„Neue Bauernregeln“: Bauer Willi folgt Einladung von Frau Hendricks

Frau Hendricks, packen wir´s an!

Positiv denken, den Konsens suchen, auch wenn es schwer fällt. Deshalb dieser Brief an Frau Hendricks:

Sehr geehrter Frau Hendricks,

Sie möchten ja gerne in den Dialog mit den Bauern kommen. Sie möchten sich mit uns unterhalten, wie wir die Landwirtschaft nachhaltiger und zukunftssicherer machen können und dazu noch ein gutes Einkommen erzielen. Und da habe ich jetzt einen Vorschlag bei dem Sie sich und Ihre Vorstellungen vom Ackerbau selbst verwirklichen können. Und der Vorschlag lautet so:

Vor meinem Büro ist ein Feld, das zwei Hektar groß ist. Dort habe ich im Herbst Weizen eingesät. Mehr ist bisher nicht gemacht worden. Dieses Feld möchte ich gerne mit Ihnen teilen. Einen Hektar davon bewirtschafte ich. Sie bekommen den anderen Hektar, den Sie so bewirtschaften können, wie es Ihren Vorstellungen entspricht. Sie können dort düngen, oder auch nicht. Sie können dort Herbizide ausbringen, striegeln oder das Unkraut stehen lassen. Sie können Pilzkrankheiten mit Fungiziden behandeln oder auch nicht. Wenn Blattläuse kommen entscheiden Sie, was gemacht werden soll.

Sie sagen mir, was gemacht werden soll und ich mache das. Selber machen dürfen Sie das leider nicht, weil Sie keinen Sachkundenachweis haben. Den Aufwand, also Arbeit, Maschinen, Treibstoff und andere Betriebsmittel,  bezahlen Sie mir. Was Sie allerdings übernehmen müssten, sind die Dokumentationspflichten: Düngeplanung, Düngebilanz, Schlagkartei, EU-Antrag, Antrag auf Dieselrückvergütung, diverse Meldungen an Datenbanken und so weiter. Alle Vorschriften fallen mir im Augenblick nicht ein, aber das kann ich nachliefern. Die EU-Prämie bekommen Sie natürlich auch. „Kleinigkeiten“ wie Hagelversicherung, Kammerbeitrag, Berufsgenossenschaft etc. lassen wir mal außen vor, wird ja sonst auch zu kompliziert. Und weil ich ein großzügiger Mensch bin und es mir um Dialog geht, verzichte ich sogar auf eine Pachtzahlung.

Aber nur, weil Sie es sind.

Im Herbst ernten wir dann den Weizen. Den Ertrag von Ihrem Hektar und meinem Hektar fahren wir getrennt in unsere Genossenschaft. Sie können jetzt schon Vorkontrakte machen. Was das ist und wie das geht, erkläre ich Ihnen gerne. Sie können den Weizen auch später verkaufen, ganz wie Sie wollen und das für richtig halten.

Wenn dann Ihr Weizen und mein Weizen verkauft ist, ziehen wir einen Strich drunter und schauen, welches Feld besser abgeschnitten hat. Und dann unterhalten wir uns gemeinsam darüber, woher die Unterschiede kommen. Sollte Ihr Gewinn niedriger ausfallen als meiner, müssen Sie mir die Differenz ersetzen. Aber keine Angst, das dürfte bei einem Hektar nicht mehr als paar hundert Euro sein. Das fällt bei Ihrem Gehalt bestimmt nicht in´s Gewicht und Sie dürfen das auch gerne abstottern. Falls es anders herum ausgeht, bekommen Sie natürlich die Differenz von mir. Ich bin ja fair.

Und jetzt freue ich mich auf Ihre Antwort, ob Sie auf diesen Vorschlag eingehen.

Ihr Bauer Willi

P.S.: Und wenn Sie ein paar Bauernregeln brauchen, da kann ich Ihnen auch helfen. Das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen …

Quelle: Bauer Willi

Hier geht’s zur Homepage von Bauer Willi und die Leserkommentare zu seinem Brief an Frau Hendricks.

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