Reizdarmsyndrom: Ein Drittel der Patienten profitiert von glutenfreier Ernährung

Eine aktuell im International Journal of Colorectal Disease veröffentlichte Studie der Charité Berlin zeigt, dass ein Drittel nicht-konstipierter Reizdarmpatienten auf eine glutenfreie Ernährung anspricht und weizensensitiv ist.

Seit einigen Jahren gibt es Hinweise, dass die Symptome eines Reizdarmsyndroms (IBS) bei einem nicht unerheblichen Teil der Patienten durch Gluten oder Weizen ausgelöst werden können, bei denen folglich eine Gluten-/Weizensensitivität vorliegt, bzw. laut aktueller Leitlinie eine Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität (kurz WS). Im Rahmen der Gluten Sensitivity In IBS (GIBS)-Studie an der Charité Berlin sollte geprüft werden, ob der HLA-DQ2/8-Status der Patienten als Marker dienen könnte, welche Patientengruppe von einer glutenfreien Diät (GFD) profitiert. Zudem sollten die langfristigen Effekte einer GFD bei Reizdarmpatienten des Diarrhoe-dominanten und des gemischten Typs untersucht werden. Um eine korrekte Durchführung der GFD zu gewährleisten, klärte eine Ernährungsfachkraft die Patienten zu Studienbeginn über die Befolgung einer GFD auf.

Strenge Kriterien zur Besserung der Beschwerden
Ein für IBS gängiges Verfahren zur Erfassung der Therapieantwort in Studien ist die subjektive, allgemeine Beurteilung der Symptomverbesserung (subjective global assessment of relief), bei der die Patienten wöchentlich ihre aktuellen Beschwerden im Vergleich zur Situation vor Behandlungsbeginn einschätzen. Als Therapieerfolg (responder) werden Patienten gewertet, die mindestens bei 50 Prozent der Befragungen eine komplette oder deutliche Besserung ihrer Beschwerden angeben, wobei für Dauertherapien eine mindestens viermonatige Beobachtungszeit gefordert wird.
„Wir haben in unserer Studie an der Charité Berlin dieses Kriterium auf 75 Prozent verschärft, d. h. eine komplette oder deutliche Besserung für mindestens 12 von 16 Wochen gefordert, um Weizensensitivität zu diagnostizieren, da durch Gluten verursachte Beschwerden eigentlich verschwinden sollten, wenn die Patienten kein Gluten mehr zu sich nehmen“, erklärt Dr. Reiner Ullrich, Koordinator der Studie.

Symptomverbesserung bei 34 Prozent der Reizdarmpatienten
Die Berliner Studie belegt einen deutlichen Therapieerfolg mit dem Einsatz einer glutenfreien Ernährung: 34 Prozent der getesteten IBS-Patienten zeigten die geforderte komplette oder deutliche Besserung im Rahmen einer viermonatigen GFD. Eingeschlossen in die Studie waren Patienten des Diarrhoe-dominanten und des gemischten Typs, wobei beide Typen etwa in gleicher Häufigkeit auf die GFD reagierten. Interessanterweise und im Gegenteil zu einigen anderslautenden Empfehlungen, bereits nach zwei Wochen einer GFD sagen zu können, ob ein Patient weizensensitiv ist oder nicht, wurde in der Studie gezeigt, dass sich bei einigen Reizdarmpatienten die Beschwerden erst nach einer (im maximalen Falle) zweimonatigen GFD bessern. Durch ihr verspätetes Ansprechen auf die GFD konnten diese Probanden nicht die Vorgabe erfüllen, bei 75 Prozent der Befragungen in dem viermonatigen Zeitraum eine Symptomverbesserung zu erfahren und wurden folglich nicht als Responder gewertet. Legt man das 50-Prozent-Kriterium zugrunde, das sonst bei pharmazeutischen Studien herangezogen wird – d. h. für 8 der 16 Wochen wird eine Symptomverbesserung angegeben –, können sogar 51 Prozent der Probanden als Responder eingestuft werden.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass möglicherweise ATIs (Amylase-Trypsin-Inhibitoren) oder FODMAPs (fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole), die in der glutenfreien Ernährung natürlicherweise reduziert sind, für die im Rahmen der Studie gezeigte Symptombesserung verantwortlich sind. Die Studie zeigte zudem, dass keine Assoziation zwischen dem Vorliegen einer Weizensensitivität und dem HLA-DQ2/8 Status der Patienten nachzuvollziehen ist.

