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„Versteckten“ Zucker gibt es nicht

Rubrik(en): Pressefach Detlef Brendel -> Pressefächer pr4food |
19. April 2017, 18:28 Uhr | Autor: Detlef Brendel | |

Ernährungsideologen verunsichern die Verbraucher.

Zucker gilt vielen Ernährungsideologen seit Jahren als Feind Nr. 1 der Menschheit. Dieser früher als „weißes Gold“ geschätzte Nährstoff soll dick, krank und süchtig machen. Wis­senschaftlich betrachtet sind diese Behauptungen schlicht falsch. Zucker hat bereits 1989 von der FDA (Food and Drug Administration), der obersten US-Gesundheitsbehörde, den GRAS-Status (generally recognized as safe) erhalten und es gibt bislang keine neuen Erkenntnisse, die der Behörde Anlass für eine Korrektur gegeben hätten. Dennoch kommt kaum eine Ernährungs- oder Gesundheits-Diskussion ohne eine generelle Verteufelung von Zucker aus.

Diese ideologisch begründete Diskriminierung von Zucker hat Folgen: Die Verbraucher sind in erheblichem Maße verunsi­chert. So treibt mittlerweile nicht wenige Konsumenten die Sorge um, beim Einkauf im Supermarkt zu Lebensmitteln mit „verstecktem“ Zucker zu greifen. Fakt ist allerdings: Der Ge­samtzuckergehalt bezogen auf 100 Gramm bzw. 100 Milliliter ist auf jedem Etikett angegeben, und zwar unabhängig davon, ob der Zucker bei der Zubereitung zugefügt wurde oder bereits von Natur aus in den Nahrungsmitteln enthalten ist. In der Zuta­tenliste finden interessierte Verbraucher zudem genaue Anga­ben darüber, welche Zuckerarten verwendet wurden. Die im­mer wieder als große Überraschung überbrachte Nachricht, dass z. B. in Ketchup nicht nur Tomaten, sondern auch Zucker enthalten ist, grenzt an Volksverdummung.

Aber solche schlauen ernährungswissenschaftlichen Erkennt­nisse zeigen Wirkung, allerdings nicht im Kampf gegen Über­gewicht und daraus resultierende Krankheiten. Im Gegenteil: Laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinsti­tuts Innofact glauben 66 Prozent der Verbraucher, dass Pro­dukte mit wenig Zucker kalorienärmer sind. Das ist jedoch eine falsche Annahme. Oft wird bei solchen Lebensmitteln Zucker durch andere Zutaten ersetzt, die sogar mehr Kalorien enthal­ten.

Ebenso falsch ist deshalb die Ansicht, die 52 Prozent der Bundesbürger vertreten, dass sie guten Gewissens von zucker­reduzierten Lebensmitteln mehr essen können. Wenig verwun­derlich ist aus diesem Grund, dass Menschen, die Zucker mei­den, dadurch keineswegs zwangsläufig ihre Energiebilanz ver­bessern, sondern oftmals sogar verschlechtern.

„Das weit ver­breitete Feindbild Zucker verhindert eine Debatte über die ei­gentlichen Ursachen für die Übergewichts-Epidemie, an vor­derster Stelle dem zunehmend bewegungsärmeren Lebens­stil“, mahnt der Wirtschaftspublizist Detlef Brendel, Co-Autor des gesellschaftskritischen Buches „Die Zucker-Lüge“ (Ludwig-Verlag). Statt sich vor dem angeblich versteckten Zucker in Le­bensmitteln zu fürchten, sollten sich die Menschen lieber Ge­danken darüber machen, wie sie ihre Energiebilanz durch mehr körperliche Aktivität, Abbau von Stress und regelmäßigen Schlaf optimieren können.

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