Mikronährstoffversorgung von Senioren – die Sorgenkinder in der Bevölkerung

Die Gefahr einer unzureichender Mikronährstoffversorgung steigt mit zunehmendem Alter ab 65 Jahren deutlich an. Die adäquate Versorgung älterer Menschen stellt angesichts sinkenden Energiebedarfs im Alter eine besondere Herausforderung dar. Neben dem normalen Alterungsprozess verändern auch chronische Erkrankungen den Bedarf an Nährstoffen.

Der demographische Wandel führt zu einem immer größer werdenden Anteil pflegebedürftiger Personen in Deutschland. Aktuelle Prognosen rechnen mit einem Anstieg von 31 % der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030. (1) Im Vordergrund bei den meisten Untersuchungen zur Beurteilung der Ernährungssituation älterer Menschen stehen Personen in Pflegeeinrichtungen.

Neben den individuellen Bedürfnissen der einzelnen Pflegeheim-Bewohner kommen hier noch personelle, betriebliche und organisatorische Erschwernisse hinzu, die eine adäquate Ernährung der Senioren beeinflussen. Im Gegensatz zur Gemeinschaftsverpflegung in Schulen oder Firmen müssen im Pflegeheim alle Speisen und Getränke eines gesamten Tages geplant, organisiert und verwirklicht werden. Zudem ist der Aufenthalt der Bewohner meist nicht temporär, sondern über die gesamte verbleibende Lebenszeit.

Warum Senioren häufig von einer unzureichenden Versorgung betroffen sind

In einer kürzlich veröffentlichten Arbeit zu den Ergebnissen der KORA-Age-Studie stellte die deutsche Helmholtz Gemeinschaft die wichtigsten Gründe für das Risiko einer möglichen Unterversorgung im Alter vor. (2) Hierzu wurden insgesamt 1079 Teilnehmer zwischen 65 und 93 Jahren untersucht und befragt. Als wichtigste Risikofaktoren benennen die Autoren drei Punkte: (i) Der Energiebedarf sinkt durch Verlust der Muskelmasse und die geringe körperliche Aktivität; (ii) altersbedingte körperliche Veränderungen beeinflussen die Aufnahme oder die Verwertung von Mikronährstoffen und (iii) chronische Erkrankungen, Medikamenteninteraktionen und die Qualität der Ernährung können eine ausreichende Versorgung behindern.

Im besonderen Fokus hatten die Forscher die Mikronährstoffe Vitamin D, Vitamin B12, Folat und Eisen. Mehr als die Hälfte der über 65-Jährigen wies niedrige Vitamin-D-Spiegel auf und mehr als ein Viertel hatte niedrige Vitamin-B12-Spiegel. Dies sind besorgniserregende Zahlen, da eine unzureichende Versorgung Krankheitsverläufe verschlimmern kann und häufig im Zusammenhang mit der Entstehung von Demenz steht. Wenig Hoffnung machen die Zahlen zur Nährstoffsupplementation – gerade mal 10 % der Teilnehmer gaben an, regelmäßig Supplemente mit den Mikronährstoffen Vitamin D, Vitamin B12 und Folat einzunehmen. (2)

Im Folgenden sind altersbedingte Veränderungen der Gesundheits- und Lebenssituation mit Einfluss auf die Ernährung zusammengestellt: (3)

  • Körperliche Funktionen: Kauprobleme, Schluckbeschwerden, Mobilitätseinschränkungen, Immobilität
  • Geistige und psychische Verfassung: Verwirrtheit, Demenz, Verwitwung, Trauer, Depression
  • Soziale und finanzielle Situation: Einsamkeit, soziale Isolation, unbefriedigende Situation im Heim, Armut
  • Gesundheitszustand: Akute und chronische Erkrankungen, Schmerzen, Einnahme von (mehreren) Medikamenten

Einige kritische Nährstoffe im Detail

Vitamin D – Das Sonnenvitamin wird größtenteils mit Hilfe der UV-Strahlung in der Haut gebildet. Mit zunehmendem Alter verliert die Haut die Fähigkeit, das Vitamin zu bilden. So sinkt die Eigensynthese der Haut eines 70-Jährigen um etwa 75 % im Vergleich zur Vitaminsynthese eines 20-Jährigen bei gleicher Sonnenexposition. (4) Vitamin D erfüllt beispielsweise wichtige Funktionen im Immunsystem. (5) Eine ausreichende Versorgung ist daher für eine effektive Abwehr von Viren und Bakterien essentiell.

Vitamin B12 – Niedrige Vitamin B12-Spiegel sind meist Zeichen einer unzureichenden Resorption. Hierfür gibt es im Alter mehrere Gründe. Zum einen nimmt die Produktion der Magensäure ab, die für die Aufnahme des Vitamins wichtig ist. Auch chronische Magenschleimhautentzündungen, die bei älteren Menschen häufig vorkommen, behindern die Aufnahme. Des Weiteren kann die Einnahme von Medikamenten zu einer verschlechterten Resorption führen. Hierzu gehören beispielsweise Säureblocker (z.B. bei Sodbrennen) oder auch Medikamente, die bei Typ-2-Diabetes zum Einsatz kommen (Metformin).

Folat – Eine unzureichende Versorgung mit Folsäure ist eine häufige Begleiterscheinung von niedrigen Vitamin-B12-Spiegeln. Eine Unterversorgung mit Folsäure ist nicht nur bei älteren Menschen, sondern auch in Teilen der Allgemeinbevölkerung verbreitet. Meistens ist der Grund ein geringer Verzehr von Folat-Lieferanten wie grünes Gemüse oder Hülsenfrüchte. Eine geeignete Nahrungsmittelauswahl oder gezielte Supplemente können bei Bedarf die Versorgungslücke schließen.

Calcium – Spröde Knochen sind häufig eine Spätfolge einer unzureichenden Calciumversorgung. Vor allem ältere Frauen erkranken häufig an Osteoporose und neigen dadurch zu Knochenbrüchen bei geringster Belastung. Schon in jungen Jahren ist eine ausreichende Versorgung wichtig, um die Knochenstabilität im späteren Lebensalter aufrechtzuerhalten.

[1] 13. Ernährungsbericht, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2016
[2] Conzade R, Koenig W, Heier M. Prevalence and Predictors of Subclinical Micronutrient Deficiency in German Older Adults: Results from the Population-Based KORA-Age Study. Nutrients. 2017 Nov 23;9(12). pii: E1276. doi: 10.3390/nu9121276.
[3] Nach: Biesalski H, Bischoff SC, Puchstein C. Ernährungsmedizin; 4. Auflage, ISBN: 978-3-13-100294-5
[4] von Essen MR, Kongsbak M, Schjerling P et al. Vitamin D controls T cell antigen receptor signaling and activation of human T cells. Nat Immunol. 2010 Apr;11(4):344-9. doi: 10.1038/ni.1851.
[5] Holick MF. Sunlight and vitamin D for bone health and prevention of autoimmune diseases, cancers, and cardiovascular disease. Am J Clin Nutr. 2004 Dec;80(6 Suppl):1678S-88S.

Quelle und Pressekontakt GIVE e.V.

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