EFSA will in Zukunft unangemessene Nähe zur Industrie vermeiden

Gemeinsame Publikationen von Angestellten der EFSA mit der Gentechnik-Industrie werden untersagt.

In Reaktion auf ein Schreiben von Testbiotech hat der der Geschäftsführer der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, Bernhard Url, angekündigt „sicherzustellen, dass die Angestellten der EFSA in Zukunft keine gemeinsamen Publikationen mit Industrie-Experten verfassen“. Testbiotech hatte sich bei der Behörde über eine Veröffentlichung zu den Risiken des Anbaus von gentechnisch verändertem Mais in Spanien beschwert.

Der Verfasser ist Yann Devos, der für die EFSA arbeitet. Einer der Co-Autoren, Alan Raybould, arbeitet für den Konzern Syngenta, der das Saatgut für gentechnisch veränderten Mais verkaufen will. Jetzt sollen derartige Publikationen nicht länger erlaubt sein. Wie die EFSA in ihrem Schreiben an Testbiotech feststellt, „könnten derartige Fälle den Eindruck einer unangemessenen Nähe von Mitarbeitern der EFSA zur Industrie erwecken.“

„Wir halten es für eine wichtige Entscheidung, dass es in Zukunft keine gemeinsamen Publikationen von Mitarbeitern der EFSA und der Industrie mehr geben soll“, sagt Christoph Then für Testbiotech. „Jedoch sehen wir Bedarf an generellen Richtlinien, aus denen hervorgeht, wie die ExpertInnen der EFSA in Zukunft eine unangemessene Nähe zur Industrie und Interessenkonflikte noch konsequenter vermeiden können.“ In diesem Zusammenhang mahnt Testbiotech insbesondere klare Richtlinien für die Teilnahme von ExpertInnen der EFSA an Projekten, Tagungen und Workshops der Industrie an.

So entstand die zweifelhafte Publikation auf einer Konferenz in Mexiko, die 2017 von der „International Society for Biosafety Research“ (ISBR) veranstaltet wurde. Die Finanzierung der ISBR ist weitgehend intransparent. Es ist allerdings bekannt, dass Konferenzen dieser Organisation regelmäßig von Konzernen wie Monsanto, Bayer, DowDuPont und Syngenta sowie der internationalen Vereinigung der Agrogentechnik, CropLife International, gesponsert werden. 2016 war Yann Devos, angestellter Experte der EFSA, als Programmdirektor für die ISBR tätig.

Für Testbiotech wird daraus klar, dass es keine ausreichenden Beschränkungen für eine Zusammenarbeit von Angestellten der EFSA mit den ExpertInnen der von ihr kontrollierten Industrie gibt. Die EFSA ist nicht die einzige Behörde mit diesen Problemen: Vor wenigen Wochen erschien eine weitere Publikation von der Konferenz in Mexiko, die gemeinsam von MitarbeiterInnen deutscher Behörden (u.a. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, BVL) und des US-Konzerns DowDuPont verfasst wurde. Thema der Publikation sind die neuen Gentechnikverfahren mit Anwendungen wie CRISPR-Cas.

Auch diese Publikation erweckt den Eindruck einer unangemessenen Kollaboration: DowDuPont hat Dutzende Patentanträge in diesem Bereich angemeldet und will schon bald einen Gentechnik-Mais vermarkten, der mit Hilfe der Gen-Schere CRISPR-Cas in seiner Zusammensetzung verändert wurde. Testbiotech erwartet, dass auch die Bundesregierung aktiv wird, die neuen Standards der EFSA übernimmt und weitere Maßnahmen zur Stärkung der Unabhängigkeit der Behörden in die Wege leitet.

Kontakt: Christoph Then, Tel 0151 54638040, info@testbiotech.org

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Quelle: Testbiotech

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