Wie sieht die Zukunft der gesundheitlichen Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln aus?

Workshop am BfR zur Optimierung und Harmonisierung des Verfahrens der Risikobewertung.

Welche Strategien zur Sicherung einer unabhängigen und transparenten Risikobewertung gibt es? Wie kann der wissenschaftliche Dialog zwischen den verschiedenen Stakeholdern verbessert werden? Diese und andere Fragen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter der EU-Kommission, der europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA), der Mitgliedstaaten, der Industrie und von Nichtregierungsorganisationen am 23. und 24. November 2017 in einem Workshop zur Harmonisierung und Weiterentwicklung der Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und die Europäische Kommission hatten die rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen, um insbesondere über Themen zu diskutieren, die regelmäßig kontroverse Debatten in der Öffentlichkeit auslösen. Der Workshop war eine Folgeveranstaltung einer bereits im Jahr 2015 von der EU-Kommission organisierten Dialogveranstaltung.

Bei der Genehmigung von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen hat sich seit 1991 ein leistungsstarkes und wissenschaftlich fundiertes Regulierungssystem in Europa etabliert. Dieses sollte weiter ausgebaut, optimiert und harmonisiert werden. Angesichts der aktuellen öffentlichen Diskussion über mögliche gesundheitliche Risiken von Pflanzenschutzmitteln sind vor allem aber Anstrengungen erforderlich, um noch mehr Transparenz in den regulatorischen Verfahren der Risikobewertung zu schaffen. Ein Ergebnis des Workshops war unter anderem die Empfehlung, dass die Antragsteller ihre wissenschaftlichen Originaldaten veröffentlichen sollten, um den Bewertungsprozess im Detail vollständig nachvollziehbar zu machen. Den wissenschaftlichen Bewertungsbehörden ist dies aufgrund der geltenden gesetzlichen Vorschriften nur eingeschränkt möglich.

Download: Vorträge des Workshops

Der erste Themenbereich befasste sich mit der Frage, wie eine unabhängige und verlässliche Risikobewertung gewährleistet werden kann. Die Expertinnen und Experten unterstrichen, dass bereits verschiedene Maßnahmen etabliert worden sind, so z.B. die öffentliche Kommentierungsphase im Rahmen der Wirkstoffprüfung auf EU-Ebene. Die EU-Bewertung ist zudem in allen Stufen für die Öffentlichkeit über die EFSA-Website zugänglich und nachvollziehbar. Es bestand Einigkeit darüber, dass sowohl Studien der Antragssteller als auch veröffentlichte Literatur einer einheitlichen Qualitätsprüfung unterzogen werden müssen und in beiden Fällen auch die zugrunde liegenden Studienergebnisse einfach zugänglich sein sollten.

Diskutiert wurde zudem die Frage, wie der wissenschaftliche Dialog zwischen Bewertungsbehörden und anderen Stakeholdern, insbesondere Nichtregierungsorganisationen (NGOs), verbessert werden kann. Expertinnen und Experten von NGOs empfahlen eine noch stärkere Einbindung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Zivilgesellschaft und der Universitäten in den Prozess der Risikobewertung. Die Bewertungsbehörden regten eine intensivere Beteiligung in den entsprechenden Expertengremien der Behörden an. Einigkeit bestand darin, dass mehr Transparenz das Vertrauen in den Bewertungsprozess fördert. Der zweite Teil des Workshops befasste sich mit der Implementierung neuer Konzepte zur Bewertung von Mischungen sowie der Bewertung von Abbauprodukten der Pflanzenschutzmittelwirkstoffe.

Die Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer waren sich einig, dass die kumulativen Effekte zwischen Wirkstoffen und Beistoffen in der Bewertung stärker berücksichtigt werden sollten.

Der Vertreter der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG SANTE) der EU-Kommission begrüßte den offenen und kritischen Meinungsaustausch, der einen wichtigen Schritt für eine verbesserte Kommunikation zwischen den europäischen Bewertungsbehörden, Mitgliedstaaten und Stakeholdern darstellt. Die Diskussionen und Lösungsvorschläge sollen auch bei der anstehenden Überprüfung der europäischen Gesetzgebung für Pflanzenschutzmittel berücksichtigt werden.

Bei dem Workshop „Wie sieht die Zukunft der gesundheitlichen Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln aus?“ handelte es sich um eine Folgeveranstaltung einer bereits im Jahr 2015 durchgeführten Dialogveranstaltung der EU-Kommission zur Risikobewertung der Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln.

Weitere Informationen auf der BfR-Website zum Thema Pflanzenschutzmittel

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Quelle und Pressekontakt BfR

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