Fit, fair und nachhaltig: Vorschläge für eine neue EU-Agrarpolitik

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Bauer beim Heuwenden – Foto: NABU/Klemens Karkow

NABU-Studie liefert Alternative zur „Gießkannenförderung“.

Der NABU fordert aufgrund der anhaltend schlechten Umweltbilanz der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) drastische Änderungen von der Politik. Deswegen gab er beim Institut für Agrarökologie und Biodiversität (IFAB) eine Studie in Auftrag. Diese berechnet erstmals anhand von konkreten Modellen, wie die Agrarsubventionen in Zukunft so verteilt werden können, dass Landwirte und Umwelt gleichermaßen profitieren. Kern des Gutachtens ist ein Modell, das die ineffiziente „Gießkannenförderung“ durch Prämien für nachhaltiges Wirtschaften und Naturschutzleistungen ersetzt.

Insgesamt fließen derzeit 40 Prozent des EU-Haushalts, das sind jährlich rund 60 Milliarden Euro, in die Landwirtschaft. Das entspricht im Durchschnitt 112 Euro pro EU-Bürger und Jahr. Die EU-Förderung besteht zum größten Teil aus pauschalen Flächenprämien ohne konkrete Gegenleistung – in Deutschland sind das pro Hektar rund 300 Euro. Diese nach Ansicht des NABU äußerst ineffiziente Agrarpolitik hält weder das Höfesterben auf, noch wird sie dem Klima- und Naturschutz gerecht. Sie liefert Anreize zur Intensivierung und stellt nicht genug Geld für Umweltleistungen zur Verfügung.

Neues Modell nutzt Natur und Landwirten gleichermaßen

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„Fit, fair und nachhaltig“ – Vorschläge für eine neue EU-Agrarpolitik – Grafik: NABU

Das neue von den Agrarökonomen und -ökologen entwickelte Modell kann Natur und Landwirten gleichermaßen nutzen: Anhand konkreter Beispiele zeigt die Studie, dass Betriebe, die in Zukunft mindestens zehn Prozent ihres Ackerlands oder 20 Prozent ihres Grünlands als ökologisch hochwertige Flächen bewirtschaften und diese gezielt anlegen, finanziell mindestens genauso gut oder besser gestellt sein werden als bisher.

Das Plus beträgt meist fünf bis zehn Prozent im Gesamtbetriebsergebnis, zum Teil auch darüber, wobei Ertragseinbußen durch die geringere Produktion bereits berücksichtigt sind. Dadurch entstehen wichtige Perspektiven gerade für Betriebe auf weniger ertragreichen Standorten.

„Es ist wichtig, dass weiterhin EU-Gelder bei Bauern und Waldbesitzern ankommen. Diese Gelder müssen aber auf diejenigen konzentriert werden, die wirklich Mehrwert für die Gesellschaft erbringen, und zwar über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus“, so Dr. Rainer Oppermann, Autor der Studie.

Betriebe, die nur die Mindeststandards der Umweltgesetze einhalten wollen, können das tun – erhalten dann aber kein Geld mehr vom Steuerzahler. Durch diese Umstellung kann die Agrarförderung gegenüber der bisherigen Praxis wesentlich umwelt- und naturfreundlicher und gegenüber Landwirten wie Steuerzahlern weitaus fairer gestaltet werden.

Pressekontakt:
NABU
Charitéstraße 3, 10117 Berlin
Angelika Lischka
Referentin für Agrarpolitik
Angelika.Lischka@NABU.de
+49 30 284 984-1627

Quelle: NABU

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