Weitermachen wie bisher ist keine Option mehr – Die neue Vision des Kakaosektors wird in der Berliner Erklärung vorgestellt

Wird sich mit Berlin der Durchbruch für einen nachhaltigen Kakaosektor verbinden? In der Berlin Declaration, der Abschlusserklärung der 4. Weltkakaokonferenz, die am Mittwoch zu Ende ging, formulierten die Delegierten eine deutliche Botschaft: Einen nachhaltigen Kakaosektor wird es nur geben, wenn die Kakaobäuerinnen und -bauern von ihrem Einkommen auch angemessen und existenzsichernd leben können. Dies liegt in der Verantwortung aller Beteiligten und sollte von diesen als gemeinsame Aufgabe angegangen werden.

Dringend notwendig ist dafür die zielorientierte Zusammenarbeit der beteiligten Akteure, sowohl auf lokaler als auch auf nationaler und internationaler Ebene. In Deutschland geschieht dies bereits mit dem Forum Nachhaltiger Kakao. Hier arbeiten die Bundesregierung, vertreten durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die deutsche Süßwarenindustrie, der Lebensmittelhandel und die Zivilgesellschaft gemein­sam für einen nachhaltigen Kakaosektor. Auf der Weltkakaokonferenz wurde diese Multistakeholder-Initiative immer wieder als beispielgebend genannt. Die Mitglieder des Forums trugen mit zahlreichen Vorträgen und in den Diskussionen der Arbeitsgruppen zur Vorbereitung der Abschlusserklärung mit ihren Erfahrungen und Standpunkten bei.

Die Forderung nach einem existenzsichernden Einkommen (Living Income) ist das sicher bedeutendste Ergebnis dieser 4. Weltkakaokonferenz. Die rund 1.500 Teilnehmenden aus 65 Ländern, darunter die verantwortlichen Minister aus sieben Anbauländern, verständigten sich zudem darauf, dass die Lösungsansätze sich im Umfang an der Größe des Problems orientieren müssen. Die Herausforderungen seien dringend und alle Beteiligten von ihnen betroffen, so Jean-Marc Anga, der Vorsitzende der Internationalen Kakao-Organisation (ICCO).

Weitere Handlungsbereiche, die in die Abschlusserklärung aufgenommen wurden und sich so auch mit den Zielen des Forum Nachhaltiger Kakao decken, sind: Kinderarbeit unterbinden, Frauen stärken, Farmerorganisationen professionalisieren, Entwaldung stoppen, Transparenz entlang der Lieferkette schaffen sowie geeignete Maßnahmen seitens der Regierungen der Produzenten- und der Konsumentenländer veranlassen.

Schon in ihrer Eröffnungsrede zur 4. Weltkakaokonferenz hatte Bundeslandwirt­schaftsministerin Julia Klöckner die selbst auferlegte Verantwortung der Bundesregierung für Nachhaltigkeit angesprochen: „Wir wollen Initiativen für nachhaltige Lieferketten unterstützen. Darauf haben wir uns auch im Koalitionsvertrag verständigt“, sagte Klöckner. Das Forum Nachhaltiger Kakao sei ein Leuchtturmprojekt für Nachhaltigkeit. Zum Begriff der Nachhaltigkeit sagte die Ministerin: „Wir brauchen eine klare Regulierung, was nachhaltiger Kakao ist.“ Und weiter: „Zertifizierter Kakao muss frei sein von Kinderarbeit.“

Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Maria Flachsbarth, sagte in ihrer Rede am Schlusstag der 4. Weltkakaokonferenz, sie sei beeindruckt von den Ergebnissen und der ambitionierten Zielsetzung: „Diese Konferenz war mit der Verabschiedung der Berliner Erklärung ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einem nachhaltigen Kakaosektor. Business as usual‘ ist nicht mehr möglich.“

Als Beispiel für Vorhaben, die sowohl das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) als auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bereits unterstützen, nannte Flachsbarth das Projekt PRO-PLANTEURS. „In dem Projekt PRO-PLANTEURS, das die Bundesregierung, das Forum Nachhaltiger Kakao und die Regierung der Elfenbeinküste gemeinsam umsetzen, unterstützen wir Kleinbauern und
-bäuerinnen dabei, Unternehmer zu werden“, sagte Flachsbarth.

Der Vorsitzende des Forum Nachhaltiger Kakao, Wolf Kropp-Büttner, verwies auf die Notwendigkeit von Zusammenschlüssen. Er sagte: „Die deutschen Akteure allein haben zu wenig Einfluss, um die notwendigen Veränderungen im Sektor zu erreichen. Wir müssen uns auf internationaler Ebene vernetzen.“ Die Weltkakaokonferenz habe auch dafür wichtige Grundlagen geschaffen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir einen guten Schritt vorangekommen sind“, so Kropp-Büttner weiter. „Nachhaltigkeit ist ein Prozess. Die Mitglieder des Forum Nachhaltiger Kakao begleiten und gestalten ihn.“

Das Forum Nachhaltiger Kakao arbeitet bereits zu Themen wie Waldschutz und Stärkung der Frauen auf internationaler Ebene eng mit der Weltkakaostiftung (WCF) zusammen. Anfang des Jahres wurde eine Absichtserklärung mit der Schweizer Plattform für Nachhaltigen Kakao unterschrieben. In Berlin wurden die bestehenden Beziehungen ausgebaut und neue Kontakte zu weiteren Partnern geknüpft. „Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass die Weltkakaoagenda gelebt wird und die Forderungen der Berlin Declaration konkrete Umsetzung erfahren“, sagte der Vorsitzende Kropp-Büttner.

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