Was das Herz begehrt: Obst und Gemüse halten das Herz-Kreislauf-System fit

Fünf am Tag – schon seit den neunziger Jahren lautet so die Empfehlung internationaler Ernährungsgesellschaften. Gemeint ist damit der Verzehr von mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse täglich. Sie sollen zum Schutz der Bevölkerung vor Zivilisationskrankheiten beitragen. Für diesen Effekt verantwortlich gemacht werden neben Vitaminen und Mineralstoffen die sekundären Pflanzenstoffe: Was den Pflanzen Farbe, Duft und Aroma verleiht, kann wissenschaftlichen Studien zufolge das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren.

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems nehmen weltweit immer weiter zu. Was lange Zeit ein Problem der Industrienationen war, breitet sich nach und nach auch auf Länder mit niedrigem Einkommen aus. Dabei kann der Entstehung der Krankheit und ihren Folgen durch einfache Änderungen des Lebensstils vorgebeugt werden. So werden Übergewicht, erhöhte Cholesterinspiegel und Bluthochdruck – die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – durch Bewegung und eine ausgewogene Ernährung positiv beeinflusst. Insbesondere die in pflanzlichen Lebensmitteln enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe gelangten in diesem Zusammenhang in den Fokus der Ernährungsforschung.

Die Mittelmeerkost zur Risikosenkung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Ein hoher Anteil sekundärer Pflanzenstoffe findet sich beispielsweise in der mediterranen Ernährungsweise. Denn die Grundlage der Mittelmeerkost bilden pflanzliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Nüsse und hochwertige Olivenöle. Welche Effekte die mediterrane Ernährung auf die Gesundheit hat, wird in einer aktuellen Studie mit mehr als 1.139 Risikopatienten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. Dabei wurde auch die Aufnahme von Polyphenolen – einer bestimmten Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe – gemessen.

Eine Gegenüberstellung des Polyphenol-Gehalts im Urin mit verschiedenen Markern für das Herz-Kreislauf-Risiko zeigte: Je höher die Aufnahme und damit auch die Ausscheidung der sekundären Pflanzenstoffe, desto niedriger der Blutdruck der Probanden.1 Auch hinsichtlich der Blutfettwerte war ein positiver Effekt zu beobachten. Die Studie liefert damit einen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Polyphenol-Gehalt in der Nahrung und einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Was dem Auge hilft, hilft auch dem Herz?

Das Lutein, ein sekundärer Pflanzenstoff, ist für seinen positiven Effekt für die Augengesundheit bereits bekannt. Mittlerweile geht man aber auch von einem Benefit für das Herz-Kreislauf-System aus. Der Pflanzenfarbstoff ist natürlicherweise vor allem in Spinat oder Grünkohl zu finden. Bislang gibt es keine Empfehlungen zur Aufnahme von Lutein, aber eine Zusammenfassung vieler Studien zeigt, dass eine höhere Aufnahme mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden ist. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher nach Auswertung von insgesamt 71 Studien. (2) Vermutet wird, dass Lutein nicht nur lokal, wie beispielsweise am Auge wirkt, sondern systematisch eine anti-entzündliche Wirkung hat.

Da viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Entzündungen einhergehen, könnte eine Unterdrückung das Entstehen oder Fortschreiten der Erkrankungen hinauszögern. Auch eine aktuelle Studie, in der 193 Teilnehmer mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems untersucht wurden, macht Hoffnung. Patienten mit hohen Lutein-Werten im Blut wiesen gleichzeitig niedrige Entzündungsmarker auf. (3)

Ernährungssituation in Deutschland stimmt bedenklich

Zwar existieren keine Daten zur Aufnahme sekundärer Pflanzenstoffe in der Ernährung der deutschen Bevölkerung – die Ergebnisse des 13. Ernährungsberichts der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) stimmen in diesem Zusammenhang jedoch bedenklich. Denn sowohl der Konsum von frischem Obst als auch der Verzehr pflanzlicher Öle erlebt seit einigen Jahren einen Abwärtstrend. Allein der jährliche Pro-Kopf-Verzehr von Tafeltrauben nahm von 2007 bis 2015 um ganze 2 Kilogramm ab. (4) Die Empfehlung „Fünf am Tag“, wie sie schon seit vielen Jahren besteht, verliert vor dem Hintergrund zunehmender Herz-Kreislauf-Erkrankungen daher nicht an Aktualität.

[1] Medina-Remón A, Casas R et al.; Polyphenol intake from a Mediterranean diet decreases inflammatory biomarkers related to atherosclerosis: a substudy of the PREDIMED trial. Br J Clin Pharmacol (2017)Jan; 83(1): 114-128.

[2] Leermakers ET, Darweesh SK, Baena CP, et al. The effects of lutein on cardiometabolic health across the life course: a systematic review and meta-analysis. Am J Clin Nutr. 2016 Feb;103(2):481-94. doi: 10.3945/ajcn.115.120931.

[3] Chung RWS, Leanderson P, et al. Lutein exerts anti-inflammatory effects in patients with coronary artery disease. Atherosclerosis. 2017 Jul;262:87-93. doi: 10.1016/j.atherosclerosis.2017.05.008.

[4] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 13. DGE-Ernährungsbericht. Bonn (2016)

Quelle: GIVE e.V.

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