Fast jeder fünfte Deutsche verzichtet auf Gluten – oft zu Lasten der Gesundheit

Getreidefeld, Weizenfeld
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rbb-exklusiv: Gluten – das unverträgliche Geschäft.

Fast jeder fünfte Deutsche verzichtet ganz oder teilweise aufglutenhaltige Lebensmittel. Das hat eine repräsentative Umfrage des Instituts INSA consulere im Auftrag des rbb-Verbrauchermagazins SUPER.MARKT ergeben.

Konkret verzichten 3,4 Prozent der 1.026 bundesweit Befragten vollständig auf glutenhaltige Lebensmittel, weitere 14,8 Prozent meiden Gluten zumindest zum Teil. Nur jeder Fünfte meidet Gluten aufgrund einer ärztlicher Diagnose, jeder Sechste aufgrund der Diagnose eines Heilpraktikers. Zwei-Drittel derjenigen Befragten, die ganz oder teilweise auf Gluten verzichten, hatten gar keine Diagnose.

Jeder Fünfte verzichtet – doch nur jeder Hundertste leidet wirklich an Zöliakie

Wer an einer Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie leidet, muss das Klebeeiweiß, das in vielen Getreidesorten steckt, strickt meiden. Doch laut Prof. Torsten Zuberbier, Leiter des Allergie-Zentrums der Charité, leiden nur 0,5 bis 1 Prozent der Deutschen darunter. Also rund zwanzigmal weniger Menschen, als laut Umfrageergebnis auf Gluten verzichten.

„Die echte Zöliakie nimmt definitiv nicht zu. Was wir aber beobachten können, ist, dass immer mehr Menschen das Gefühl haben, sie reagieren auf bestimmte Nahrungsmittel“, ordnet Zuberbier die Ergebnisse der rbb-Umfrage ein. Seit einigen Jahren werde in der Wissenschaft das Phänomen der Glutensensitivität diskutiert. Manche Allergologen behaupteten, dass bis zu fünf Prozent der Bevölkerung aufgrund von Gluten Bauchschmerzen oder Verdauungsprobleme entwickeln, wenn sie Weizenprodukte mit Gluten konsumieren.

Studienlage weckt Zweifel, dass es Glutensensitivität wirklich gibt

Doch die auf Nahrungsmittel-Allergien spezialisierte Ernährungsberaterin Dr. Imke Reese zweifelt diese Aussagen an. „Die dazu durchgeführten Studien konnten bislang nicht zeigen, dass es dieses eigenständige Krankheitsbild Glutensensitivität wirklich gibt“. Die Studien zeigten vielmehr, dass nur die wenigsten Menschen wirklich davon profitieren würden, Gluten wegzulassen, so Reese gegenüber dem rbb. Sinnvoll sei es, Kohlenhydrate zu reduzieren. Doch Gluten sei eben nicht die Kohlenhydratkomponente im Getreide, deshalb seien glutenfreie Produkte auch nicht gesünder.

Zudem sind glutenfreie Produkte nach rbb-Recherchen bis zu fünfmal teurer als herkömmliche Produkte. Daher rät Reese dringend davon ab, aufeigene Faust auf Gluten zu verzichten. Stattdessen sollten Patienten einen Facharzt oder eine spezialisierte Ernährungsberaterin konsultieren. Dann könne über einen sogenannten IGE-Test und ein Ernährungstagebuch abgeklärt werden, ob wirklich eine Glutenunverträglichkeit vorliegt. Das sei bei den meisten Patienten gar nicht der Fall. Dieser Beobachtung schließt sich auch Allergologie-Professor Zuberbier an. „Wir haben viele Patienten, die unnötig ein, zwei Jahre Lebensmittel weglassen und dann in eine Mangelernährung kommen,“ sagt er.

Mehr zum Thema auf rbb|24 und um 20.15 Uhr im rbb-Verbrauchermagazin SUPER.MARKT

Quelle: Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), übermittelt durch news aktuell

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