Whisky auf Bayerisch – Hochprozentiger Genuss aus der Heimat

Whisky auf Bayerisch
Foto: StMELF

Die heimischen Whisky-Genießer müssen vielleicht schon bald tiefer in die Tasche greifen: Denn der seit Monaten schwelende Handelsstreit zwischen den USA und der Europäischen Union (EU) geht mit den verhängten Strafzölle auf US-Produkte, wie u. a. Jeans, Motorräder – aber auch Whisky, in die nächste Runde.

Inwieweit die Strafzölle an die Kunden weitergegeben werden und sich die Preise tatsächlich erhöhen bleibt abzuwarten. Doch die bayerischen Destillats-Genießer könnte das eigentlich kalt lassen: Denn diese müssen nicht zwingend zum hochprozentigen Bourbon aus Übersee greifen, sondern können auf Single Malt Whisky – und sogar Bourbon „Made vor der Haustüre“ zurückgreifen.

Handwerk mit Tradition

Whisky aus Bayern? Was sich vielleicht zunächst wie ein neuer Modetrend anhört, ist gar nicht so neu. Denn bereits seit dem 19. Jahrhundert wird in Bayern Whisky hergestellt. „Alleine in Franken gibt rund 80 Destillen, die sich mit der Herstellung von Whisky beschäftigen und nochmals knapp 300 Destillen, die seit Generationen Kornbrände herstellen“, so Mathias Krönert, Fachberater Brennereiwesen an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG).

Und Bayerland ist Brennerland: Mit über 4.000 Brenner, davon alleine 1.700 in Franken, hat der Freistaat eine der größten Dichten an Klein- und Obstbrennern deutschlandweit. Damit ein Single Malt auch zu einem echte Single Malt wird, gibt es genaue Vorgaben: Bevor eine Flasche Single Malt Bavarian-Whisky in den Handel kommt, muss der Inhalt mindestens drei Jahre in Holzfässern mit einem Fassungsvermögen von maximal 700 Litern reifen und lagern.

Heimat, die schmeckt

Neben der handwerklichen Brennkunst verleiht vor allem der Rohstoff dem Gebrannten seinen unverkennbaren Geschmack. Während für den amerikanischen Bourbon Mais (mind. 51 %) zum Einsatz kommt, wird für den Single Malt Whisky gemälzte Gerste („Malt“ für Malz) verwendet. Zusammen mit Wasser, in der Regel aus einer nahe gelegenen Quelle, entsteht der Whisky dann in einer Brennerei („Single“ für einzeln), und nicht aus einem Verschnitt mehrerer Whiskysorten. Der Zusatz „Single Malt“ wird als Qualitätsmerkmal verstanden. Hinzu kommt dann noch die besonders lange Lagerung in den Fässern – wie auch beim Bourbon, der „Made in Bavaria“ zu haben ist.

Für die typisch fränkischen Brände und Geiste wandern aber vor allem Zwetschge, Birne und Äpfel in die Destille. „Brenner sein bedeutet jedoch nicht nur vor der Destille zu sitzen, sondern beginnt schon auf der Streuobstwiese“, betont Krönert. So prägen die hochstämmigen Obstgehölze die einzigartige Kulturlandschaft – und damit das Erscheinungsbild Bayerns – und stehen für Heimat, Tradition und Lebensraum für über 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten gleichermaßen.

Die Zukunft sichern

Neben der Wissensvermittlung über regelmäßige Seminarreihen und in der zweijährigen Ausbildung zum „Bayerischen Brenner“, erarbeitet das Beratungsteam um Mathias Krönert auch Betriebsentwicklungskonzepte für die bayerischen Brennereien. „Technikberatungen aber auch bauliche Anpassungen und Modernisierungen, wie die Konzeption von Destillatheken, bilden dabei den Schwerpunkt unserer Arbeit“, so Mathias Krönert.

Im Fokus dabei steht die Optimierung von Prozessen und Abläufen in der Herstellung von qualitativ hochwertigen Destillaten „Made in Bavaria“. Seit 2014 wurden dafür knapp 100 Betriebe in allen Regierungsbezirken Bayerns besucht und zukunftsweisende Konzepte für das Brennerhandwerk erarbeitet.

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF)

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