Langfristige Beibehaltung der glutenfreien Ernährung
Unter den Patienten gab es einige, deren Beschwerden mit einer GFD zwar nicht vollständig verschwanden, die aber trotzdem durch die Diät eine so ausgeprägte Beschwerdebesserung erfuhren, dass sie diese auch längerfristig beibehielten. Entsprechend zeigte eine Nachbefragung ein Jahr nach Studienbeginn einen sehr hohen Anteil von Patienten, die sich weiterhin glutenfrei ernährten und allenfalls gelegentlich von dieser Diät abwichen.
„Der hohe Anteil von IBS-Patienten mit langfristiger Verbesserung ihrer Reizdarmsymptome unter GFD unterstreicht, dass es durchaus sinnvoll sein kann, bei nicht-konstipierten Reizdarmpatienten eine GFD als effektive Therapieoption in Betracht zu ziehen“, schließt Dr. Ullrich ab.

Zur Studie
35 Patienten durchliefen die Studie. Sie ernährten sich nach einer vierwöchigen Beobachtungsphase ohne Intervention vier Monate glutenfrei und wurden in diesem Zeitraum wöchentlich zu ihrem Befinden befragt. Nach einem Jahr wurde eine Follow-up-Befragung durchgeführt.
Im Rahmen der Studie wurde geprüft, ob sich die genetischen Merkmale HLA-DQ2 oder HLA-DQ8 für die Diagnose einer Glutensensitivität eignen. Bei allen Studienteilnehmern wurde mithilfe einer der etablierten Diagnostika vorab das Vorliegen einer Zöliakie ausgeschlossen.

Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im International Journal of Colorectal Disease veröffentlicht. Die Studie wurde von den Autoren initiiert und von Dr. Schär finanziell unterstützt.

Barmeyer, C., Schumann, M., Meyer, T. et al.: Long-term response to gluten-free diet as evidence for non-celiac wheat sensitivity in one third of patients with diarrhea-dominant and mixed-type irritable bowel syndrome. Int J Colorectal Dis (2016). doi:10.1007/s00384-016-2663-x

http://link.springer.com/article/10.1007/s00384-016-2663-x
http://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00384-016-2663-x.pdf

Die Dr. Schär Unternehmensgruppe
Dr. Schär ist spezialisiert auf die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von innovativen diätetischen Lebensmitteln für besondere Ernährungsbedürfnisse. Die langjährigen Kompetenzen, die enge Zusammenarbeit mit Ärzten, Ernährungsberatern, Wissenschaftlern und Konsumenten und die erfolgreiche Bearbeitung von Nischenmärkten macht die Unternehmensgruppe im Bereich Special Nutrition erfolgreich. Allen Produkten gemeinsam ist das Bekenntnis zu höchster, konstanter Qualität, geprüfter Sicherheit und geschmackvollem Genuss. Dabei gliedert Dr. Schär seine Geschäftsfelder in die zwei Hauptbereiche glutenfrei und Medical Nutrition.
Die langjährige Kompetenz im Bereich der diätetischen Lebensmittel bündelt das Unternehmen in seinem 2011 gegründeten Dr. Schär Institute, das die Wissensplattform für Ernährungsfachkräfte, Allgemeinmediziner und Fachärzte ist und erste Anlaufstelle, wenn es um besondere Ernährungsanforderungen geht. Weitere Informationen zum Dr. Schär Institute und zum wissenschaftlichen Komitee von Dr. Schär finden Sie unter www.drschaer-institute.com.

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