Selen – früher toxisch, heute essentiell

Selen
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Selen muss als Spurenelement dem Körper nur in minimalen Mengen zugeführt werden. Trotzdem erreicht die europäische Bevölkerung die empfohlene Zufuhrmenge meist nicht. Da Selen als Bestandteil von Enzymen für den Schutz der Körperzellen fungiert, wird eine unzureichende Zufuhr mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht.

Im Jahre 1817 stößt der schwedische Chemiker Jöns Jakob Berzelius das erste Mal auf das Element Selen, hält es aber der Ähnlichkeit wegen für Tellur. Die Namensgebung erfolgte ein Jahr später – neben Tellur (griechisch Erde) gibt es nun das neue Element Selen (griechisch Mond). Lange Zeit galt Selen als toxisch und wurde erst im Jahr 1957 auf die Liste essentieller Spurenelemente für den Menschen gesetzt.

Die Keshan-Krankheit, eine Erkrankung des Herzmuskels, ist unter anderem auf einen schwerwiegenden Selenmangel zurückzuführen. Benannt ist sie nach einer extrem selenarmen ländlichen Gegend einer nordostchinesischen Provinz. Dort konnte das Auftreten der Krankheit durch prophylaktische Zufuhr von Selensupplementen eingedämmt werden.

Empfehlungen und Versorgungssituation – Deutsche Böden sind arm an Selen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt als Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr für Erwachsene Männer 70 Mikrogramm und für Frauen 60 Mikrogramm pro Tag an. Für Stillende erhöht sich der tägliche Bedarf auf 75 Mikrogramm. (1) In Worten klingen die Empfehlungen minimal, trotzdem stimmen Daten aus mehreren Studien zur Versorgungssituation in Europa nachdenklich (2), auch wenn aktuelle Daten zur Selenzufuhr in Deutschland nicht vorliegen. Lediglich Finnland kann durch sein Anreicherungs-Programm aus den 1980er Jahren eine adäquate bevölkerungsweite Selenversorgung vorweisen.

Die aktuelle Forschung geht von einer U-förmigen Beziehung zwischen dem Selenspiegel im Blut und der Entstehung von Krankheiten aus. Sowohl eine zu geringe Zufuhr an Selen als auch ein Spiegel über 140 Mikrogramm pro Liter führen über einen gewissen Zeitraum zu gesundheitlichen Problemen. (3)

Die Selenaufnahme variiert stark mit dem Selengehalt der Erde. In Deutschland sind die Böden sehr selenarm, verglichen mit dem Selengehalt der Erde in den USA. Somit stellen Kohl- oder Zwiebelgemüse sowie Spargel und Hülsenfrüchte, die eigentlich gut Selen einlagern können, keine bedeutende Quelle für das Spurenelement in Deutschland dar. Eine Information, die vor allem für Vegetarier und Veganer bedeutsam ist. Hierzulande tragen viel eher tierische Lebensmittel zur Selenaufnahme bei. In der Europäischen Union darf Tierfutter mit Selen angereichert werden. Somit sind in Deutschland tierische Produkte wie Fleisch, Fisch und Eier zuverlässigere Selenquellen.

Bedeutsam sowohl für die männliche als auch die weibliche Fruchtbarkeit

Selen ist Bestandteil der Aminosäure Selenocystein und damit essentiell für die Bildung selenhaltiger Proteine, der Selenoproteine. Zu diesen Proteinen zählen verschiedene Enzyme, die beispielsweise am Schutz der Zellen vor Radikalen oder der Steuerung der Schilddrüsenhormone beteiligt sind.

Welche Folgen ein Selenmangel mit sich bringt, ist noch nicht endgültig erforscht.  Aktuelle Untersuchungen lassen vermuten, dass eine unzureichende Selenzufuhr das Immunsystem beeinträchtigt und auch die Fruchtbarkeit negativ beeinflusst werden kann. (3)

Die Spermienqualität profitiert von einer ausreichenden Selenaufnahme – so verbesserte die tägliche Einnahme von 100 Mikrogramm Selen die Beweglichkeit der Spermien bei Männern mit verminderter Fruchtbarkeit. Die Rolle des Spurenelements bei der weiblichen Fruchtbarkeit ist bislang noch unklar. Jedoch beobachteten Forscher einen deutlich niedrigeren Selenspiegel im Blut von Frauen, die im ersten Trimester eine Fehlgeburt erfahren mussten als bei gesunden schwangeren Frauen. (4)

[1] https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/selen/ abgerufen am 27.03.2018

[2] Stoffaneller R, Morse NL. A review of dietary selenium intake and selenium status in Europe and the Middle East. Nutrients. 2015 Feb 27;7(3):1494-537. doi: 10.3390/nu7031494.

[3] Duntas LH, Benvenga S. Selenium: an element for life. Endocrine. 2015 Apr;48(3):756-75. doi: 10.1007/s12020-014-0477-6.

[4] Rayman MP. Selenium and human health. Lancet. 2012 Mar 31;379(9822):1256-68. doi: 10.1016/S0140-6736(11)61452-9.

Quelle: GIVE e.V.

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