrer wissenschaftlichen Basis jedoch nach wie vor kritisch zu bewerten.

Fragen und Herausforderungen bei der Verwendung von personalisierten Daten für die Gesundheit

Prof. Vincent Mooser, Leiter der Abteilung Laboratorien und der Biomedizin am CHUV in Lausanne, erklärte, dass die IT-Revolution ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, die persönlichen Daten des Einzelnen im Interesse des Gemeinwohls zu verwenden, indem neue Erkenntnisse daraus gewonnen werden. Zu diesen Daten gehören auch die Ergebnisse genetischer Analysen, die am Genom eines Individuums vorgenommen werden können.

Diese Technologien werfen zahlreiche biologische, medizinische, informationstechnische, ethische, rechtliche und finanzielle Fragen auf, die die Qualität und den Umfang der Daten betreffen, das Einverständnis des Betroffenen mit der Verwendung seiner Daten, die zur Gewährleistung der Datensicherheit getroffenen Massnahmen sowie die Analyse und Interpretation der Daten und den Umgang mit Zufallsbefunden.

Regulatorische, ethische und historische Dimensionen der personalisierten Ernährung

Prof. Dr. Sabina Gallati, Leiterin der Abteilung für Humangenetik im Inselspital Bern, erinnerte uns daran, dass die personalisierte Ernährung zum Ziel hat, basierend auf persönlichen genomischen Daten, Empfehlungen zum Menuplan abzugeben, um das individuelle Erkrankungsrisiko zu minimieren und das Gewicht zu regulieren.

Auch wenn heutzutage immer mehr genetische Daten in immer kürzerer Zeit generiert werden können, bedeutet deren Interpretation eine enorm zeitaufwendige und komplexe Herausforderung. Zudem darf in der Schweiz nur diagnostische genetische Untersuchungen durchführen, wer ganz bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllt und vom Bundesamt für Gesundheit eine entsprechende Bewilligung erhält.

Am Nachmittag hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in verschiedenen Ateliers die Möglichkeit, die Interpretation von Gentests zu besprechen sowie die Frage der Wirksamkeit und der Grenzen der Mobile- und IT-basierten Lösungen in der personalisierten Ernährung zu debattieren.

Der Nestlé Ernährungspreis wurde wie jedes Jahr anlässlich der Nationalen Fachtagung der SGE verliehen. Der mit 30‘000 CHF dotierte Preis wurde 1998 von Nestlé Schweiz ins Leben gerufen. Er zeichnet unabhängige Forscher in der Schweiz aus, um Projekte in den Bereichen Ernährung und Prävention zu unterstützen.

Die Tagung wurde mit der Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft BLW und des Schweizerischen Verbands der Ernährungsberater/innen SVDE durchgeführt.

Weitere Informationen: Präsentationen und Zusammenfassungen

Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE

Die SGE ist die nationale Organisation für Ernährungsfragen. Sie klärt die Bevölkerung und die Fachwelt mit wissenschaftlich abgesicherten Informationen auf und zählt rund 5‘500 Mitglieder und Abonnenten, die meisten davon Fachleute aus dem Ernährungs-, Gesundheits- und Bildungsbereich sowie ernährungsinteressierte Konsumenten.

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Quelle: SGE

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